Donnerstag, 2. Januar 2014

Die Frau in der Urkirche und der Papst

Gerne lese ich den Blog von Ameleo, die nach einer längeren Pause seit kurzem wieder zu bloggen begonnen hat. Wer ihn noch nicht kennt, kann hier fündig werden.

Vor kurzem hat sie mal wieder zu einem ihrer liebsten Themen etwas gebloggt, nämlich zum Thema Frauen in der Urkirche. Man kennt das ja: Allenthalben wird von einigen Kreisen festgehalten, dass Frauen in der frühen Kirche eine größerer Rolle spielten als z.B. im 19. Jh. und das deswegen Frauen jetzt endlich fortschrittlich zu Priesterinnen geweiht werden müssten.

Das es keinen einzigen Hinweis auf eine Priesterin in der Urkirche gibt, tangiert dabei nicht. Denn das Amt des Presbyters, von dem sich das Priestertum ableitet, können wir in der Urkirche nur selten nachweisen. Vermutlich war er eine regionale Erscheinung ohne feste Kompetenz, die sich erst um die Jahrhundertwende als feste Institution etablierte. Damals gab es denn auch noch kein Weihepriesterum im heutigen Sinne. Das muss uns aber aber keine Schweissperlen auf die Stirn treiben, denn das Priestertum ist ja eine Ableitung des Bischofsamtes, das wiederum in seiner frühesten Form als Vertretung der Apostel gut bezeugt ist.

Die Frage ist also nicht, ob es weibliches Presbyterinnen gab, sondern ob es damals weibliche episkopoi (grammatikalische Fehler bitte entschuldigen) gab. Das ist mir aber nicht bekannt. Zwar gab es Diakoninnen und auch Frauen in Vorsteherfunktionen. Doch sind diese Kompetenzen nicht umschrieben und können, das sagen auch viele Forscher, oft mit Patronatsverhältnissen in Verbindung gebracht werden. Dazu schreibe ich aber demnächst noch etwas. Doch eine Amt, das später in einer entsprechenden Funktion zum Weiheamt wurde, hatten Frauen nicht inne, wenn man vom Diakonat einmal absieht, wo es aber andere denkbare Möglichkeiten der Auslegung gibt.

Doch hat uns der Hl. Vater in diesem Diskurs bereits einen klugen Weg gewiesen, indem er von einer Theologie der Frau sprach, die entwickelt bzw. ausgebaut werden soll, um sie in ihrem Dienst besser wert zu schätzen. Diese Aufwertung der Frau ist in unseren Breiten, wo die Emanzipation ihre positiven wie negativen Spuren hinterlassen hat, wichtig und richtig. Dagegen bleibt: Es gibt keine weiblichen Priesterinnen. Wer meint, sich weiter daran abarbeiten zu müssen, der kann auch zu lernen versuchen, aus eigener Kraft zu fliegen. Sicher ein schöner Traum, aber vielleicht kann man seinen Dienst besser in der Realität ausüben.

Kommentare :

  1. Bedenken Sie die Apostelin Junia!

    http://theologie-und-kirche.de/phoebe-und-iunia.pdf

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    1. Keinesfalls. Aber wenn ich hier von Aposteln spreche, übernehme ich den Apostelbegriff von Johannes Paul II. in OS. Dieser zählt zu den Aposteln vor allem den Zwölferkreis. Das NT kennt ja vier verschiedene Apostelbegriffe. Relevant ist für uns die Zuordnung der Autorität, die diesen Aposteln zukam. Diese Autorität erhielten die übrigen Apostel wesentlich über den Zwölferkreis bzw. die Versammlung der Urgemeinde mit den Führeren Petrus, Johannes und (später) Jakobus. Das gilt auch für Paulus. Vgl. Sie hierzu besonders das Apostelkonzil, bei dem Paulus nicht als gleichrangiger Apostel auftritt. In diesem Zusammenhang auch den Titusbrief. Hier beauftragt Paulus als autorisierter Apostel den Titus als seinen Stellvertreter mit der Einsetzung von Vorstehern/episkopoi.

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    2. Nachtrag: Die Unterschiede in den Apostelbegriffen können sie auch an Andronikus und Junia selbst sehen. Paulus selbst stellt sie als Personen vor, die unter den Aposteln angesehen (Einheitsübersetzung) oder sogar ausgezeichnet sind (Elberfelder). Gerade die starke Betonung in der Ef, die auch ihr Text sich zu eigen macht, spricht aber für mehrere Apostelbegriffe. Schwerlich kann man sich vorstellen, dass die beiden den gleichen Rang wie Petrus und Johannes haben, die ja unter ihresgleichen auch herausragen. Auch werden sie von Paulus empfohlen. Eine wirklich bedeutende Person muss aber nicht empfohlen werden. Sie dürften also eher wichtigere Mitarbeiter des Paulus gewesen sein, wofür ja auch die Zuordnung spricht, sie seien gemeinsam im Gefängnis gewesen. Wir können hier also schon drei Apostelbegriffe erkennen: Die Zwölf, Paulus und Andronikus und Junia.

