Samstag, 28. September 2013

Samstäglicher Newsticker

Brüssel: Der Europäische LGBT-Verband fordert eine pairtätische Repräsentation ihrer Lebensformen in der Werbung: "Es ist nicht angemessen, dass die Lebensformen unserer Mitglieder in der Werbung nicht gleichberechtigt abgebildet werden. Wir verlangen, dass jede Lebensform gleiche Werbezeit erhält." Die EU-Kommission für Gleichberechtigung, Gleichstellung und Gleichheit ließ verlauten, sie nehme den Vorschlag mit Interesse auf.

Berlin: Die Gemeinschaft für eine solidarische Kirche spricht sich für eine Kultur des barmherzigen Miteinanders aus: "Wir dürfen demjenigen, der in Sünde lebt, seine Fehler nicht ständig vorhalten und auch nicht Umkehr von ihm erwarten. Vielmehr müssen wir darauf vertrauen, dass Jesus ihn  liebt und diese Liebe in Barmherzigkeit ihm gegenüber umsetzen." Über den Limburger Bischof Tebartz-van Elst sagte der Pressesprecher: "Die Unterstützung des Limburger Bischofs ist auf keinen Fall tragbar, da Tebartz-van Elst durch sein Verhalten so viele Menschen unsolidarisch behandelt hat. Wir müssen immer wieder seine Sünden kritisch benennen, um das Bistum zu retten, da wir von diesem Bischof keine Umkehr zu erwarten haben."

Limburg: Am Donnerstag fand in Limburg eine Veranstaltung des "liebevollen Dialogs" - so der Veranstalter, über die Krise im Bistum statt. Da der Bischof leider nicht teilnehmen wollte, kamen die Teilnehmer zum Bischof auf den Domplatz. Dabei schwenkten sie Transparente wie "Tebartz go home", "Bischofspalast zu Volkespalast", "Weniger Schmuck, mehr Frauen am Altar" und "Demut verlangen wir, nicht Hochmut". Leider habe der Bischof auch auf diese freundlichen Dialogansätze nicht reagiert und damit seine Kommunikationsunfähigkeit bewiesen, so der Sprecher der Veranstaltung.

Freitag, 27. September 2013

Der gute und der schlechte Grund

Ein Bruder fragte einen Altvater: Meine Schwester ist arm. Wenn ich ihr nun Almosen gebe, darf ich sie dann nicht behandeln wie jeden anderen Armen? Der Greis verneinte das. Darauf fragte der Bruder nach dem Grund und der Altvater antwortete: Weil dich dein Blut dabei leitet.
Weisung der Väter, Spruch 1114.

Donnerstag, 26. September 2013

Tebartz-van Elst und die Medien: Kampagne oder Hype?

Der Umgang der Medien mit Bischof Tebartz-van Elst ist, sagen wir's mal nett, kritisch zu bewerten. Das sehen viele so, die Unterstützer des Bischofs natürlich besonders. Entsprechend toben die konservativen Blogs und Foren seit geraumer Zeit ziemlich gegen die Medienkampagne, der der Bischof ausgesetzt sei. Ein Wort, das seltenerer fällt, ist das des Medienhypes. Zwei Begriffe, die aber nicht deckungsgleich sind. Was auf den ersten Blick wie Wortklauberei aussieht, ist für das Verständnis der Medien und ihrer Arbeit wichtig. Wichtig zum einen für uns, um zu verstehen, wie es zum momentanen Phänomen kommt, noch wichtiger aber für denjene, die mit Medien als Kommunikatoren zu tun haben. Denn wenn man einem Journalisten unterstellt, Teil einer Verschwörung zu sein, und das ist mir Kampagne in der Regel gemeint, wird der natürlich zu einer guten Berichterstattung gleich mal gar nicht eingeladen.

Worin liegt also der Unterschied zwischen Kampagne und Hype?
Eine Kampagne ist eine gewollte, geplante und gesteuerte Handlung einer größeren Gruppe, in diesem Fall von Journalisten. Es muss also einen Willen oder eine Absprache geben, dass man sich diesen oder jenen Sachverhalt besonders vornimmt. Dabei kann ein bestimmtes Ziel avisiert sein, was jedoch nicht zwangsläufig der Fall sein muss.

Ein Hype hingegen ist eine Massenreaktion, die nicht aus einem Willen, sondern aus den Funktionsmechanismen der Masse hervorgeht. Einen Medienhype kann offensichtlich beobachten, der regelmäßig die Nachrichten verfolgt. Da wird über ein bestimmtes Thema mehrere Tage oder Wochen andauernd, am besten täglich, berichtet. Und dann verschwindet es wieder in der Versenkung. Das Problem ist dabei meistens nicht gelöst, aber nicht mehr interessant.
Solche Hypes sind ein wesentlicher Grundmechanismus der Massenmedien, die auf Universalität und Aktualität ausgerichtet sind. Sie haben also den Anspruch, über alles Aktuelles zu berichten. Das können sie natürlich nicht. Zum einen haben sie dafür nicht die Zeit, zum anderen überfordert es den Rezipienten. Dieser muss aber auch an das Medium gebunden werden, es muss also Spannung erzeugt und gehalten werden. Früher gab es in Zeitungen Fortsetzungsromane, Hypes funktionieren ähnlich. Man muss dem Leser oder Zuschauer in schnell neue Folgen eines Themas liefern, damit er sich informiert fühlt und bei der Stange bleibt. Man darf es aber auch nicht zu lange machen, denn dann verliert der Rezipient irgendwann das Interesse. Also stellt man die Berichterstattung irgendwann ein, entweder weil nichts mehr passiert, was man noch als große Neuigkeit an den Rezipienten verkaufen könnte, oder weil man die Ermüdung des Rezipienten fürchtet.

Schwierig ist die Unterscheidung zwischen Kampagne und Hype, weil man die Kampagne so schlecht nachweisen kann. Schlüssig ist eine solche eigentlich auch nur für die Aktionen einer Zeitung oder eines Verlages mit mehreren Medien. Hier können interne Absprachen getroffen werden, die Kampagnen auszeichnen. Sobald weitere Medien hinzutreten, ist es am wahrscheinlichsten, dass durch die Kampagne des einen Mediums ein Hype entstanden ist. Denn Journalisten gehen nicht nur mit der eigentlichen Realität um, sondern auch mit einer von ihnen selbst geschaffenen Medienrealität. Die Medienrealität ist eine Wirklichkeit, die die uninterpretierte Realität, also die Wirklichkeit im eigentlichen Sinne, spiegelt und dabei notwendigerweise verzerrt und einfärbt. Medien orientieren sich, wie die meisten Menschen, aber oft nicht an der Realität an sich, sondern an der Medienrealität, da der Mensch zur Konsonanz neigt. Das bedeutet, er versucht die verschiedenen Wahrnehmungen möglichst konfliktfrei zu verbinden. Der einzelne Journalist ist damit der Gefangene jener Wirklichkeitsvorstellung, die die Medien als Gesamtgruppe geschaffen haben. Das führt zu einer immer einheitlicheren Berichterstattung innerhalb des Mediensystems. Da es in Deutschland, anders als vor 1933, keine Teilgesellschaften mehr gibt, die teilgesellschaftlichen Mediensystemen größere Gruppen von Rezipienten bieten würden, liegt damit eine relativ hohe Homogenität der Medienrealität vor. Das fällt dort auf, wo es noch Splittersysteme gibt. Die katholische Blogoezese und die größeren konservativen Nachrichtenportale sind solche Kleinsysteme, die wenige hunderttausend Rezipienten besitzen und eine Teil- bzw. in diesem Fall Gegenmedienrealität bilden.

Fortsetzung folgt - gemein was?

Belehrung durch die Tat

Abbas Hyperichius sagte: "Jener ist wahrhaft weise, der andere durch seine Tat, nicht durch seine Worte belehrt."
Weisung der Väter, Spruch 1095.

