Mittwoch, 4. Dezember 2013

Wir wollen ...!!! Ein Kurzkommentar zur Kölner Kircheninitiative

Die Kölner Kircheninitative, aufgrund eines Lapsus bereits gestern durch Blogger und kathnet aufgedeckt, geht schon heute (geplant war Donnerstag) an die Öffentlichkeit. Sie fordert eine stärkere Beteiligung des Kirchenvolkes an der Bischofswahl und macht dafür auch einen konkrete Vorschlag: Die Domkapitulare sollen so wählen, wie das Volk es will.

Nun sind diese Ideen durchaus ganz interessant und zeugen auch von einer gewissen Kreativität. Haben aber nichts, wie es behauptet wird, mit alten Formen der Volksbeteiligung zu tun, die nebenbei schon im hohen Mittelalter kaum mehr als Formalien waren. Die Kirche kannte früher nämlich die Akklamation. Das Volk bestätigt die Wahl des Kandidaten. Das Prinzip dahinter kommt aus der Zeit der römischen Republik, wo die Volksversammlungen dem zustimmen durften, was der Senat sich ausgedacht hatte. Beteiligung in unserem Sinne war das also nicht.

Das mal zur historischen Situation. Jetzt zum aktuellen Fall. Wenn das Volk dem Domkapitel vorschlägt, wen von den aus Rom Übersandten es zu wählen hat, dann wählt faktisch nicht mehr das Domkapitel, sondern das Volk, genauer die Gremien, den Kandidaten aus. Aber was würde denn dadurch besser. Faktisch müssen sich dann die drei in Frage kommenden einer Art Wahlkampf stellen und erklären, warum sie denn Bischof werden sollten. Es wird also nicht der Gewählt, der am besten geeignet ist, es aber eigentlich nicht will, sondern derjenige, der es will und sich am Besten verkaufen kann. Wie in der Politik eben. Anstatt Hofschranzen kriegt man dann medienkompatible Rampensäue und der Bischof würde bald das gleiche Ansehen haben wie andere Politiker auch. Wie vertrauensvoll ist diese Berufsgruppe nochmal?

Man kann die Forderung allerdings auch so verstehen, dass das Domkapitel das Volk bei der Auswahl der Kandidaten beteiligt. Das ist dann aber auch nicht besser, sondern eher noch schlimmer. Zum einen weil dann auch die große Show abgezogen wird, wie schon im vorherigen Absatz beschrieben. Und danach, wenn die Liste aus Rom kommt: Dann kann zweierlei passieren: Erstens: Der Papst schickt eine Terna mit dem Wunschkandidaten, der dann natürlich auch gewählt wird. Dann heisst es aber bald, dass nicht mehr der Papst, sondern das Volk den Bischof wählt und der Papst darf nur noch absegnen. Dann koppelt sich Deutschland noch weiter von der Weltkirche ab. Zweitens: Der Papst schickt eine Terna ohne Wunschkanididaten, dann respektieren "die in Rom" das Kirchenvolk nicht und noch bevor der neue Bischof da ist, gibt es Clinch.

Wenngleich ich kein Experte für Konkordatsrecht bin, habe ich trotzdem mal für Spass das Konkordat nachgeschlagen. Da steht: "Unter Würdigung dieser Listen benennt der Heilige Stuhl dem Kapitel drei Personen, aus denen es in FREIER, GEHEIMER Abstimmung den Erzbischof oder Bischof zu wählen hat." Wenngleich ich die genaue Definition von frei und geheim nicht kenne: Wenn das Domkapitel sich verpflichtet, den zu wählen, den die Gremien bzw. das Volk will, ist diese Wahl dann noch frei und geheim? Ich würde doch eher nein sagen.

Gerne winken die Beteiligten natürlich mit Evangelium Gaudium und vereinnahmen Papst Franziskus. Der natürlich beim Schreiben seines Textes exakt an die deutschen Strukturen gedacht hat, wenn er von Dezentralisierung spricht. Das Deutschland bei der diözesanen Mitbestimmung bei der Bischofswahl in der Weltkirche ganz weit vorne liegt, muss man nicht unbedingt wissen als prominenter Theologe bzw. muss es nicht laut sagen.

Fassen wir also nochmal zusammen: Die These ist ahistorisch, züchtet Politikertypen in der Kirchenleitung heran, stiftet unfrieden und verleidet Rom das deutsche Mitsprachemodell in der Weltkirche. Tolle Idee also, echt!

Update: Nachdem ich mich dank eines freundlichen Hinweises in der Kommentarspalte noch einmal in das Strategiepapier der Gruppe auf deren Internetseite vertieft habe, stelle ich fest, dass Möglichkeit zwei: Vorschlagsliste wird mitbestimmt, korrekt ist. In diesem Zusammenhang erklärte ich, ein Klick auf der besagten Internetseite ist von mir und man möge das nicht als Unterstützung der Initiative verstehen.

Ksta-Bericht hier.
Der Kreuzknappe deckte auf hier.
Pro spe Salutis berichtete hier .
kathnet-Artikel hier.

Kommentare :

  1. Danke, glasklar analysiert!

    AntwortenLöschen
  2. "Ich will ...": Das ist infantil - und alles andere als katholisch.

    AntwortenLöschen
  3. Ich glaube, Du hast die Idee dieser Kircheninitiative falsch verstanden. Wenn ich sie richtig verstanden habe, ist der Gedanke nicht der, dass dem Kapitel die Wahl des Kandidaten aus der Terna aus der aus der Hand genommen werden soll, sondern die Vorschlagsliste mit geeigneten Kandidaten, die das Kapitel vorab nach Rom senden muss, soll unter Beteiligung des Kirchenvolks aufgestellt werden. Das anschließende Procedere (Rom sendet eine Terna zurück, das Domkapitel wählt daraus einen Bischof, Rom bestätigt die Wahl, der Ministerpräsident gibt Grünes Licht, der Mann wird geweiht und inthronisiert ...) bliebe wie gehabt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das habe ich auch erst gedacht. Bin dann aber zur Meinung gekommen, das das Domkapitel aus der Terna den wählen soll, den das Volk will.
      Allerdings wäre die andere Möglichkeit auch nicht besser. Denn dann hieße es, wenn ein anderer als der Wunschkandidat des Volkes rauskommt "Die aus Rom respektieren uns nicht" und es gibt krach.

      Löschen
    2. Hmm, woher nimmst Du denn diese Meinung? Die von dieser Gruppe vorgeschlagene Möglichkeit einer Mitbestimmung ist ja auf der Webseite beschrieben (in dem Abschnitt "Wie könnte eine Mitbestimmung aussehen?"). Da steht nichts von dem, was Du schreibst.
      Eine Beschränkung des Domkapitels bei seiner eigentlichen Wahlhandlung ist ja auch eine völlig illusorische und undenkbare Maßnahme, das wäre ja natürlich sowieso niemals durchsetzbar. Die andere Möglichkeit, die kirchliche Basis in irgendeiner Form an der Erstellung der Vorschlagsliste zu beteiligen, klingt dagegen durchaus realistisch und evtl. machbar.

      Löschen
    3. Nach Deinem freundlichen Hinweis habe ich noch einmal nachrecherchiert. Vgl. hierfür bitte Absatz 4 und das Update.

      Löschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...