Samstag, 14. Dezember 2013

Sie wagen es, weil ... Mediennutzung durch Christen

Kollege Geistbraus schrieb neulich hier einen sehr interessanten Artikel zum Thema innerchristliche Kommunikation. Ausgehend von 1. Kor 6, 1: "Wie kann jemand von euch wagen, wenn er einen Streit hat mit einem andern, sein Recht zu suchen vor den Ungerechten und nicht vor den Heiligen?" stellt er die Frage, warum manche Glieder der Kirche die Unterstützung der Medien suchen und nicht die der Christen/Heiligen.

Auf diese Frage gibt es mehrere Antworten. Hier will ich drei Aspekte behandeln: eine funktionale, eine missionarische und eine moralische Antwort.

Womit kann ich wen erreichen?

Als erstes zum funktionalen Aspekt: Man wendet sich als Christ für den innerchristlichen Disktus an säkulare Medien, weil man sonst die Heiligen nicht erreicht.
Vom Grundsatz her richten sich Initiativen wie die in Köln an alle katholischen Christen. Das sind dieser Tage so ca. 25 Millionen. Wenn ich diese 25 Millionen mit meinen An- und Absichten erreichen will, muss ich dafür Medien benutzen, die von diesen 25 Millionen oder zumindest dem größten Teil benutzt werden. Damit fallen für die Kommunikation aus: Pfarrblätter, Kirchenzeitungen, Sonntagspredigten, Spatenzeitschriften und Blogs. Denn die erreichen höchstens einen Bruchteil der angepeilten Großgruppe.

Wie erreiche ich also diesen Personenkreis? Indem ich meine Botschaft in die nationalen Medien einspeise. Nun sind aber solche Initiativen eigentlich nicht besonders bedeutend, wenn die Namen auch etwas illuster klingen. Sie können also nicht aus sich selbst die großen Medien auf sich aufmerksam machen. Daher bedienen sie sich des Medienhypes als Tricks. Sie wenden sich an Zeitungen, die ihrem eigenen Profil etwa entsprechen und ein wenig Interesse an kirchlichen oder lokalen Themen haben - hier Spiegel und KStA - und hoffen darauf, dass andere große Medien den Impuls aufnehmen. Das hat zwar jetzt nicht so super funktioniert, aber der Gedanke war systematisch schonmal richtig.

Die Botschaft soll nicht nur zu den Christen

Nunmehr zur missionarischen Antwort: Man wendet sich als Christ an die säkularen Medien, damit Nicht-Christen es mitbekommen. Gehen wir mal davon aus, das die Initiatoren nicht den Untergang der Kirche und des Christentums wünschen, sondern nur das beste für die Kirche wollen. Natürlich sind sie der Meinung, dass ihre Ideen das Beste für die Kirche sind. Das sind die Konservativen ja auch. Wenn ihre Ideen aber so toll sind, dann überzeugen sie vielleicht nicht nur die Gläubigen,  sondern vermitteln ein positives Bild der Kirche und wirken daher missionarisch auf die Leute außerhalb, die ja vielfach ein negatives Bild haben. Auch Paulus hat sich ja auf den Areopag gestellt und ist nicht im kleinen Gemeindesaal geblieben.

Ehrlich sein als moralischer Grundsatz

Moralisch ist eine Nutzung der Medien dann, wenn sie auf Fairness und Wahrhaftigkeit abzielt. Hier ist eine grundsätzliche Unterscheidung zwischen christlichen Medien = gut bei kirchlichen Themen und säkulare Medien = schlecht bei kirchlichen Themen nicht zu machen. Denn es ist immer eine Frage des Einzelfalles, weil es nicht nur auf die Medien, sondern auch auf die Nutzer ankommt. Um beim Beispiel der Kircheninitiative zu bleiben, ist diese moralisch etwas fragwürdig. Denn sie erklären zwar offiziell, ihr Ansuchen richtet sich an das Domkapitel und den Papst. Praktisch aber machen sie über die Medien Stimmung, um sich möglichst gut zu positionieren und möglichst viel Unterstützung zu sammeln. Dabei nutzen sie den Umstand, als progressive Katholiken ein per se besseres Verhältnis zu den säkularen Medien zu haben als eher konservative Kreise. Sie nutzen also ihren strategischen Vorteil aus, um ihre Ideen nach vorne zu bringen, wissend, dass andere das nicht in gleicher Weise können und setzen damit von Anfang an auf eine Verzerrung der Medienberichterstattung.

Das Problem ist oft der moralische Grundsatz

Auf die Frage, warum manche Christen die Unterstützung der Medien suchen, können also drei Antworten gegeben werden: Weil es die einfachste Art ist, alle Christen zu erreichen; weil man damit auch die Nicht-Christen erreicht; weil eine faire und wahrhafte Berichterstattung theoretisch möglich ist. Besonders die letzte Frage bietet jedoch häufig Anlass zur Kritik, so wie bei der Kölner Kircheninitiative.

1 Kommentar :

  1. dem kann ich zustimmen. Es sei nur noch hinzugefügt, dass Paulus auf dem Areopag eben den Heiden das Evangelium predigte und nicht Verbündete in seinem Streit mit Petrus über die Beschneidung suchte...

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