Mittwoch, 25. September 2013

Die drei Teile der Seele und die Tugenden

Dreiteilig also ist die Seele, wie bereits gezeigt, denn ihre Teile sind drei: Verstand, Ungestüm und Begehrlichkeit. Wenn sich im Ungestüm Liebe und Menschenfreundlichkeit finden und in der Begehrlichkeit Reinheit und Besonnenheit, ist der Verstand erleuchtet. Sind aber im Ungestüm Menschenhaß und in der Begehrlichkeit Ausschweifung, ist der Verstand verfinstert. So ist denn der Verstand dann gesund, besonnen und erleuchtet, wenn er seine Leidenschaften unterworfen hat, die Wesenszüge der Geschöpfe Gottes in geistiger Weise schaut und zur seligen und Heiligen Dreiheit emporgeführt wird. Das Ungestüm hingegen wird der Natur gemäß bewegt, wenn es alle Menschen liebt und keinem gegenüber Mißmut oder Groll hegt. Die Begehrlichkeit aber (bewegt sich der Natur gemäß), wenn sie durch Demut, Enthaltsamkeit und Besitzlosigkeit die Leidenschaften ertötet, d. h. die Fleischeslust und das Trachten nach Besitz und vergänglicher Ehre, und sie sich der göttlichen und unvergänglichen Liebe zuwendet. Die Begehrlichkeit regt sich ja auf drei Dinge hin: entweder auf die Fleischeslust oder auf eitle Ehre oder auf Erwerb von Besitz. Und aufgrund dieses widervernünftigen Strebens verachtet sie Gott und seine göttlichen Gebote, vergißt den göttlichen Adel, wird dem Nächsten gegenüber zum wilden Tier, verdunkelt den Verstand und läßt ihn nicht zur Wahrheit aufblicken. Wer eine Gesinnung besitzt, die über diesen Dingen steht, empfängt von da an, wie bereits gesagt, das Himmelreich und lebt ein seliges Leben in der Erwartung der Seligkeit, welche für jene bereitliegt, die Gott lieben. Mögen auch wir ihrer gewürdigt werden durch die Gnade unseres Herrn Jesus Christus. Amen.
Man muß aber auch folgendes wissen: Man kann nicht zum (Voll-)Maß einer beliebigen Tugend gelangen, wenn man sich nicht unter mühevollem Eifer nach Kräften das ganze Leben lang um ihren Erwerb bemüht hat durch Übung des praktischen religiösen Lebens. Dies betrifft zum Beispiel Almosengeben, Enthaltsamkeit, Gebet, Liebe oder eine beliebige Kardinaltugend. Mit ihnen nämlich trachtet ein jeder teilweise nach der Tugend. So bedient sich jemand eine Zeitlang des Almosengebens; doch da er es selten gebraucht, können wir ihn nicht im eigentlichen Sinne wohltätig nennen — umso mehr, wenn er seine Tat nicht gut und gottgefällig ausführt. Es ist nämlich das Gute nicht auch (schon) gut, wenn es nicht gut geschieht. Vielmehr ist es dann wirklich gut, wenn es nicht durch dies oder jenes seinen Lohn bereits empfangen hat, so vielleicht das Gefallen vor den Menschen infolge eines guten Rufes und allgemeines Ansehen infolge von Habsucht und Ungerechtigkeit. Denn Gott sucht auch nicht, was güt abläuft und gut scheint, sondern die Absicht, um derentwillen es geschieht. Es sagen ja auch die Gott-tragenden Väter, daß, wenn der Geist das Ziel der Frömmigkeit vergißt, das offensichtlicheWerk der Tugend unnütz wird. Was nämlich ohne Unterscheidung und ohne Ziel getan wird, ist nicht nur zu nichts nutze, selbst wenn es gut ist, sondern schadet sogar — wie das Gegenteil selbst bei dem der Fall ist, was schlecht zu sein scheint, aber mit einer frommen Absicht dem Willen Gottes gemäß geschieht, wie bei jenem, der in das Bordell hineinging und die Dirne dem Verderben entriß.
Daraus wird ersichtlich, daß weder wohltätig ist, wer das Almosengeben nur selten ausführt, noch enthaltsam, wer die Enthaltsamkeit in derselben Weise ausübt, sondern jener, der so oft wie möglich und sein ganzes Leben hindurch die Tugend ganzheitlich verfolgt mit untrüglicher Unterscheidung. Größer als alle Tugenden nämlich ist die Unterscheidung; ist sie doch die Königin und die Tugend der Tugenden. So nennen wir denn umgekehrt auch im anderen Fall nicht jenen einen Unzüchtigen oder Trunkenbold oder Lügner, wer einmal in ein jedes dieser Laster ausgeglitten ist, sondern jenen, der gleichsam meistenteils solchen Dingen verfällt und ohne Umkehr (darin) verharrt.

Er hat schon was von einem Italiener

Bildquelle hier.

Dienstag, 24. September 2013

Die Krise in Limburg und das Streben nach Heiligkeit

Die momentane Krise im Bistum Limburg wird als kirchenpolitischer Vorgang aufgefasst. Ein Bischof, dem es nicht gelungen ist, sein Bistum in Frieden und Eintracht zu führen, wird hier allenthalben konstatiert. Was auch richtig ist. Warum das der Fall ist, steht auf einem anderen Blatt und wurde schon an verschiedener Stelle auch auf diesem Blog besprochen.

Heute möchte ich eine andere Möglichkeit vorstellen, die Krise zu lesen. Nämlich als geistlichen Vorgang. Dabei liegt das Hauptaugenmerk nicht auf dem Bischof, sondern auf uns, also einem selber. Es gibt viele, die sich dieser Tage mit Inbrunst auf beiden Seiten an der kirchenpolitischen Krise beteiligen, besonders in den Medien, aber auch hier in der Szese oder auf facebook oder mittels Unterschriften etc.

Aber ist das eigentlich unsere Hauptaufgabe, kirchenpolitische Statements abzugeben? Ohne Zweifel ist es wichtig, dass wir uns beteiligen, das wir nicht nur alles abnicken, was die hohen Herren unter sich auskungeln, sondern kritische Fragen an sie - also nicht nur an den Bischof - stellen und uns eigene Gedanken machen und sie artikulieren. Doch sind solche Fragen nachgeordnet und nicht zentrales handlungsleitendes Prinzip des Christen. Im Zentrum des christlichen Lebens und damit auch des Handelns des Christen steht die Heiligung, steht der geistliche Kampf.

In diesem Zusammenhang ist die Kritik am Bischof eigentlich eine hervorragende Gelegenheit, diesen Kampf zu kämpfen, legt er doch zahlreiche wirklichen und angenommenen Fehler offen und bietet einen guten Einblick in die zu pflegenden Tugenden. Es gibt einen mittlerweile schon sehr bekannten Satz von Mutter Theresa. Sie antwortete auf die Frage eines Journalisten, ob die Kirche nicht Probleme habe: "Ja, Sie und ich." Das Problem der Kirche in Limburg ist nicht nur der Bischof, seine Kritiker in den Ämtern und die verschiedenen Seilschaften, das Problem der Kirche von Limburg bin ich und die meisten meiner Leser aus dem Bistum - Heilige mag es darunter auch geben.

Betrachten wir die "Fehler", die man dem Bischof vorwirft, so fallen dabei vor allem zwei ins Auge: Autoritäres Verhalten und Prunkliebe. Man könnte auch von Hochmut und Ruhmsucht sprechen. Hochmut weil er meint, er wisse es im Zweifelsfall besser als die anderen und Ruhmsucht weil er Geld aufwendet, um seine hohe Position darzustellen. Es sei einmal dahin gestellt, ob man das so hart über ihn sagen kann. Aber sind wir von diesen Fehlern frei? Ja, wir sind ja nicht Bischof, werden manche vielleicht sagen. Stimmt. Und? Muss der Bischof heiliger sein als ich, oder, anders gefragt, darf ich weniger heilig sein als er? Gibt es einen Laienrabatt im Himmel? Davon hab ich zumindest noch nichts gehört. Also gilt für uns der gleiche Anspruch wie für ihn, wie wir ihn messen, so messen wir uns auch selber.

Sind wir also hochmütig? Nun heisst dieser Blog ja Demut Jetzt! Aber nicht, weil ich so demütig wäre, sondern um mich daran erinnern, es zu werden. Also bin zumindest ich vom Hochmut noch befallen, meine Leser mögen es selber beurteilen, ob das auch für sie gilt. Aber wie leicht sind wir doch hochmütig und wie leicht wollen wir das beschönigen. Was werfen wir dem Bischof denn vor? Das er sich wie ein Bischof benimmt, seine Stellung und seine Kompetenzen zum Ausdruck bringt. Wir verlangen also von ihm, das er sich kleiner macht, möglichst den Bischof nicht herauskehrt, am liebsten bei einigen nicht mal den Priester, sondern als besserer Pastoralreferent durch Limburg lustwandelt. Aber sind wir das auch bereit zu erfüllen, uns kleiner zu machen, auf Privilegien, auf Vorteile zu verzichten, von denen wir meinen, sie stehen uns zu. Pflegen wir Akademiker z.B. nicht in vielen eine Sprache, die uns vor dem normalen Volk trennt, auch weil wir damit - bewusst oder unbewusst - unsere Überlegenheit zur Schaus stellen wollen und meinen wir nicht oft, einen Gegenstand besser und präziser zu begreifen als die anderen, Nicht-Studierten.

Eng mit dem Hochmut ist die Ruhmsucht verpaart. Sie ist der Wunsch, die Eigenwahrnehmung möglichst von außen bestätigt zu sehen. Man hält sich selbst für toll, großartig und überhaupt, so will man auch, dass die anderen einen sehen und einem das möglichst oft und überschwenglich sagen. Und wenn sie das nicht freiwillig tun hilft man nach und bindet ihnen die eigenen Großartigkeit solange auf die Nase, bis sie reagieren. Positiv, natürlich. Das kann schon ein kleiner Hinweis auf die eigenen Stärken oder die Schwächen eines anderen sein. Auch Selbstkritik und vermeidliche Bescheidenheit sind solche Möglichkeiten.