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  2. Nette Konstruktion zur Verteidigung von OS. Aber völlig unbrauchbar. Paulus betont ausdrücklich in seinem Apostolat unabhängig von den 12 zu sein, weil er von Christus selbst eingesetzt ist. So ist sein Apostelbegriff mit einer Erscheinung und Beauftragung durch den Auferstandenen bestimmt (Gal Kapitel 1 und 2). Zudem ist Jakobus keiner der 12 und hat trotzdem weitreichende Macht in Jerusalem, er wird als eine Säule der Gemeinde bezeichnet. Sie argumentieren einfach auf der Grundlage Ihrer Schlussfolgerungen. Wenn Paulus jemanden Apostel nennt, dann meint er Menschen, die vom Auferstandenen einen Verkündigungsauftrag bekommen haben. Wenn OS unter Apostel nur die 12 meint, dann ist dies theologisch äußerst bedenklich.

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    1. Sie machen sich hier einen von Paulus abgeleiteten Apostelbegriff zu eigen. Das ist vollkommen Ok. Aber das heisst nicht, das er der einzig gültige ist, wie oben dargestellt - von daher sehe ich meine Ausführungen nicht als vollkommen unbrauchbar an, höchstens als teilweise unbrauchbar. OS kann sich also auch einen anderen Apostelbegriff zu eigen machen. Theologisch also kein Problem.

      Sie verweisen zudem auf den Galaterbrief. Es fällt ihnen sicher auf, dass der Galaterbrief von Paulus geschrieben ist, der von Seite Perspektive auf ein Ereignis zurückblickt. Natürlich sind seine Ausführungen richtig, aber doch nicht neutral. Aus dem Brief geht hervor, dass Paulus sich selbst als Apostel ansah, von Christus berufen, die Nicht-Juden zu missionieren. Er war aber nicht unabhängig von den 12. Seine Berufung kam von Jesus, seine Bestätigung musste er sich aber in Jerusalem abholen. Denn auch in seiner eigenen Darstellung tritt Paulus nicht als Gleichberechtiger auf. Er legt der Versammlung seine Lehre der Gemeinde vor, um zu fragen, ob er richtig dacht. Er unterwirft sich also dieser Gruppe. Und zwar sowohl was seine Lehre angeht, als auch seine Stellung, denn auch darüber wird geurteilt. Und er bekommt die Bestätigung für beides. Aus der Sicht Pauli ist das denn auch lediglich die Bestätigung von dem, was er längst angenommen hat. Aus der Außenperspektive aber erst der eigentliche Einsetzungsakt. Folgerung: Gott beruft, aber die Kirche bestätigt.

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    2. Paulus behauptet genau das Gegenteil! Ihre Deutungen decken sich nicht mit seinen Ausführungen. Sein Evangelium ist unverhandelbar, auch nicht durch die 12! . Gal 2,6: "Aber auch von denen, die Ansehen genießen - was sie früher waren, kümmert mich nicht, Gott schaut nicht auf die Person-, auch von den «Angesehenen» wurde mir nichts auferlegt." Paulus rechtfertigt sich, weil Falschbrüder Lügen über seine Lehre verbreitet hatten. Sein Evangelium hat er von Christus, es ist wie gesagt unverhandelbar. Deshalb kann er später in Antiochien auch Petrus ermahnen, sich nicht entsprechend dem Evangelium zu verhalten.

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    3. Wie oben bereits angedeutet gilt es zu bedenken, das Paulus hier aus seiner Innenperspektive schreibt. Seine Ausführungen sind entsprechend subjektiv gefärbt, wenngleich, weil biblisch, zutreffend. Zudem bedenken wir den Charakter des Briefes, der ein Verteidigungsschreiben des Paulus ist (vgl. Gal 1,6) Entsprechend betont Paulus seinen Rang und seine Selbstständigkeit. Vergleichen sie z.B. Gal 1,21: "Danach ging ich in das Gebiet von Syrien und Zilizien." Und jetzt Apg 9,30: "Als die Brüder das merkten, brachten sie ihn nach Cäsarea hinab und schickten ihn von dort nach Tarsus." Paulus lügt nicht, er ging nach Tarsus. Aber nicht, weil er eben lustig war, sondern weil man ihn dort hinschickte.

