Donnerstag, 28. November 2013

Die Limburger Reformer können Skandal. Die Konservativen nicht.

Die Krise im Bistum Limburg schwelt weiter und Podiumsmonologe, bei denen aller einer Meinung sind, gehen weiter. Nach "Aufräumen nach dem Knall" (wir berichteten hier und hier) gibt es heute weitere Veranstaltung ähnlicher Natur in Bad Homburg (Bericht hier). Schon bei der letzten Veranstaltung viel das Fehlen einer Stimme für den Bischof auf. Doch liegt das nur an daran, das die die wichtigen Posten von der Gegenseite besetzt sind? Um diese Frage zu beantworten, wollen wir uns mit dem Wesen des Skandals beschäftigen.

In Limburg ist der Zusammenhang von Krise und Skandal besonders gut zu beobachten, weil besonders eng. Ein Skandal kann mit einer Krise in zwei verschiedenen Konstellationen auftreten: Erstens: Der Skandal löst die Krise aus, indem Massenmedien ein Fehlverhalten skandalisieren. Zweitens: Der Skandal ist nachlaufend und hat dann in der Regel etwas mit dem Kommunikationsverhalten der skandalisierten Person zu tun, also dem Krisenmanagement. Oft treten diese beiden Konstellationen nicht im Reinform auf, sondern durchmischen sich, indem z.B. ein Skandal eine bereits bestehende Krise verschärft. Der Fall Wulff z.B. ist ein klassischer nachlaufender Skandal, weil er am Krisenmagagement gescheitert ist.

Skandale drängen zu einem Lernprozess

Skandale drängen dabei zu einer Auflösung. Dabei kann ein Skandal auf zwei Lösungsrichtungen verweisen: dem destruktiven Auslöschen des Skandalgrundes oder der konstruktiven Wiedereinsetzung der gebrochenen Norm. Denn der Skandal zeigt medientheroretisch nicht, das eine Norm nicht mehr in Geltung ist, sondern im Gegenteil, dass sie nach wie vor Bedeutung hat, da die Abweichung über den Skandal thematisiert und sanktioniert wird. Der Skandal soll also, positiv verstanden, zu einem Lernprozess beitragen. Das ist aber nur möglich, wenn der Skandal Vorkehrungen nach sich zieht, um weitere Krisen dieser Art zu verhindern oder wenigstens zu erschweren. Indem Misstrauen gegen eine Person oder eine Einrichtung durch den Skandal aufgebaut wird, versucht die betroffene Person oder Institution, meistens letzteres, durch Nachbesserungen Vertrauen wieder aufzubauen.

Die Limburger Reformer bedienen die Skandalmechanismen

Betrachten wir die momentanen Diskussionen in Limburg, dann passen sie exakt in dieses Skandalschema. Sie nehmen zur Kenntnis, dass die Institution Kirche vertrauen einbüßt und reagieren damit, indem sie einen Lernprozess verkünden. Da die meisten Diskussions-Akteure der Meinung sind, das Problem liege in den großen Vollmachten des Bischofamtes, erklären sie folgerichtig, dieses Amt müsse stärkerer Kontrolle unterworfen werden. Damit bedienen sie zudem die medialen Wünsche, denn sie bestätigen den Medien, die den Skandal ausgelöst haben, damit ihre Wirkmächtigkeit und folgen den medialen Prozessen. Dadurch wird ihre Haltung medial verstärkt und nimmt an Einfluss zu.

Personalisierung lenkt von eigenem Versagen ab

Einer Verstärkung wird auch durch ein weiteres Skandalbearbeitungsmittel Vorschub geleistet: Der Personalisierung. Mit Skandalen kann man, von Seiten der Betroffenen, auf drei Weisen umgehen: Erstens Leugnen. Das funktioniert aber fast nie auf Dauer, weswegen man bald zur Salamitaktik übergeht und das zugibt, was ohnehin schon jeder weiss. Zweitens: Zerknirschung. Man gibt reuig Fehler zu und verspricht Besserung. Drittens: Personalisierung. Man präsentiert einen Hauptverantwortlichen. Dadurch kann gerade eine Institution eigene Verantwortung von sich abwälzen.

Auch das wird in Limburg angewendet. Man schiebt (fast) alle Schuld dem Bischof Tebartz-van Elst in die Schuhe und kann daher möglichst rein dastehen, um sich für einen Neuanfang in Stellung zu bringen. Daher tut man auch alles, damit der Bischof nicht zurückkommt, damit keine Diskussion darüber aufkommt, ob man nicht selber auch genug Mist gebaut hat oder wirklich geeignet ist, an der Lösung des Problems mitzuwirken.

Das Problem der Konservativen

Das hohe Potential der Reformer in dieser Krise und in diesem Skandal hängt auch damit zusammen, dass sie mit den Mechanismen der Skandals zu gut umgehen. Nicht umsonst lobt Stadtdekan zu Eltz die Medien, da er sie für seine Zielsetzung einzuspannen versteht. Die Konservativen scheinen hingegen sowenig mit den Mechanismen des Skandals umgehen zu können wie Bischof Franz-Peter.
Und unter anderem weil sie nicht mit dem System Skandal arbeiten, werden sie auch nicht als ernstzunehmende Teilnehmer bei den weiteren Schritten des Skandals, also dem Lernprozess, wahrgenommen.

Denn die Konservativen gehen vor allem den Weg Problemlösung 1: Leugnen, Kleinreden, Verdrängen. Doch das will niemand hören, es wirkt nicht. Eine Idee müsste her, die man den Reformern entgegensetzen kann, damit man wenigstens eine kleine Chance hat, durchzudringen. Es ist zuviel Geld ausgegeben worden. Und es hat ein schlechtes Klima im Ordinariat und in vielen Kreisen gegeben. Und die Krisenkommunikation des Bischofs war lausig. Das muss zuerst eingeräumt werden. Das ist schmerzhaft, aber notwendig. Und dann kann man fragen, was man besser machen kann. Und in dieser Idee kann sich dann vielleicht ein Platz für den Bischof finden. Und dann kann man sagen: Hier, so geht's und so kann unser Bischof bleiben!

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