Der Bischof von Limburg ist in den letzten Monaten und Wochen zunehmend zur Projektionsfläche von Sünden und Fehlern geworden, die wir bei uns selber ebenfalls in reichem Maß finden können. Solche Fehler können kritisiert werden. Aber Kritik ist vor allem dort glaubhaft, wo sie nicht scheinheilig ist, wo Wasser gepredigt und Wein getrunken wird. Wer Hochmut und Ruhmsucht bei anderen kritisiert muss sich daher fragen lassen, ob er selbst diese Fehler auch hat. Und mit gutem Beispiel geht voran, wer nicht zuerst von anderen verlangt, davon frei zu sein, sondern sich zunächst selber darum bemüht. Ein solcher Weg ist dann auch mehr als kirchenpolitisches Messerwetzen, sondern das ehrliche Bemühen um die eigene Heiligung in der Nachfolge Jesu.

Die Tilgung der Leidenschaften

Wer also das erste Element, d. h. die Einflüsterung, frei von Leidenschaft betrachtet oder sie durch festen Widerspruch von sich weist, hat damit mit einem Mal alle Folgen abgeschnitten. Die Tilgung der acht Leidenschaften aber soll folgendermaßen geschehen: Durch die Enthaltsamkeit wird die Völlerei ausgetilgt, durch die göttliche Sehnsucht und das Streben nach den künftigen Gütern die Unzucht, durch das Mitleid mit den Armen die Geldgier, durch die Liebe zu allen und die Güte der Zorn, durch die geistliche Freude die weltliche Traurigkeit, durch Geduld und Ausdauer sowie die Dankbarkeit Gott gegenüber die Unlust, durch die verborgene Ausübung der Tugenden und das anhaltende Gebet in Zerknirschung des Herzens die eitle Ehrsucht, und indem man niemanden richtet oder verachtet wie der prahlerische Pharisäer, sondern sich für den letzten aller hält, der Hochmut. Ist also der Geist auf diese Weise von den erwähnten Leidenschaften befreit und hat er sich wieder zu Gott erhoben, dann lebt er von da an das selige Leben, indem er das Angeld des Heiligen Geistes empfängt. Und nachdem er unter Leidenschaftslosigkeit und wahrer Erkenntnis aus den hiesigen Dingen ausgewandert ist, tritt er vor das Licht der Heiligen Dreiheit und wird zusammen mit den göttlichen Engeln für unendliche Ewigkeiten umstrahlt.
Philokalie, Bd. 2, S. 331.

Montag, 23. September 2013

Tebartz-van Elst: Bischof nach den Worten des Papstes

Häufig wird gegen den Limburger Bischof Tebartz-van Elst angeführt, er sei ein Relikt aus einer anderen Ära und ganz anders als Papst Franziskus. Der sei ja bescheiden, nah bei den Menschen etc. wohingegen Tebartz-van Elst das alles nicht, sondern das glatte Gegenteil, sei.

Schaun wir mal, ob das immer so stimmt.
So sagte Papst Franziskus bei einer Audienz für die Priester seiner Diözese:
„Wir Bischöfe“, habe der Papst gesagt, „müssen den Priestern nahe sein, wir müssen sie lieben, die Priester sind für uns die Nächsten. Die Nächsten des Bischofs sind die Priester.“
Von Christus wissen wir, wer mit dem Nächsten gemeint ist. Derjenige, der für einen Menschen da ist, besonders in der Not, der nicht nach sich, sondern nach ihm fragt.
Neulich berichtete mir ein Bekannter, der als pastoraler Mitarbeiter in einer Pfarrei des Bistums gearbeitet hat, vom Sterben eines alten Priesters. Und wer hat alles stehen und liegen lassen und kam, um dem alten Mann auf seiner letzten Reise zu begleiten? Sein Bischof Tebartz-van Elst.
Das sich der Bischof gerade des Problems der Einsamkeit seiner Priester bewusst ist, zeigt auch eine neue Tradition in Limburg. So lädt der Bischof an Ostern die Priester der Umgebung in Limburg zum gemeinsamen Essen und Beisammensein ins Priesterseminar. Begründung: Da schieben sich manche Priester am Ostersonntag eine Pizza in den Ofen und setzen sich davor.
Wer ist hier der Nächste der Priester? Der Bischof!

Quelle: Tagespost hier.

Die drei Teile der Seele nach Johannes von Damaskus

Damit wir aber die Leidenschaften noch deutlicher gemäß der Dreiteilung der Seele erkennen, haben wir uns entschlossen, auch folgendes in Kürze hinzuzufügen:
Die Seele läßt sich in drei Bereiche aufteilen, in Verstand, Ungestüm und Begehrlichkeit. Die Sünden des Verstandes sind folgende: Unglaube, Häresie, Unverstand, Gotteslästerung, Undankbarkeit sowie die Zustimmung zur Sünde, welche vom fühlenden Teil (der Seele) ausgeht. Die Heilung und Behandlung dieser Laster aber sind der von Zweifel freie Glaube an Gott und die wahren, unfehlbaren und rechtgläubigen Lehrsätze der Frömmigkeit, das ununterbrochene Nachsinnen über die Aussprüche des Geistes, das reine und unaufhörliche Gebet und die
Dankbarkeit Gott gegenüber. Die Sünden des Ungestüms aber sind folgende: die Herzlosigkeit, der Haß, die Unbarmherzigkeit, der alte Groll, der Neid, der Mord sowie das dauernde Sinnen auf derartige Dinge. Ihre Heilung und Behandlung besteht in der Menschenfreundlichkeit, in der Liebe, in der Sanftmut, in der Bruderliebe, im Mitleid, in der Langmut und in der Güte. Die Sünden der Begehrlichkeit jedoch sind folgende: die Völlerei, die Schlemmerei, die Trunksucht, die Unzucht, der Ehebruch, die Unreinheit, die Ausschweifung, die Habsucht, die Begierde nach eitler Ehre, nach Gold und Reichtum sowie den fleischlichen Lüsten. Ihre Heilung und Behandlung besteht im Fasten, in der Enthaltsamkeit, im Ungemach, in der Besitzlosigkeit, im Verteilen des Besitzes an die Armen, im Streben nach jenen künftigen unvergänglichen Gütern, im Trachten nach dem Reich Gottes und im Verlangen nach der nach der Annahme an Sohnes statt.
So ist es denn nötig, daß wir auch die Erkenntnis der leidenschaftlichen Gedanken verleihen, durch welche jegliche Sünde vollbracht wird. Acht sind alle Gedanken, welche die Schlechtigkeit umfassen: jener der Völlerei, jener der Unzucht, jener der Geldgier, jener des Zornes, jener der Traurigkeit, jener der Unlust, jener der eitlen Ehrsucht und jener des Hochmuts. Ob uns diese acht Gedanken belästigen oder nicht belästigen, das steht nicht in unserer Macht. Ob sie aber in uns verweilen oder nicht verweilen, Leidenschaften erregen oder nicht erregen, das steht in unserer Macht. Eines ist die Einflüsterung und etwas anderes die Verbindung mit ihr; eines das Ringen und etwas anderes die Leidenschaft sowie auch die Zustimmung, welche sich der Ausführung nähert und angleicht. Und eines ist die Tat und etwas anderes die Gefangenschaft. Einflüsterung nun ist die einfachhin vom Feind her geschehende Erinnerung, z. B.: "Tu das oder jenes", wie bei unserem Herrn und Gott: "Sprich, daß diese Steine zu Brot werden. Dies steht, wie gesagt, nicht in unserer Gewalt. Verbindung aber ist die Annahme des vom Feind eingegebenen Gedankens und die gleichsam zusammen mit ihm erfolgende Erwägung und lustvolle Unterhaltung, welche von unserer freien Entscheidung ausgeht. Leidenschaft aber ist die aufgrund der Verbindung erfolgende Gewöhnung an die vom Feind eingegebene Leidenschaft und ihre gleichsam fortwährende Erwägung und Vorstellung. Das Ringen hingegen ist der Widerstand des Gedankens — entweder, um die im Gedanken sich findende Leidenschaft, d. h. den leidenschaftlichen Gedanken, auszutilgen, oder um ihm zuzustimmen. So spricht auch der Apostel: "Das Fleisch nämlich begehrt wider den Geist, der Geist aber wider das Fleisch; sie stehen einander feindlich gegenüber. Gefangenschaft aber ist die gewaltsame und unfreiwillige Fortführung des Herzens, wenn es von subjektiver Einstellung und langer Gewohnheit gewaltsam beherrscht wird. Zustimmung hingegen ist das Herabneigen zu der Leidenschaft des Gedankens. Tat hingegen ist die unmittelbare Ausführung des leidenschaftlichen Gedankens, dem man zugestimmt hat.
Philokalie, Bd. 2, S. 330f.


Samstag, 21. September 2013

Samstäglicher Newsticker

Rom: Die Vereinigung der schwulen, lesbischen, bi- und transsexuellen Heiligen in der katholischen Kirche (LGBTSCC) zeigte sich erfreut über das Interview von Papst Franziskus: "Endlich sagt ein Papst offen, was Sache ist: Auch Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transsexuelle sind Heilige, wenn sie mit ihrem Partner in Liebe und Verantwortung leben."

Auf der Donau: Erzpäpstin Maria II. ist erbost über das Interview von Papst Franziskus. Es hätte mit ihr abgesprochen werden müssen, erklärt ihre Sprecherin. Nun gerate die Päpstin in Zugzwang, da die Weltöffentlichkeit von ihr erwarte, auch ein solches Interview zu geben. Dabei werde sie aber schlechter abschneiden, da sie sentimentale Aussagen wie "Ich bin ein Sünder" nicht treffen könne. Immerhin sei die Erzpäpstin eine vollkommene Heilige.

