Montag, 2. Dezember 2013

Vom Monolog zum Dialog: Bericht aus Bad Homburg

Am 28. November gab es erneut eine Diskussionsveranstaltung über die Zukunft des Bistums, diesmal in Bad Homburg. Schon die Besetzung versprach einen besseren Stil als die letzte und man wurde auch nicht entäuscht. Aufgrund eines ausgefüllten Wochenendes reiche ich heute den Bericht nach.

Für meine Leser scheue ich keine Kosten und Mühen und bin daher mit meiner Goethe-Card nach Bad Homburg rausgefahren, das etwa eine 3/4 Stunde von meiner Wohnung entfernt liegt. Die dort abgehaltene Diskussionsveranstaltung am Donnerstag letzter Woche konnte Aufgrund der Besetzung als interessanterwartet werden und wurde es dann auch weitgehend. Denn aufgrund der Besetzung war der Verlauf und Ausgang nicht so vorhersehbar wie beim letzten Mal in Frankfurt. Anstatt Deckers und zu Eltz saßen Kalteier als Vorsitzender des Priesterrates und Generalvikar Rösch in der Runde, daneben Dr. Freiling als Mitglied der Diözesanversammlung, Sigrid Düringer als Pastorin und Coacherin sowie Britta Baas vom Publik-Forum. Dazwischen saß Meinhard Schmidt-Degenhard.

Schon der Moderator war besser

Schond er Moderator machte eine wesentlich bessere Figur. Zum einen weil er nicht zugleich Veranstalter war und somit nicht selber direkt beteiligt oder gar parteilich, zum anderen weil er die Teilnehmer auf und vor dem Podium wesentlich besser im Griff hatte und einen zügigen und fairen Ablauf des Abends sicherstellte.

Zweigeteiltes Podium

Auf dem Podium konnte man dabei tatsächlich eine Zweiteilung erkenne, in deren Mitte der Moderator saß und die zugleich die Geschlechtertrennung wiedergab. Auf der rechten Seite (vom Publikum aus) saßen zwei Frauen, eine protestantische Pastorin und eine, die vllt. gerne katholische Pfarrerin geworden wäre, auf jeden Fall zwei, die eine Protestantisierung der Hierachie empfahlen. Auf der rechten Seite zwei Kleriker, die davon nun nicht gar so viel hielten und auch nicht der Meinung waren, als Priester sei man per se abgehoben und verschroben. Dazu mit Freiling ein Jurist, der sich eher in Zustandsbeschreibung erging und tendentiell meinte, man müsse mit dem arbeiten, was da ist, anstatt sich einen Bischof und eine Hierarchie zu backen.

Rösch: Wen wollen wir mit unserem Verhalten evangelisieren?

Am besten kam, wen wundert es, der Generalvikar an. Nicht nur, das er nicht gegen den Bischof gestänkert hat, er hat auch ganz explizit freundliche Worte gefunden und gemeint, man könne auch ruhig mal die positiven Seiten des Pontifikates erwähnen, wie du bisher gut organisierte Strukturreform. Auch machte er darauf aufmerksam, dass es nicht nur den einen Flügel in der Kirche gebe. Man brauche verschiedene Meinungen und das sei auch gut so. Auch wehrte er sich gegen ein negatives Priesterbild. Er finde es gut, als Priester einen Vertrauensvorschuss zu bekommen, das erleichtere ihm seine Arbeit. Natürlich bedeute das aber auch Verantwortung. Verantwortung bedeute auch, der Priester und die Kirche müssten den Menschen das Evangelium bringen. Aber wenn wolle man mit dem jetzigen Bild von Kirche, die nur auf sich selbst bezogen ist, denn evangelisieren?
Daher gelte es, jetzt aufzuhören, Nabelschau zu betreiben. Zum einen um die Aufforderung aufzunehmen, die Papst Franziskus in Evangelium Gaudium gibt. Zum anderen, damit sich die Lage entspannt und die Entscheidung Roms in eine gewisse Freiheit hineinfalle und nicht in eine Erstarrung und Verkrampfung.

Das System ist schlecht, weil ich als Theologin Laie bin

Am wenigsten konnte in der Diskussion die Dame ganz rechts überzeugen, die eigentlich ganz links stand: katholische Theologin und Journalistin von Publik-Forum Britta Baas. Sie war eindeutig als "linke Stimme" in der Runge eingeplant und hat diese Rolle auch gut ausgefüllt. Mehrmals wies sie auf die Probleme der hierarchischen Kirche hin, nahm den Papst in Pacht und erklärte, der Bischofsbegriff des Kollegen Freiling sei nicht mehr aktuell - der aus dem CIC vorgelesen hatte. Einen schwachen Moment hatte sie aber, als sie über ihre eigene Lage ins Jammern kam und dabei die persönlichen Motive für ihre Forderungen aufdeckte: Sie als Theologin sei in der Kirche Laie, weil sie nicht geweiht werden könne.