      Betrachten wir zunächst Gal 2,2: "Ich ging hinauf aufgrund einer Offenbarung, legte der Gemeinde und im besonderen den «Angesehenen» das Evangelium vor, das ich unter den Heiden verkündige; ich wollte sicher sein, dass ich nicht vergeblich laufe oder gelaufen bin." Paulus erkennt also die Autorität der Versammlung an, sein Evangelium zu bewerten, also es auf eventuelle Fehler zu begutachten. Wohlgemerkt nur dieser Versammlung, keiner x-beliebigen Gemeinde. Er betont denn auch, das ihm von den Angesehenen nichts auferlegt wurde, was sein Verhalten, sich von den falschen Brüdern nichts auferlegen zu lassen, bestätigt. Der oben genannte Einschub soll dann wieder seine Selbstständigkeit betonen, er bleibt aber für das weitere Geschehen vor Ort folgenlos.

      Die Szene in Antiochien ist ähnlich zu deuten. Aus der Kritik des Paulus spricht nicht dessen lehrmäßige und rangmäßige Unabhängigkeit gegenüber Petrus, sondern nur sein Selbstbewusstsein. Man kann auch einen rangmäßig höheren beratend kritisieren. Paulus streicht hier natürlich wieder seine Unabhängigkeit heraus. Tatsächlich zeigt seine Reaktion aber, das Petrus wichtiger war als er und es für ihn notwendig war, ihn von seiner Linie zu überzeugen. Er lässt dabei offen, welche Folgen seine Aktion hatten. Wahrscheinlich war es ein Kompromiss, den einen eindeutigen Sieg hätte Paulus in die Schrift sicherlich reingepackt, wie das Schema aus Gal 2 zeigt.

      Der Galaterbrief zeigt also, zusammen mit der Apostelgeschichte, 1. das Bewusstsein des Paulus, von Gott berufen zu sein, 2. den Rang den Paulus einnahm, der zwar wichtig war, aber den 12 und gerade Petrus nachgeordnet und 3. das Paulus nicht unumstritten war und sich zu den Jerusalemern in ein Verhältnis setzen musste. Entsprechend passt er in das von mir oben skizzierte Verhältnis der Apostelbegriffe.

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    4. Ihre Ausführungen strotzen nur so vor Anachronismen! Als ob es in der apostolischen Zeit eine dogmatisierte Lehre oder eine kirchliche Institution mit einer klaren Hierarchie gegeben hätte. Beachten Sie, dass Lukas im Gegensatz zu Paulus, der Augenzeuge ist, tendenziös über der Konzil berichtet, er kennt z.B. Auflagen, die Paulus deutlich bestreitet. Ihre Behauptung einer Nachordnung gegenüber den 12 ist unhaltbar, Paulus behauptet das Gegenteil. In der Apg können Sie zudem lernen, dass Jakobus den Petrus in der Gemeindeleitung verdrängt, und dieser ist keiner der 12! Sie deuten die Perikopen entsprechend Ihrer vorgefassten Meinung! Apg 9:30 spielt kurz nach der Umkehr des Paulus, in einer Phase, wo Paulus sich erst in die neue Gemeinschaft einlebt. Diese Stelle ist also als Beleg für Ihre These völlig unbrauchbar. Paulus begründet seine Rechtfertigung mit einer Offenbarung, was bedeutet, dass der HERR ihn schickt, er ist um Einheit bemüht. Sein Evangelium steht absolut NICHT zur Disposition: "Als aber Gott, der mich schon im Mutterleib auserwählt und durch seine Gnade berufen hat, mir in seiner Güte seinen Sohn offenbarte, damit ich ihn unter den Heiden verkündige, da zog ich keinen Menschen zu Rate ich ging auch nicht sogleich nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern zog nach Arabien und kehrte dann wieder nach Damaskus zurück."

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    5. Liebe Frau Knaub,
      zunächst möchte ich mich für die angeregte Diskussion bedanken, ich freue mich immer, wenn ich durch solche Kommentare Impulse erhalte.