Das Weltfenster berichtet: "Papst kritisiert im neuen Interview Bischof Tebartz-van Elst und legt ihm den Rücktritt nahe. Denn weder hat der Limburger Bischof die Gabe der Unterscheidung, auf die Franziskus werd legt, noch ist er in der Lage, sich selbst als fehlerbehafteten Menschen anzusehen." Außerdem wohne Tebartz-van Elst in einem Palast, Franziskus in einem Hotel.

Der Weltfrauenpriesterinnenrat ist erfreut über die Zuordnung der Frauen in der Kirche, die Papst Franziskus in seinem Interview gibt. Denn der Papst habe anerkannt, dass Maria Magdalena wichtiger gewesen sei als die Apostel und damit die Basis für ein neues Verständnis von Hierarchie gegeben, indem endlich die Frauen das sagen haben, da diese ohnehin viel geeigneter wären, die weibliche Kirche zu leiten als Männer.

Freitag, 20. September 2013

Franziskus: Ich bin ein Sünder

Die katholische und die nicht-katholische Welt weint. Die liberalen und die Nicht-Katholiken vor Glück, die Konservativen vor Elend. So oder so ähnlich könnte das Fazit lauten, wenn man die Berichterstattung über das neue Papstinterview liest.

Ich selbst weine nicht. Weder vor Glück noch vor Elend. Zumindest nicht wegen des Papstinterviews. Das mag etwas mit meinem sehr nord-mainischen Charakter zu tun haben. Aber ich sehe generell keinen Anlass, über das Papst-Interview in extrovertierte Emotionen auszubrechen. Berühretes Bedenken ist eher die Haltung, die mir (für mich) passend erscheint. Zumal man sich schon Zeit nehmen muss, das ganze zu lesen. Am besten mehrmals.

Trotzdem gibt es natürlich einen ersten Eindruck. Und indem kam mir vor allem ein Satz am wichtigsten vor: "Ich bin ein Sünder." Nicht weil das eine Neuigkeit wäre. Das Päpste Sünder sind, diese Kenntnis darf vorausgesetzt werden. Auch nicht weil es eine Demutsgeste wäre. Denn die sind bei Päpsten ja nicht so selten, wie mancher gerne tut. Sondern weil es ein zutiefst persönliche und doch sehr allgemeine Aussage ist. Denn darin liegt ja das Genie dieses Papstes. Er trifft eine Aussage, die ganz persönlich ist und die dabei zugleich ganz allgemein ist. Denn wer kann von sich sagen, er sei kein Sünder? Ich nicht. Wir alle sind Sünder, mit allen Menschen, also auch mit dem Papst. Von dieser Erkenntnis der eigenen Sündhaftigkeit, die Vorraussetzung des erlösenden Handelns Christi ist, ist Papst Franziskus durchdrungen und er ruft uns in diesem klaren Bekenntnis auf, uns auch dazu zu bekennen. Er setzt sogar noch einen drauf indem er feststellt, das es sich hierbei um die treffendste Definition handelt. Er rückt damit seine eigene Sündhaftigkeit und die Gnade Gottes in den Mittelpunkt und damit den einzelnen Menschen, der in diesem Konflikt steht. Der Hl. Vater kennt diesen Konflikt, er deckt ihn für sich selber auf und ermutigt uns, ihn in uns selbst auch aufzudecken. Es ist kein einfaches Christentum, kein Wohlfühl- oder Wellnesschristentum, das uns der Papst hier vorstellt. Keines, indem alles schon nicht so schlimm ist, weil Gott das/uns schon nicht so ernst nimmt. Es ist ein Christentum der Unterscheidung, der Erkenntnis, des Kampfes, aber auch der Umkehr, der Freude, der Gnade und der Hilfe.

Die Verhaftung des Menschen nach Johannes von Damaskus

Zu alledem muß man auch erkennen, wie mannigfaltig und vielgestaltig die leidenschaftliche Genußsucht ist und wie viele Lüste es gibt, welche die Seele betören, wenn sie nicht stark ist durch göttliche Furcht, indem sie auf Gott hin nüchtern ist, und sich nicht aus Liebe zu Christus um die Ausübung der Tugenden bemüht. Zahllose Lüste nämlich kommen daher und ziehen die Augen der Seele zu sich hin: jene der Leiber, jene der Dinge, jene der Schwelgerei, jene der Ehre, jene der Leichtfertigkeit, jene des Zornes, jene des Herrschens, jene der Geldgier und jene der Habsucht. Und sie scheinen in ihrer Täuschung einen strahlenden und liebenswerten Anblick zu besitzen, welcher ausreicht, jene an sich zu ziehen, die nach diesen Dingen heftig verlangen und nicht eifrig nach der Tugend streben und ihre Härte nicht ertragen. 
Und jegliche irdische Haltung und leidenschaftliche Verhaftung an etwas Materielles bringt dem leidenschaftlich Verhafteten Lust und Genuß ein und macht in der Leidenschaft den begehrlichen Teil der Seele in diesem Menschen nutzlos und schädlich. Und so wird aus diesem Grund der (den Leidenschaften) Erlegene durch den Entzug des Ersehnten dem Zorn, der Wut, der Traurigkeit und dem alten Groll unterworfen. Wenn aber zusammen mit der leidenschaftlichen Verhaftung auch eine kleine Gewohnheit die Oberhand erlangt, dann bringt sie den Gefangenen durch die dort verborgene Lust unbemerkt und — ach — ohne Aussicht auf Heilung dazu, bis zum Ende an der widersinnigen leidenschaftlichen Verhaftung festzuhalten. Weit verzweigt ist ja die Lust der Begierde, wie bereits gesagt, und wird nicht nur mit der Unzucht und dem übrigen leiblichen Genuß befriedigt, sondern auch mit den übrigen Leidenschaften. Denn Sittsamkeit besteht nicht nur darin, daß man sich der Unzucht und der unter dem Magen befindlichen Lüste enthält, sondern auch, daß man frei von den übrigen Lüsten ist. Darum ist, wer die Habsucht, die Geldgier und die Begehrlichkeit liebt, zügellos. Wie nämlich jener den Leib liebt, so auch dieser die Güter. Oder vielmehr ist dieser noch zuchtloser, insofern er nicht auch dieselbe Kraft erfährt, welche von der Natur her zusammen mit ihm drängt. Denn als ein unerfahrener Wagenlenker dürfte wahrlich und vor allem nicht jener gelten, der das starrköpfige und schwer zu zügelnde Pferd nicht im Zaum hält, sondern jener, der es nicht fertigbringt, das zahme und sanftere in seine Gewalt zu bekommen. Und es ist doch in jeder Hinsicht klar, daß die Begierde nach Gütern überflüssig ist und nicht der Natur entspricht, da sie ja ihre Kraft nicht von der Natur her besitzt, sondern aufgrund einer verderbten Absicht. Darum versündigt sich auch unverzeihlich, wer ihr freiwillig unterliegt. So müssen wir denn genau erkennen, daß die Genußsucht nicht mit der Schwelgerei und dem Genuß des Leibes allein umgrenzt wird, sondern mit j edem Verhalten und jeglichem Ding, welches mit dem freien Entschluß und der leidenschaftlichen Verhaftung der Seele geliebt wird.  

Philokalie, Bd. 2, S. 329f.

