Montag, 23. Dezember 2013

Die Wirkungen der Liturgie

In der Vortragsreihe Liturgie und Psyche spricht Pater Karl Wallner über die Wirkung der Liturgie auf die Seele. Wie schon beim letzten mal gibt es unter dem Video eine kurze Zusammenfassung. Um Weihnachten herum ist es ja mitunter etwas hektisch.


Pater Wallner stellt in seinem Vortrag drei Wirkungen von Liturgie vor: Sie wirkt sich entlastend, weitend und vergeistigend auf die Seele aus.

Fehlentwicklungen im liturgischen Verständnis

Zuvor geht er jedoch auf einige Fehlentwicklung in der Liturgie ein: Zuerst auf den Rubriszismus: Damit bezeichnet er die peinlichste Befolgung der liturgischen Formen und Gesten und die dadurch entstehende liturgische Skrupulösität. Diese Idee macht die Wirkung der Liturgie auf die Seele alleine von der äußeren Form abhängig. Sie war jedoch vor allem eine Erscheinung vor dem Vaticanum II und kommt heute kaum mehr vor.
Zum Zweiten geht er auf den Antiästhetizismus ein: Dieses Misstrauen in das Schöne ist vor allem durch die kulturellen Bewegungen des Westens in den späten 60er Jahren, zeitlich mit dem Konzil, in die Kirche eingedrungen. Es handelt sich dabei aber eher um eine zeitliche Kausalität als um ein konziliares Phänomen. Denn das Konzil wollte die Liturgie lediglich von Formalismus reinigen und dem Gottesdienst seine ursprüngliche geistige und geistliche Dimension wiedergeben. Die Destruktion nach dem Konzil war daher nicht nachkonziliar, sondern antikonziliar. Sinnfälliges Zeichen dieses Phänomens war die stilistische Profanisierung der Kirchenbauten.

Rückkehr zur Schönheit

Doch der Antiästhetizismus ist mitterweile gleichsam an sein Ende gekommen. Eine junge Generation von Priestern tritt neu mit dem Anspruch einer schönen Liturgie auf, was, weil oftmals noch die Sackalben vorherrschen, nicht als Akt der Servilität, sondern als Produkt einer geistigen Reife betrachtet werden kann.
Diese neue Bewegung führt die Liturgie wieder zurück auf das Schöne. Dabei handelt es sich aber nicht um eine oberflächliche Form. Denn die Theologie vermutet das Schöne zuerst in Gott. Daher soll gerade die Liturgie, die Gott auf Erden präsent machen soll, schön sein.

Wirkungen der Liturgie auf die Seele 

Nach dieser längeren Einführung kehrt P. Wallner zu seinen drei Thesen zurück.

1. Entlastung: Gott tritt in die Geschichte des Menschen ein. In der Liturgie wird diese Initiative Gottes erlebbar. Sie ermöglicht es daher dem Menschen, mit Gott in Kontakt zu treten, ohne umfangreiche Vorbereitungen, ohne das er zahlreiche Voraussetzungen erfüllen oder etwas leisten muss. Durch diese Entlastung wird es dem Menschen ermöglicht, frei und leicht auf Gott zu antworten.

2. Erhebung: Die Erhebung der Seele in der Liturgie ist nicht eine emotionale Ekstase, keine Einbildung, sondern eine wirkliche, eine substantielle Erhebung. Ihr Ziel ist die Verbindung mit dem unsichtbaren Gott, indem der göttliche Logos nicht nur unseren momentanen Gefühle, sondern unser ganzes Leben auf Gott hin erhebt.

3. Vergeistigung: Liturgie hat die vergeistigende Kapazität. Das hängt mit ihrem Ursprung zusammen. Dieser Ursprung ist das Kreuzesopfer Jesu auf Golgatha. Nach diesem gibt es keine vor Gott wirkmächtigen Opfer mehr, nur noch das eine und auch nicht mehr die Priester, sondern nur noch den einen Priester Jesus Christus. Entsprechend lehrt das Konzil von Trient, das die Hl. Messe das eine und einzige Opfer Christi gegenwärtig setzt. Das sinnliche ist daher immer in Pflicht genommen, das Geistige darzustellen. Unsere Seele soll durch das sichtbare auf das unsichtbare hingeordnet werden.

Was folgt daraus?

Gerade heute, in einer Kultur des Events und der Ich-Bezogenheit, brauchen wir eine Liturgie, die dem Zwang des Selbst-Schaffen-Wollens des Menschen und der Ichbezogenheit des menschlichen Handelns widersteht. Eine liturgische Form, durch Gott dem Wesen nach begründet und durch die Kirche ausgedrückt, befreit die Seele hin zum Übernatürlichen. Durch die Einhaltung der liturgischen Form öffnen sich zwei Linien. Sie verbindet uns erstens horizontal mit allen Gläubigen auf der Welt und zweitens vertikal mit Gott und den Heiligen.

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