      Dennoch muss ich ihnen sagen, dass ich ihre Argumentation nicht immer ganz nachvollziehen kann. Sie werfen wir mir vor, unsauber zu arbeiten - das mag auch an einigen Stellen sicher sein, davon spreche ich mich nicht frei -, tun das aber selber auch. So behaupten sie, Lukas arbeite tendenziös, begründen das aber nicht, scheinen das gleiche aber nicht von Paulus anzunehmen, obwohl Galater wie gezeigt eine Verteidigungsschrift ist. Sie werfen mir vor, eine dogmatisierte Lehre, Institutionen etc. anzunehmen, ohne das zu begründen - und ich sehe auch nicht, wo ich das behauptet habe, spreche ich doch lediglich von einer gewissen Hierarchisierung. Sie behaupten auch, Jakobus habe Petrus aus der Führung verdrängt, ohne das zu belegen. Die Stelle Apg 9,30 hingegen diente 1. dazu, den Unterschied zwischen der Apg und dem Galaterbrief zu illustieren und 2. das er sich damals sehr wohl unterordnete, obwohl er das später etwas anders darstellt.

      Aber ich denke, wir haben uns wohl etwas festgefahren. Die angeschnittenen Themen lohnen eigene Posts. Ich werde daher in der nächsten Woche meine bisherigen Kommentare hier noch einmal überarbeiten und zusammenfassen und dann veröffentlichen. Auch die Frage nach einem etwaigen anachronistischem Arbeiten will ich noch einmal überdenken und dazu nächste Woche etwas schreiben. Herzlich lade ich sie ein, meine Posts dann wieder kritisch zu würdigen.

      Sollten sie ihre These in dieser Frage einmal umfangreicher darstellen wollen und dafür keine Plattform haben, lade ich sie auch gerne ein, einen Gastbeitrag hierzu zu verfassen. Per Mail (Adresse oben rechts) können sie mich in dieser Frage erreichen.

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    6. Die Belege, die Sie fordern sind einfach aufzulisten. Lesen Sie Apg 15! Vers 7 (und 14) nennt Petrus als Heidenmissionar, Gal 2,8 nennt Petrus als Judenmissionar. Die Apostel undJakobus und die Presbyter (Ältesten) sind die Gemeindeleiter in Jerusalem, die alle Entscheidungen treffen. Petrus ist nach Lukas aber als Heidenmissionar unterwegs.

      Soviel übrigens zu Ihren Episkopoi, die tauchen erst in den paulinischen Gemeinden auf und haben dieselbe Funktion wie die Presbyter im jüdisch geprägten Umfeld.

      Der Unterschied zwischen den beiden Texten zum Apostelkonzil ist offensichtlich, dem Paulus ist als Teilnehmer wohl eher zuzustimmen, will man ihn nicht der absichtlichen Falschaussage beschuldigen. Er sagt, dass es keine Auflagen gab, Lukas behauptet Auflagen.

      Letztendlich gibt es sowohl bei Paulus als auch bei Petrus nur eine Unterordnung unter den Willen Gottes, was Paulus die Tadelung des Petrus in Antiochien erlaubt.

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    7. Ihrer Interpretation von Apg 15 stimme ich so nicht zu, darauf gehe ich aber später ein. Die Verdrängung von Petrus durch Jakobus wird von ihnen nicht nachgewiesen.

      Ihre Argumentation bzgl. der Glaubwürdigkeit ist für mich nicht ganz nachzuvollziehen. Sie scheinen der Meinung zu sein, das entweder Paulus oder Lukas die Unwahrheit berichtete. Ihre Argumentation stützt sich allein auf die Augenzeugenschaft des Paulus. Das ist aber nur ein Interpretationsfaktor. Sie ignorieren den unterschiedlichen Charakter der Schriften. Zudem behaupten sie, Lukas habe bei so einem wichtigen Ereignis wie dem Apostelkonzil falsch berichtet, was dem Anspruch des Autors krass zuwiderläuft. Davon abgesehen, dass Lukas der paulinischen Richtung zuzurechnen ist. Beide Schriften ergänzen sich gegenseitig und schließen sich nicht aus. Ihr entweder-oder-Denken wird weder der Situation noch dem Quellenstand gerecht.

      In der Episokopos-Presbyter-Frage haben sie allerdings wohl teilweise recht. Da scheint es Überschneidungen gegeben zu haben.

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    8. Nun, entweder gab es Auflagen, wie Lukas berichtet (seine Quellen könnten ja falsch sein, denken Sie an die Falschbrüder, die Irrlehren und falsche Informationen streuten!) oder es gab sie nicht, wie Paulus als Beteiligter betont. Daran gibt es nichts zu tricksen!