Donnerstag, 19. September 2013

Johannes von Damaskus über die Laster

Wir müssen nun auch sprechen über die Laster — d. h. die Leidenschaften — der Seele und des Leibes. Leidenschaften der Seele sind folgende: Vergessen, Leichtfertigkeit und Unwissenheit. Von diesen, nämlich von diesen drei, wird das Auge der Seele, d. h. der Geist, verdunkelt und daher von allen Leidenschaften beherrscht, als da sind: Gottlosigkeit, falsche Ansicht, d. h. jegliche Häresie, Gotteslästerung, Haß, Zorn, Erbitterung, Jähzorn, Menschenhaß, alter Groll, Verleumdung, Verurteilung, widersinnige Traurigkeit, Furcht, Verzagtheit, Streit, Eifersucht, Neid, eitle Ehrsucht, Hochmut, Heuchelei, Lüge, Treulosigkeit, Habsucht, Anhänglichkeit an die Materie, Leidenschaftlichkeit, Hinneigen zu den irdischen Dingen, Unlust, Kleinmut, Undank, Murren, Dünkel, Anmaßung, Hoffart, Prahlerei, Herrschsucht, Menschendienerei, Tücke, Schamlosigkeit, Abgestumpftheit, Schmeichelei, Falschheit, Verstellung, Doppelzüngigkeit, die Zustimmung zur Sünde von seiten des fühlenden Teils (der Seele) und ihre andauernde Erwägung, die Verirrung der Gedanken, Selbstsucht, die Mutter der Übel, und die Wurzel aller Übel, die Geldgier, sowie Arglist und Bosheit.
Leidenschaften des Leibes aber sind Völlerei, Gefräßigkeit, Schwelgerei, Trunkenheit, heimliches Essen, mannigfache Genußsucht, Unzucht, Ehebruch, Ausschweifung, Unreinheit, Blutschande, Schändung von Kindern, Sodomie, böse Begierden und alle widernatürlichen schändlichen Leidenschaften; Dieberei, Tempelraub, Brandschatzung, Mord, jegliche Schlaffheit des Leibes und jedweder Genuß der Wünsche des Fleisches, wenn der Leib allzu gesund ist; Orakel, Zauberei, Vogelschau, Suchen nach Omen, Prunkliebe, Geltungssucht, Trägheit, Ziererei, Schminke fürs Gesicht, der verfluchte Müßiggang, Zerstreuungen, Glücksspiele, der leidenschaftliche Mißbrauch der Freuden der Welt, das Leben, welches den Leib liebt und den Geist träge und dadurch schließlich irdisch und tierisch macht und es niemals zuläßt, daß er sich zu Gott und zur Ausübung der Tugenden erhebt.
Die Wurzeln all dieser Leidenschaften und, wie man sagen könnte, ihre ersten Ursachen, sind Genußsucht, Ehrsucht und Geldgier, von denen jegliches Übel geboren wird. Es verfehlt sich jedoch der Mensch mit keiner Sünde, wenn nicht vorher folgende drei starke Riesen die Oberhand gewonnen haben und zur Herrschaft gelangt sind, wie Markos, der weiseste unter den Asketen, sagt, nämlich Vergessen, Leichtfertigkeit und Unwissenheit. Sie aber werden geboren von der Fleischeslust, der Schlaffheit sowie der Liebe zur Ehre vor den Menschen und zur Ablenkung. Die erste Ursache und gleichsam schlimmste Mutter all dessen aber ist, wie bereits gesagt, die Selbstsucht, d. h. die widervernünftige Liebe und leidenschaftliche Verhaftung dem Leib gegenüber. Zerstreuung aber und Entkräftung des Geistes, wie Geschwätzigkeit und Gelächter, im Verein mit Witzelei und schändlicher Rede bereiten viele Übel und Verziehen.
Quelle: Philokalie, S. 328f.

Dienstag, 17. September 2013

Johannes von Damaskus über die Tugenden

Man muß wissen, daß der Mensch zweifach ist, aus einer Seele und einem Leib, und daß er auch zweifache Sinne besitzt und auch deren Tugenden zweifach sind. Fünf sind die Sinne der Seele und fünf die des Leibes. Die Sinne der Seele, welche die Weisen auch Kräfte nennen, sind folgende: der Geist, das Denken, das Urteil, das Vorstellungsvermögen und die Wahrnehmung. Jene des Leibes aber sind: das Auge, der Geruchssinn, das Gehör, der Geschmack und der Tastsinn. Somit sind fürwahr auch ihre Tugenden zweifach und zweifach auch ihre Laster. Daher ist es notwendig, daß jeder Mensch genau weiß, wie viele Tugenden der Seele und wie viele des Leibes es gibt; und wie beschaffen hinwiederum die Leidenschaften der Seele und wie beschaffen jene des Leibes sind.
Natürlich bezeichnen wir in vorzüglicher Weise als seelische Tugenden die vier Kardinaltugenden, nämlich Tapferkeit, Klugheit, Mäßigkeit und Gerechtigkeit. Aus ihnen werden jedoch die Tugenden der Seele geboren: Glaube, Hoffnung, Liebe, Gebet, Demut, Sanftmut, Langmut, Geduld, Güte, Gelassenheit, göttliche Erkenntnis, Frohsinn, Einfachheit, Unerschütterlichkeit, Freiheit von Heuchelei, Freiheit von Dünkel, Freiheit von Hochmut, Freiheit von Neid, Aufrichtigkeit, Freiheit von Geldgier, Mitleid, Wohltätigkeit, Freigebigkeit, Furchtlosigkeit, Freiheit von Traurigkeit, Zerknirschung, Bescheidenheit, fromme Scheu, die Sehnsucht nach den künftigen Gütern, das Streben nach dem Reich Gottes, das Begehren nach der Annahme an Sohnes Statt.
Folgende aber sind die leiblichen Tugenden — oder vielmehr Werkzeuge der Tugenden, falls sie in Erkenntnis und dem Willen Gottes gemäß vollzogen werden ohne jegliche Heuchelei und Menschendienerei; denn sie führen den Menschen zu erhöhter Demut und Leidenschaftslosigkeit. Es sind Enthaltsamkeit, Fasten, Hunger, Durst, Wachen, Stehen die ganze Nacht hindurch, fortwährendes Beugen der Knie, Verzicht auf das Waschen, Tragen eines einzigen Gewandes, Essen trockener Nahrung, spätes Essen, Trinken von Wasser, Schlafen auf dem Boden, Armut, Besitzlosigkeit, Ungepflegtheit, Verzicht auf jeden Putz, Freiheit von Selbstsucht, Einsamkeit, einsame Ruhe, Verzicht auf Ausgang, Bedürftigkeit, Selbstversorgung, Schweigsamkeit, das Nachgehen eigenhändiger Handarbeit, jegliche leibliche Mühsal und Askese und was es sonst noch derartiges gibt. Dies alles ist durchaus notwendig und äußerst nützlich, wenn der Leib kräftig ist und von den Leidenschaften des Leibes belästigt wird. Ist er aber schwach oder mit der Hilfe Gottes Herr über diese (Leidenschaften) geworden, ist es nicht in diesem Maß notwendig. Denn die heilige Demut und Dankbarkeit gleicht alles aus.
Quelle: Philokalie, Bd. 2, S. 327f.

Montag, 16. September 2013

Post-Lajolo-Zeit

Der Kardinal war da, hat allen zugehört, wahrscheinlich auch alle freundliche gemaßregelt, dem Domkapitel und dem Bischof einen Text abgerungen, eine Predigt der Eintracht gehalten, der KNA ein Interview gegeben, das zur gegenseitigen Achtung und zum gemeinsam Weg aufruft und ich raportiert jetzt bald dem Papst.

Schauen wir mal im Blätter und Daten-Wald nach, wie das ganze verarbeitet wird:

Zunächst einmal die Sicht des Bistums. Die gemeinsame Erklärung von Bischof und Domkapitel ist hier zu lesen. In Königstein begrüßte Bischof Tebartz-van Elst die Gläubigen und entschuldigte sich für die Fehler und Verletzungen, die er hervorgerufen hat, als Text hier oder im Video hier. Die Predigt von Kardinal Lajolo wird hier zusammengefasst und ist dort komplett zu lesen.

Das Interview mit Kardinal Lajolo kann man (teilweise?) auf kathnet lesen.

Des Bischofs liebster Kritiker und Domkapitular Johannes zu Eltz gibt derweil einige Interviews, in denen er seine Sicht der Dinge darlegt. Dabei bemüht er sich um Konzilianz, es hört sich aber leider oft ein bisschen gezwungen sein, nach dem Motto: Ich muss ja nunmal leider. Zu lesen z.B. hier und hier und dort.

Domradio berichtet über den Abschluss des Besuches hier. Und Kardinal Meisner gibt Schützenhilfe dort.

Das sonstige Rauschen kommentiert den Vorgang auf gewohnte Weise, mit viel Vermutungen und lang Bekanntem, z.B. der Spiegel hier, die FAZ dort. Die Süddeutsche hat sich immerhin zu einem etwas geistreicheren Artikel durchgerungen, zu lesen hier.

Johannes von Damaskus

Da ich diese Woche ein längeres Aufbauseminar und von daher wahrscheinlich wenig Zeit habe, mich dem Blog zu widmen, gibt's diese Woche mal wieder einen längeren Kirchenvätertext. Dafür habe ich mir Johannes von Damaskus ausgesucht, einen wenigen bekannten Kirchenvater. Wir beginnen daher mit einer kurzen biographischen Skizze.
Johannes wurde in Damaskus um das Jahr 650 in einer arabischen, aber christlichen Familie geboren. Sein Vater war in dieser Stadt Finanzminister am Hof des Kalifen. Johannes war wohl zunächst Mitarbeiter seines Vaters und begann damals bereits mit seiner literarischen und dichterischen Tätigkeit. Als er sich noch vor dem Jahre 700 mit seinem Adoptivbruder in das Kloster Mar Saba bei Jerusalem zurückzog, am der antichristlichen Einstellung des nun regierenden Kalifen bestimmt einige Bedeutung zu. Von Patriarch Johannes V. von Jerusalem gegen seinen Willen zum Priester geweiht, wurde er von diesem zu vielen Aufgaben herangezogen, insbesondere im Bilderstreit. Auch auswärtige Bischöfe waren um seine Dienste dankbar und gaben somit den Anstoß zu einem beträchtlichen Teil seines Lebenswerkes. Nach seinem Tod (vor dem Jahr 754) wurde er bereits vom zweiten Konzil von Nizäa (787) als verehrungswürdig bezeichnet.

Weiter Informationen hier.

Samstag, 14. September 2013

Kirchenquiz

Wo steht diese Kirche?
 

Auflösung am Mittwoch?