Keine Maximalforderungen, aber realistische Einschätzungen der Lage

Konziliante Töne hörte man vom Mitglied der Diözesanversammlung Freiling. Konziliant, wenn man das Papier der Versammlung gelesen hat und die Vermutung haben konnte, hier messe einer schonmal die Höhe des Schaffotts aus. Er wollte das Papier nicht als Forderung verstanden wissen, sondern als Beschreibung des momentanen Zustandes. Man könne sich in der Versammlung eben nicht vorstellen, dass Tebartz-van Elst zurückkommen könnte und wollte das auch offiziell festgehalten haben. Was Rom dann damit mache, sei freilich des Papstes Sache. Er machte auch auf die Problematik aufmerksam, die eine überbordene Änderungswut im Bereich der Hierarchie mit sich bringe. Denn das Amt in der Kirche sei theologisch, nicht organisatorisch bestimmt und eine Änderung bedeute damit eine Wandlung in der Theologie, die nach dem Kirchenverständnis bis zu den Aposteln zurückreiche.

Hofheimer Kreis ist Selbsthilfegruppe

Priesterratssprecher Kalteier war vor allem als Stimme jener Priester, die sich vom Bischof nicht genug eingebunden fühlen, vor Ort. Von dem gleichen Bischof, dem andere wieder Klerikalismus vorwerfen. Die Priester fühlten sich von ihrem Bischof vom Dialog ausgeschlossen und in ihrem Bemühen um Mitverantwortung nicht ernstgenommen. Entsprechend haben sich Frustrationen aufgebaut, die sich im Hofheimer Kreis entluden, die Kalteier als eine Art Selbsthilfegruppe verstand. Ein Bischof müsse den Dialog nicht nur gezwungenermaßen mitnehmen, sondern er müsse ihn auch wollen. Nur dann könne er missionarisch Bischof sein. Doch zuerst gelte es, die Flügel, die sich kirchenpolitisch gezeigt hätten, zu analysieren und die entstandenen Verletzungen zu heilen.

Desakralisierung als Lösung

Als Außenstehende mit eigeme Konzept agierte die Evangelische Pastorin Sigrid Düringer. Sie vertrat, entsprechend ihrem Hintergrund, eher ein protestantisches Kirchenkonzept und empfahl dieses auch als Lösungsansatz für die Probleme in Limburg. Damit war sie aber tendentiell Partei. Denn sie machte in Limburg zwei Kulturen von Kirche aus, die Tebartz- und die Kamphaus-Kultur. Nach ihrer Meinung überforderte das katholische Konzept einer Sakralisierten Hierarchie die Beteiligten, auch daran sei Tebartz-van Elst gescheitert. Da sie sich bewusst war, das ihr Konzept der Desakralisierung und Strukturveränderung tiefgreifend ist, sah sie die aktuelle "Hängepartie" auch weniger dramatisch als Journalistin Baas. Denn die momentane Unsicherheit könne heilsam sein, weil es zu einem intensiven Nachdenken anrege.

Es besteht Hoffnung

Wenngleich die Diskussion nicht der große Wurf war, so fiel doch die große Fairniss auf, die alle Beteiligten den Mitdisputanten und auch dem Bischof gegenüber an den Tag legten. Das dabei die üblichen Konzepte nach weniger Bischofsmacht und mehr Laienmacht vorgetragen wurde, ist nicht verwunderlich und ja auch legitim. Daneben tauchte aber auch die andere Meinung auf, dass die vorliegenden Ideen und Strukturen an sich gut sind und man nun mit diesen Arbeiten müsse, wenngleich ein wenig nachkorrigiert werden muss. Bessere Informationen für die Domkapitel bei den Bischofswahlen wurden hier genannt, wobei der Generalvikar auf die Komplexität der Verfahrensfestlegung aufmerksam machte und vor Schnellschüssen - an wen hat er dabei wohl gedacht? - warnte. Alles in allem also ein gelungener Abend, der für eine sich beruhigende Situation im Bistum spricht und Hoffnung gibt, dass wir uns bald wieder weniger mit uns selbst und mehr mit der Evangelisierung beschäftigen können.

Das Bistum Limburg berichtet hier.

1 Kommentar :

  1. Vielen Dank für Deine Mühe und Deine immer informative Berichte,

    Das ganze erinnert mich doch sehr an die Politik. Alle wollen in meinem Namen reden und mein Bestes, alle, die mich doch gar nicht kennen und auch nicht kennen wollen.
    Da hat der Generalvikar recht, wenn er fragt: " wen wolle man mit dem jetzigen Bild von Kirche, die nur auf sich selbst bezogen ist, denn evangelisieren?"
    Meiner Meinung nach sollten diese Damen und Herren vor jeder Veranstaltung eine eucharistische Anbetungsstunde halten oder den Rosenkranz beten.

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