      Zu Petrus und Jakobus, gerne komme ich auch da meiner Nachweispflicht nach: Die Tatsache, dass Paulus drei Jahre nach seiner Christophanie den Petrus besucht, lässt darauf schließen, dass dieser zu dieser Zeit noch der Leiter der Urgemeinde in Jerusalem gewesen ist. Beim zweiten Besuch des Paulus (14 Jahre später) in Jerusalem sieht das schon anders aus, weil die Rangfolge in der Aufzählung nun den Jakobus an die erste Stelle setzt (Gal 2,9). Apg 12,17ff und Gal 2,11-21 zeigen Petrus als Wandermissionar, nicht mehr in Jerusalem. Seine Spuren gehen über Korinth (1Kor 1,12) bis nach Rom, wo er letztendlich gekreuzigt worden sein soll.

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    9. Ich danke für die Nachreichung. Dann haben Sie sich oben aber etwas ungenau ausgedrückt. Jakobus hat Petrus als Leiter der Urgemeinde abgelöst, verdrängt klingt doch ein bisschen sehr nach Putsch.

      Ihrer Argumentation stimme ich in diesem Bereich denn auch insoweit zu, dass Jakobus nunmehr als Leiter der Gemeinde in Jerusalem fungiert. Petrus kommt jedoch nach wie vor der höhere Rang zu. Hierzu vgl. sie z.B. Apg 15,7f. Petrus spricht zuerst und gibt sein Votum ab, Jakobus folgt seiner Argumentation und entwickelt daraus dann den Vorschlag. Üblicherweise trug man in der Antike nicht willkürlich vor, sondern die entscheidenden Voten wurden nach dem Rang der Personen abgegeben.

      Zu Gal 2: Paulus schreibt hier "auch von den «Angesehenen» wurde mir nichts auferlegt". Es geht also nicht primär um die Heidenchristen, sondern darum, wie Paulus handeln soll. Was damit gemeint sein kann, gibt Paulus kurz davor an: "Doch nicht einmal mein Begleiter Titus, der Grieche ist, wurde gezwungen, sich beschneiden zu lassen." Es geht also vor allem um die Beschneidung als sichtbares Bundeszeichen, die Paulus nach Meinung einiger hätte durchführen sollen. Das entspricht auch Apg 15,1-5. Und die Beschneidung wurde vom Apostelkonzil in der Tat als nicht notwendig deklariert, somit wurde Paulus für seine Missionstätigkeit nichts auferlegt.

      Im weiteren Sinne könnte man, wollte man sich weit aus dem Fenster lehnen, aber auch die Beschlüsse des Apostelkonzils als Einschränkungen - freilich nicht in der Hauptstreitsache - ansehen. Allerdings sind die marginal, da sie die Heidenchristen lediglich auf eine gewisse Solidarität mit den jüdichen Speisevorschriften, konkret die Form der koscheren Schlachtung, verpflichteten. Paulus könnte daher auch unter diesem Blickwinkel - seinen Sieg herausstellend - sagen, es sei ihm nichts auferlegt worden.

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  3. Das Argument "geht nicht, weil ging früher auch nicht", ist geradezu rührend. Unter diesem Gesichtspunkt schlage ich vor, wir führen die Grunduntertänigkeit wieder ein (-> persönliche Freiheit? Ging einfach nicht), schließen alle Schulen bis auf eine Handvoll Klosterschulen (Schulbildung für alle? Ging GAR nicht. Völlig unnötig) und schaffen alle Schutzimpfungen ab (Impfen? Gab's auch nicht) und sterben fürderhin unfrei, ungebildet und früh. Weil was früher irgendwann war, darf sich auf keinen Fall jemals verändern! Niemals!
    Natürlich ist es sinnfrei, einem Gläubigen einen Blick auf die Machtmechanismen seiner Organisation vorzuschlagen, aber: eine Kirche ist eine Organisation wie alle anderen auch, in der die Mächtigen versuchen, Macht & Herrschaftswissen ihrem exklusiven Zirkel vorzubehalten. Die Mächtigen werden sich natürlich nicht Konkurrenz ins Haus holen (schon gar nicht weibliche) und versuchen, sich nach unten abzuschließen.

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    1. Der von Ihnen vertretene Ansatz funktioniert in dieser Weise leider nicht. Sie skizzieren ein frühmittelalterliches Modell, begründen aber nicht, warum man das als Normzeit angeben sollte.

      Doch gehen wir mal davon aus, sie würden das begründen, dann wäre ihre Argumentation für diese Diskussion nicht relevant, weil Sie einen säkularen Ansatz vertreten, indem Kirche als Machtapparat und nicht als vom Geist Gottes geführte Gemeinschaft wahrgenommen wird, wie es theologisch für diese Argumentation notwendig ist. Die Problematik können Sie zielführend aber nur theologisch diskutieren.

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