Samstäglicher Newsticker

Limburg: Die FIZ berichtet: Kardinal Lajolo traf diese Woche zur apostolischen Visitation ein, die der Limburger Bischof in einem gefälschten Brief der Bischofskommission zum brüderlichen Besuch herabzustufen suchte. Lajolo werde mit den Befürwortern der Reform des Bistums Limburg sprechen und mit ihnen Wege entwickeln, wie langfristig die Kontrolle des Bistums durch Liberale Kreise sichergestellt werden kann. Er übermittelte den Mitgliedern des Katholik_Innenkreises St. Leonardo Boff, die führend an der Reform mitwirken wollen, den apostolischen Segen und das Wohlwollen von Papst Franziskus.

Limburg: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat sich nach Medienberichten in seinen unterirdischen Bunker geflüchtet und verschanzt sich dort mit seinen letzten Getreuen. Nach Angaben des Weltfensters (Weltfenster - Zeitung für die Welt und Deutschland) erklärt das auch die Kosten von 90 Millionen, die der Bau verschlungen haben soll. Denn die Bunkeranlage, die bis zu 35 Metern tief reicht, soll sich unter dem Gebiet zwischen Schloss und Lahnbrücke erstrecken und Platz für 12 BMW-Limosinen, drei Barockkapellen, 7 Spiegelsäle, 5 Bischofssakristeien mit 22 Weihrauchfässern und 87 Paramenten sowie Räume für 22 Geheim-Messdiener bieten.

Limburg/Rom: Die FIZ fragt den Vatikan: Wann wird Kardinal Lajolo Bischof Tebartz-van Elst abberufen und Hubertus Janssen oder Daniel Deckers zum neuen Bischof ernennen und weihen. Rom antwortet: Eine Absetzung ist bei einem brüderlichen Besuch nicht vorgesehen. Die FIZ berichtet: Beim momentanen Stand der Gespräche von Kardinal Lajolo ist der Zeitpunkt der Absetzung von Tebartz-van Elst und die Nachfolge zwischen zwei liberalen Kandidaten noch nicht genau geklärt.

Donnerstag, 12. September 2013

Kunstbetrieb

Aus dem Nassauer Boten des Jahres 1894:

Kunsthändler (zum Künstler): Was, für ihr Bild verlangen sie 10.000 Mark?! Das ist ja ein Preis, als wären sie schon 200 Jahre tot.

Mittwoch, 11. September 2013

Tebartz-van Elst, viel heiße Luft und das große Elend

"Kardinäle gehen auf Distanz zu Tebartz-van Elst" titelt heute Spiegel Online.

Das klingt erstmal nach Land-unter für den Bischof. Allerdings hält der Titel nicht was er androht. Denn hier werden nur zwei Kardinäle behandelt, was immerhin einen Plural rechtfertigt. Zum einen Eminenz Lehmann, der jedoch lediglich die Situation als schwierig und reichlich Verfahren charakterisiert - womit er vollkommen recht hat, was aber noch keine Distanzierung ist. Lediglich Kardinal Marx hat sich wirklich kritisch geäußert. So meinte er, Medienkampagnen funktionieren nur, wenn es wirklich Probleme gibt, die sie darstellen. Womit er recht hat. Die Medien generieren nicht die Probleme, sie bauschen sie nur machtvoll auf. Woher einige Probleme u.a. kommen, habe ich ja bereits hier und hier unvollständig darzustellen versucht. Auch meint der Kardinal, der Bischof dürfe sich nicht als Herr der Gläubigen aufspielen. Das ist zum einen auf Tebartz-van Elst gemünzt, steht aber auch im Kontext einer allgemeinen Haltung des Erzbischofs zum Thema Hofstaat. Der Kardinal spricht also lediglich reale Probleme an, ohne ihrendwen zum alleinigen Schuldigen zu erklären. Da Tebartz-van Elst selber Probleme und Fehler zugibt, ist das aber nicht so dramatisch, wie der Spiegel tut. Eine Distanz, ein Weg-wünschen, das der Spiegel impliziert, ist hier noch nicht vorhanden, wenn der Kardinal nicht noch mehr gesagt hat.

Allerdings bastelt der Spiegel ohnehin an einer Drohkulisse, aber natürlich nicht Fakten. Die Behauptung, viele Bischöfe wollten Tebartz-van Elst am liebsten weg haben, belegt er dann auch natürlich nicht. Lediglich mit der Ablehnung der Pro-Tebartz-Initiative von Kardinal Meisner beim Ständigen Rat der DBK kommt er mal mit einem konkreten Punkt um die Ecke. Das aber die DBK bei Problemen gerne auf Tauchstation geht, ist keine Neuigkeit. Dennoch spricht es durchaus für ein kritisches Klima bei den Mitbrüdern, was nicht verwunderlich ist, immerhin schwemmt ein Kirchenproblem mit Tebartz-van Elst seit Monaten hartnäckig in die Medien. Daran haben die Bischöfe natürlich kein Interesse. Mancher wünscht sich wohl auch die Abdankung, weil er den Limburger nicht mag, manche wollen ihm vielleicht auch nur die restlichen Kämpfe und Krämpfe erspart sehen.
Auch anonsten beklebt der Spiegel seine mageren Andeutungen mit nebeligen Behauptungen, Vermutungen und knuffigen Formulierungen. Da wird das Bischofshaus zur Bunkeranlage, weil der Bischof in Limburg wenig zu sehen ist. Wo soll man den Bischof denn bitteschön sehen, frag ich mich da? Auch scheint der Spiegel zu wissen, dass es im Prozess in Hamburg nicht gut für den Bischof aussieht. Was das nun bedeutet, woher er das weiss, erfahren wir natürlich nicht. Nebenbei: Die Photos der Handwerker, die so dramatisch sein sollen, hat die irgendwer mal gesehen?

Doch zeigt der Spiegel-Artikel auch, dass es selbst mit einem neuen Bischof nicht getan ist. Da wetzen einige führende Ordinariats-Mitarbeiter schonmal publizistisch die Messer und wollen nicht nur Tebartz-van Elst, sondern auch alle seine Anhänger aus Amt und Anstellung jagen. Mit anderen Worten: die eher Konservativen im Bistum sollen vertrieben werden, damit man ihre Posten mit Liberalen besetzen kann, die mehr ins angenommene Profil des Bistums passen. Man sieht, es geht hier nicht nur um das Wohl der Kirche und der Gläubigen, sondern um Eitelkeiten, Machtinteressen und Einflusssphären der alten Gruppen, die unter Kamphaus das Sagen hatten. Diese Gruppen bedecken ihren kalten Machtwillen mit dem Mäntelchen der Sorge um das Bistum und die Gläubigen. Unfreiwillig reißen sie sich selbst die Maske herunter und zeigen alles, was sie am Bischof kritisieren: Eitelkeit, Machtwillen, Weigerung zu Dienen und den Wunsch, sich bedienen zu lassen. Ein elendes Schauspiel, das man hier vor der Presse austrägt.

Like a boss

http://orbiscatholicussecundus.blogspot.de/2013/09/pray-for-roman-pontiffs.html
 

Dienstag, 10. September 2013

Kardinal Lajolo ist da und der Blätterwald rauscht: Eine Presseschau

So, der Kardinal ist in Limburg eingetroffen und wird jetzt erstmal Gespräche führen. Und weil wir davon eh nix mitbekommen, können wir uns auch entspannt hinsetzen und Tee trinken. Damit es aber nicht zu entspannt wird, blättern wir mal die Zeitungen durch, was sie so über seinen Besuch schreiben:

In der FR kommt Stadtdekan zu Eltz zu Wort. Er interpretiert natürlich den Besuch von Kardinal Lajolo etwas anders als die Bischöfl. Pressestelle. Ein Wort für den Bischof liest sich denn auch anders, doch ist er maßvoller geworden. Zu lese hier.

Und weil man in der Kirchenredaktion der FR offenbar ein wenig unterbeschäftigt ist, haut man nochmal mit einem Leid... ähm Leitartikel hinterher. Da schaut man in die Bibel 'Gott und der Mammon' und blickt nach Rom, wo früher ein pompöser, jetzt ein bescheidener Papst sitzt. Tebartz-van Elst wird damit zum Relikt der Ratzinger-Ära. Zugleich wird der Kirche noch ein Strukturproblem angedichtet, weil die Deutsche Bischofskonferenz den Limburger Hirten nicht einfach absetzen kann. Schrecklich, dieser Mangel an Zentralismus. Zu lesen hier.

N-TV berichtet und legt, weil's halt nichts Neues gibt, die alten Karamellen wieder auf, die wir schon im Schlaf vorbeten können. Immerhin ohne Schaum vor dem Mund, mit einem Blick auf die Bistumsseite - doch keine Visitation - und einem gescheiten Bild. Man ist ja schon für wenig dankbar. Zum Lesen hier.

Der Spiegel unterdessen bemüht sich um was Neues und hat sich bis zu Kardinal Lehmann für ein Statement vorgekämpft. Für Lehmann ist der Besuch Lajolos das Eingeständnis, dass die Limburger - nicht allein der Bischof - ihren Laden nicht mehr allein geordnet bekommen. Und er stellt denn auch die Frage, auf die es letztlich ankommen wird, lässt die Antwort aber klugerweise offen: "Gibt es eine Chance für einen echten Neuanfang mit den Leuten, die da sind?" Zum Lesen hier.

Auch Domradio führt ein Interview. Stefan Kempis rät, hier mal nicht das Orakeln anzufangen und den Besuch als das zu sehen, was er ist. Ein Besuch eines Kardinals um mal zu schaun, was denn los ist und noch ein paar gute Ratschläge zu geben. Was man von einem erfahrenen Kirchenmann in einer schwierigen Situation eben erwartet. Zu lesen hier.

Tebartz-van Elst und sein Bistum: Neue Konzepte machen Ärger

In einem Post hier habe ich mich vor kurzem der Frage nach einigen Ursachen der momentanen Krise im Bistum Limburg gewidmet. Wie dort bereits angedeutet, handelt es sich aber nur um erste Überlegungen, die keineswegs Anspruch auf Vollständigkeit stellen. Deswegen möchte ich heute einen weiteren kurzen Gedanken zum Thema nachreichen.

Ein erheblicher Teil des Problems von Tebartz-van Elst liegt im Unterschied zu seinem Vorgänger Kamphaus. Wie gesagt heisst das nicht, dass Kamphaus etwas dafür könnte, wie es momentan ist, war er doch auf seine Weise ein sehr guter Bischof. Aber sowohl im Stil als auch in den kirchenpolitischen Akzenten war er eben anders und man war daran gewöhnt und es war ja auch nicht ganz unerfolgreich. Zwar kann man nicht von einem blühenden Katholizismus sprechen, aber wo blüht der schon dieser Tage in Deutschland. Zumindest war es nicht schlimmer als anderswo.

Wie jeder Bischof hatte auch Kamphaus natürlich seine eigenen Konzepte. Ein wesentlicher Teil seines Pastoralkonzeptes lautete: Kirche lebt von den Gemeinden her. Daher sollen die Gemeinden maximal und möglichst gleich gefördert werden. Gießkannenprinzip. Strukturen sollten möglichst nicht von der Zentrale ausgehen und zu ihr hinführen, sondern in die Fläche hineingehen und in ihr wirken. So gibt es in Limburg eine hervorragende Struktur für Gemeinde- und Bezirkskantoren. Dieses Denken von Kamphaus zeigt sich auch in der Liturgie. Bei Kamphaus war die Gemeindeliturgie der Maßstab. Wenn gewünscht trug er dann dazu noch eine Mitra oder einen Stab oder beides. Wobei deren Gebrauch sehr sparsam von statten ging. Zwar konnte es auch unter Kamphaus im Dom größere Liturgien geben, doch war das eher dem Festtag geschuldet als der Anwesenheit des Bischofs. Was natürlich nicht schlecht ist. Es entspricht aber eigentlich nicht der historischen Genese der Liturgie, die sich von der Bischofsliturgie als der eigentlichen Messform ableitet. Zudem stand für Kamphaus die Diakonie im Mittelpunkt seines Denkens und Wirkens, was schon sein Wahlspruch verrät: Den Armen das Evangelium verkünden. Liturgie und Verkündigung waren auf dieses Ziel ausgerichtet, die Liebesbotschaft des Christentum im konkreten Handeln zu fördern.

Dieses Konzept versucht der neue Bischof durch eigene Ansätze zu ergänzen. Für ihn ist die Liturgie die Herzkammer der Kirche. Von den Sakramenten geht die Gnade aus, auf die der Christ fundamental angewiesen ist. Betrachten wir seinen Wahlspruch, wird das sehr deutlich: Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt. Die Taufe als das Initiationssakrament der Kirche und Christus als Mittelpunkt, den der Christ durch die Sakramente erhält, um auf diese Weise gewandelt zu werden. Diese Bedeutung und Wirkung der Sakramente, besonders der Hl. Messe, bedeutet zugleich, dass die Messe nicht zum Alltäglichen, zum Mittelmaß werden darf. Unter Kamphaus war zwar der Liturge außergewöhnlich, die Liturgie jedoch oft sehr unbischöflich und alltäglich. Tebartz-van Elst möchte durch seine Form der liturgischen Handlung, die in den jeweiligen Gemeinden außergewöhnlich sind, Impulse geben für die Gemeindemessen. An der bischöflichen Messe, am Außergewöhnlichen, sollen sich die Liturgien in den Gemeinden messen lassen, natürlich im ihnen zukommenden Rahmen. So wie der Sonntag in gewisser Weise in die Woche hineingetragen werden soll, so soll die bischöfliche Liturgie als Ausgangspunkt der liturgischen Gestalt in die Gemeindemessen hineingenommen werden. Eine solche Ausstrahlungs- oder Highlight-Kultur im besten Sinne kann man auch in anderen Bereichen beobachten. Programmatisch ist da z.B. das Bischof Blum-Kolleg, das wesentlich für die Organisation der Bistums-Wallfahrten zuständig ist. Diese Wallfahrten, an deren wichtigsten der Bischof selber teilnimmt, sollen nicht für sich allein stehen, sondern das intensiv erfahrene in den Alltag der Gemeinden mitgenommen werden. Der Bischof setzt dies selber deutlich um, wenn er in seinen Predigten immer wieder auf das bei den Wallfahrten Erlebte eingeht.

Montag, 9. September 2013

Samstag, 7. September 2013

Schwierigkeiten im Gebet

Alle Schwierigkeiten im Gebet können zurückverfolgt werden auf eine Ursache: zu beten, als wäre Gott abwesend.

Teresa von Avila

Samstäglicher Newsticker

Limburg/Irgendwo auf der Donau: Die Sprecherin der Erzpäpstin Maria II. Mayr-Lumetzbeger, Prälatin Dr. Erdfrau-Witzelstein, teilte das große Bedauern der Erzpäpstin zu den Vorgängen in Limburg mit. Wer als Bischof so handle, habe bewiesen, fehl am Platz zu sein. Daher hat Päpstin Maria II. Bischof Tebartz-van Elst mit sofortiger Wirkung beurlaubt und eine Koadjutorin für das Bistum eingesetzt. Ihre Eminenz Kardinälin Ludovika-Erika von Sternspieß werde in wenigen Tagen in Limburg eintreffen, um die Amtsgeschäfte zu übernehmen.

Limburg: Kardinälin Ludovika-Erika von Sternspieß, Koadjutorin für das Bistum Limburg, teilte auf einer Pressekonferenz nach ihrer Ankunft ihr Missfallen über die mangelnde Kooperation der Mitarbeiter für ihren Auftrag mit. Weder habe man sie im Ordinariat als Kardinälin-Koadjutorin begrüßt, noch sie in das Bischofshaus eingelassen. Die Mitarbeiter bestanden vielmehr darauf, Bischof Tebartz-van Elst sei weiterhin Bischof von Limburg. Kardinälin von Sternspieß: "Ich werde Ihre Allheiligkeit, die Erzpäpstin bitte, das Interdikt über Limburg zu verhängen, bis das Bistum sich der rechtmäßigen Autorität unterworfen hat."

Limburg: Am Donnerstag hat Bischof Tebartz-van Elst Besucher in seine neue Residenz eingeladen, damit sie sich selbst ein Bild von ihr machen konnten. Selbst Journalisten durften, nachdem sie sich privat angemeldet hatten und schon drin waren, an ihr Teilnehmen und mit dem Bischof Gespräche führen. Jetzt deckt die FIZ auf: Die gezeigte Residenz ist in Wahrheit eine Attrappe, die eigens für diesen Zwecke aufgestellt wurde. In der Nacht von Montag auf Dienstag wurde ein Loch unter der Residenz gegraben und Dienstag auf Mittwoch die Gebäude mittels einer Senkvorrichtung in das Loch abgesenkt. Dann wurde schnell eine Attrappe aus Pappe mit hier da ein paar Steinen an den Wänden hochgezogen, durch die die Besucher geführt wurden.


Freitag, 6. September 2013

Was gibt's Neues aus Limburg?

Was gibt's Neues aus Limburg? könnte man am Ende dieser Woche fragen.

Zum einen war ich gestern im Bischofshaus und hab mir das Corpus Dilicti mal genau angeschaut. Allerdings wurde es mir verweigert, in den Kleiderschrank des Bischofs zu schauen, was ich schon sehr intransparent finde. Dessen ungeachtet kann ich nicht behaupten, mir sei barocke Herrlichkeit entgegengeschlagen. Das ganze ist ein gelungener Mix von moderner Baukunst und historischem Inventar, letzteres aus dem Depot in Lindenholzhausen, das unter chronischer Vollstopfung leidet. Das eine oder andere hätte ich vielleicht anders gemacht, ein schöner Altar versus orientem wäre mir lieber gewesen - die Kapelle ist nebenbei geostet, weswegen man sie vom Hof betritt - und ein Christopherus anstatt ein Jakobus am Ausgang, aber das sind so Details, da muss ich mit dem Chef nochmal drüber sprechen.

Und was vermeldet die Presse dieser Tage?

Das Bistum berichtet vom Tag der offenen Tür hier.
Auch die Schafe ähm engagierten Katholiken aus Frankfurt waren heute da und haben ihr Gesuch abgegeben, hier.

Auch der Spiegel berichtet von diesem Ereignis hier.
Die Frankfurter Rundschau berichtet von der neuen Offenheit, mäkelt aber trotzdem am neuen Bau rum und schiebt gleich noch nach, der Bischof habe nach Meinung mancher psychische Probleme, hier. Das es ihn belastet, wenn man dauernd eins drauf kriegt - warum auch immer - ist nun kein furchtbar investigatie Enthüllung.
Weniger eingefleischt kritische Besucher fanden dagegen den Bau nicht protzig, sondern angemessen, wie die Süddeutsche berichtet, hier.
Ähnlich berichtet auch die FAZ, hier.
Der Stand der Unterschriften für den Bischof liegen online nebenbei bei 1733 (Stand gestern), zu lesen hier.

Noch hingewiesen sei auf einen sehr guten Post bei Mitblogger Markus Gehling auf Kreuzzeichen zum Thema Bischof Tebartz-van Elst, der viele Eindrücke aus Münster berichtet, zu lesen hier.

Kirchenquiz

Wo steht diese Kirche?

Auflösung am Sonntag

Donnerstag, 5. September 2013

Auf wen kannst du dich verlassen?

Bedenke wohl, wie schnell die Menschen sich ändern, und wie wenig man sich auf sie verlassen kann; darum halte dich fest an Gott, der unveränderlich ist.

Teresa von Avila

Dienstag, 3. September 2013

Wir brauchen das generische Intersextum!

Wir freuen uns heute mit Frau Professorin Ludwig Schnitzler sprechen zu können, der Vorsitzenden der AfIS - Aktionsgemeinschaft für Intersexualität.

Frau Prof._in Schnitzler, ihre Organisation kritisiert die Einführung des generischen Femininums in einigen Universitäten. Warum?

Weil damit das Problem nicht gelöst und die Männer diskriminiert werden. Heutzutage glauben die meisten Menschen, die Gender- und Intersexforschung würde nur den Frauen nutzen. Das führt zum Widerstand vieler Männer. Ein Widerstand, der insoweit berechtigt ist, als sich die Genderforschung oft ausschließlich mit den Interessen von Frauen und Homosexuellen auseinandersetzt und damit fast die Hälfte der Bevölkerung nicht an ihren Ergebnissen partizipiert. Mehr noch machen sich die Genderforscher oft zu Handlagern radikaler Feministinnen, die die Herrschaft der Frau über den Mann erreichen wollen und nicht die Befreiung des Menschen aus den Zwängen sexuell-biologischer Rollenbilder.

Und wofür plädieren sie?

Für die Einführung eines generischen Neutrums oder Intersextums.

Können sie das näher erklären?

Gerne. Im Wesentlichen gibt es zwei Probleme mit den generischen Maskulina und Feminina: 1. Bei einer Gruppe, die aus verschiedenen Geschlechtern besteht, erfassen sie nur einen Teil und diskriminieren damit den Rest. 2. Sie legen den Menschen vom ersten Augenblick der Begegnung auf eine bestimmte biologische Identität fest, die gar nicht mit seiner wahren Identität übereinstimmen muss. Daher wollen wir das generische  Neutrum oder Intersextum einführen, um diesen Problem abzuhelfen. Dadurch können 1. alle Personen in einer gemischten Gruppe beschrieben werden, 2. wird ein neutraler Begriff bei einer Begegnung benutzt, der später durch eine Erklärung der sexuellen Identität spezifiziert werden kann. Es handelt sich also nicht, wie manche behaupten, um ein 3. Geschlecht, sondern um einen Übergriff.

Und wie müssen wir uns das ganz konkret vorstellen?

Nehmen sie z.B. den Titel Professor. Dieser wird nicht etwa zu Professorin, sondern zu Professory, Plural Professoryn.

Mit Y? Warum denn das?

Weil wir einen Buchstaben brauchen, der bisher nicht mit einem Geschlecht verbunden ist wie A bei Frauen zum Beispiel. Außerdem soll er möglichst wenig am Ende eines Wortes stehen, sodass die Zuordnung des Wortes als Neutrum möglichst einfach ist. Daher Y.

Aber wenn ich jemanden anspreche, dann gilt es doch als Unhöflich, ihn nur mit Professory anzureden. Da muss ich doch noch Herr oder Frau sagen?

Daran haben wir auch gesagt. Dann können sie Mitmenschy verwenden. Als Mitmenschy Professory Schnitzler. Also bevor ich mein Frausein erklärt habe natürlich.

Wenn ich ehrlich sein darf glaube ich nicht, dass sich das durchsetzt.

Ich sehe ihre Probleme. Und so sehr ich von dieser Idee begeistert bin, was Gruppen angeht, so ist es doch bei Einzelpersonen wirklich etwas holprig. Ich hätte dort auch eine andere Lösung bevorzugt, allerdings gab es dagegen von einigen Mitgliedern unserer Gruppe Widerstand.

Und was wäre die andere Möglichkeit gewesen?

Jeder Mensch bekommt auf seine Stirn ein Geschlechtszeichen tätowiert. Dadurch weiss man gleich, ob es ein Mann oder eine Frau ist. Und damit man sein Geschlecht möglichst schnell wechseln kann, soll es ein schnell umwandelbares Zeichen sein. In diesem Kontext plädieren wir auch für die Verwendung von wandelbaren Namen.

Wandelbare Namen?

Namen, die entweder beide Geschlechter bezeichnen, was uns am liebsten wäre, oder aber leicht bei Identitätswechsel geändert werden können. Also z.B. Michael - Michaela, Cornelius - Cornelia, Fredegundis - Fredegunda etc. Eindeutige Namen wie Walter, Heinrich oder Ludmilla sollten hingegen verboten werden. Gleichzeitig sollen Geschlechtsneutrale Namen vom Staat besonders gefördert werden z.B. durch Intersexnamensprämien. Dadurch wird verhindert, dass Eltern ihren Kindern in eine Rolle hineindrängen, die dem Kind gar nicht entspricht. Daher werden die Kinder in den Krippen und Kindergärten, die natürlich verpflichtend ab dem 6 Lebensmonat sind, soweit sie einen zuortbaren Namen tragen mit dem Y-Namen ausgesprochen. Also Michaely, Cornely etc. Und wenn rauskommt, das die Eltern sich an diese Namensgebung nicht halten und das Kind in eine Rolle zwängen, dann muss leider das Jugendamt eingeschaltet werden.

Aber ist eine solche Reaktion nicht ein wenig überzogen?

Keineswegs. Auch heute kann der Staat Namen, die er nicht als adäquat ansieht, verbieten. Wir wollen dieses System nicht ändern, sondern ihm lediglich einen neuen, besseren Sinn geben. Es ist nichts dagegen zu sagen wenn ein Kind Supertyp-Moonpie heisst, aber sehr viel wenn dieses Kind durch solche Namen wie Lukas oder Ludwig in eine Rolle gezwungen wird, die es eigentlich gar nicht haben will. Gegen diesen Missbrauch der elterlichen Macht muss der Staat eingreifen.

Ich verstehe. Vielen Dank für das Gespräch, Frau Prof._in Schnitzler.

Der Hl. Vater bittet zur Audienz

Für alle, die den Sonntags-Pius schmerzlich vermisst haben

Montag, 2. September 2013

Tebartz-van Elst geht in die Offensive

Das ist mal wieder typisch. Da bin ich mal ein paar Tage auf Reisen und guck nicht ins Internet oder in eine Zeitung, und schon passiert hier in Limburg alles Mögliche. Denn nachdem der Bischof zu Beginn letzter Woche fast eisern über das Thema Pannen, Pech und Frankfurt geschwiegen hat, zur Mitte der Woche nach Rom flog und man am Donnerstag erste Kommentare aus der Richtung hörte, schien er am Freitag zu denken: Jetzt ist der MC weg, jetzt leg ich so richtig los. Und was hat er alles gemacht: Nen Brief geschrieben, Gespräche und ein Interview geführt. Dazu hier die aktuellen Links:

Der Brief des Bischofs an die Diözesanen hier.
Ein Bericht zum Brief hier.
Der Bischof im Gespräch mit den Synodalräten hier.
Der Bischof im Interview mit Domradio hier.

Auch die Presse nimmt zu den Entwicklungen der letzten Tage Stellung:
Das Lieblingsblatt des Bischofs, der Spiegel berichtet hier, verspricht aber zugleich einen Fotobericht von der Baustelle, der heimlich von Bauarbeitern aufgenommen worden sein soll, dort. Die Fotos sehe ich aber da nicht, vermutlich muss man dafür den Spiegel kaufen.
Die Süddeutsche skizziert den Erneuerungsprozess, dem sich der Bischof nun unterziehen muss und den er bereits teilweise angekündigt hat, hier, berichtet aber auch über die (bisher mir nicht vorliegenden) heimlichen Bilder, dort. Wobei ich mich frage, was das für jemanden bringen soll, der vom Bau nichts versteht?
Ähnliches lesen wir auch in der FAZ, hier.
Ruhig scheint es in Wiesbaden zu sein, wo man sich nach dem Wiesbadener Kurier am meisten wieder Ruhe wünscht, hier.
Die Rheinische Post hingegen sieht immer noch den Untergang des Bistums über dem Domberg schweben und erklärt die Hamburger Verhandlungen, unabhängig von ihrem Ausgang, zum Jüngsten Gericht, hier.

Beten ist ...

Beten ist Verweilen bei einem Freund.

Teresa von Avila
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