Donnerstag, 21. November 2013

Die Akte Limburg: Lückenlose Aufklärung könnt ihr vergessen!

Allgemein wird in Sachen Bischof Tebartz-van Elst lückenlose Aufklärung der Sachverhalte gefordert. Das ist ehrenwert. Und Unsinn. Denn es ist in der momentanen Lage fast unmöglich, die Problematik vollständig zu analysieren und für alle Beteiligten Schlüsse zu ziehen. Denn wenigstens einer der Beteiligten liegt nicht im Bereich der Katholischen Kirche und hat auch nur ein geringes Interesse daran, sich an der Aufarbeitung zu beteiligen: Die Medien.

Das soll hier keine klassische Medienschelte werden. Doch alle kirchlich Beteiligten sind sich einig, dass die Medien eine wichtige Rolle im Fall Tebartz-van Elst gespielt haben und spielen. Unabhängig davon ob das eine gute oder schlechte Rolle war. Das macht sie aber zu Beteiligten und nicht mehr nur zu reinen Beobachtern. Ihr Handeln muss damit aber Teil der Aufklärung sein. Doch dafür müssten die Medien mitwirken wollen. Doch anders als die Mitglieder der Kirche, die ja um ihres Engagements und ihrer Arbeit Willen eine Motivation haben, auch eigene Selbstkritik zu betreiben, fehlt diese Motivation den Medien. Also werden sie es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht tun und damit einen Prozess der Aufklärung verhindern.

Das Beispiel Wulff

Das geringe Potential der Medien zu Selbstkritik können wir gerade gut an einem anderen Fall verfolgen, der gerade seinem Abschluss entgegengeht: Dem Fall Wulff. Auch hier hatten die Medien einen erheblichen Anteil daran, dass der Bundespräsident a.D. sein Amt verlassen musste. Dabei steht außer Frage, dass Wulff als Bundespräsident eine kolossale Fehlbesetzung war. Denn er hatte ein Problem damit, zwischen seinem Amt und seiner Person zu unterscheiden. Das war spätestens klar, als er dem Papst bei dessen Staatsbesuch vor laufender Kamera und hochoffiziell ins Gesicht sagte, er als wiederverheirateter Geschiedener wolle besser behandelt werden. Das fand aber keiner weiter schlimm. Erst als Wulff mal wieder durcheinanderkam und bei der Bild anrief, um den Einmarsch der Bobycar-Bataillone anzudrohen, kamen die Journalisten richtig in Schwung. Hatten zuvor schon einige Medien Witterung aufgenommen wurde der Bundespräsident jetzt solange gejagt, bis sich ein Staatsanwalt erbarmte und ihn vermittels Untersuchung aus dem Amt holte. Jetzt, Monate später und eine Ehefrau weniger, kommt es zur Anklage, die da lautet: 753,90 Euro und Verdacht auf Vorteilsnahme. Nachdem man den Eindruck hätte gewinnen können, der man hat sich alles von den Schuhen an aufwärts inklusive Haus und Frau spendieren lassen. Und die Medien? Die nicken interessiert und hier und da hört man: "Naja, vielleicht haben wir es ein bisschen übertrieben. Aber eigentlich haben wir ja nur unseren Job gemacht." Selbstkritik sieht anders aus.

Medien als Vermittler

Das die Medien als Vermittler fungieren, ist kein Geheimnis, es ist ihr eigentlicher Auftrag. Da sie jedoch in diesem Falle auch Akteure sind, nehmen sie eine doppelte Aufgabe war, die dadurch brisant wird. Denn sie fördern eine Aufarbeitung des Themas nicht nur nicht dadurch, dass sie ihre eigene Rolle dabei nicht oder kaum infrage stellen. Sondern auch dadurch, dass sie über die Aufarbeitung berichten müssen. Dieser Umstand legt ein Problem des Katholizismus offen, das seit mehr als 50 Jahren besteht. Die Kirche ist auf die Medien nicht nur angewiesen, um mit ihrer Umwelt zu Kommunizieren. Sondern auch, um mit den Katholiken zu kommunzieren. Denn es gibt kein Medium mehr im kirchlichen Binnenraum, das in der Lage wäre, alle Katholiken wirksam und für längere Zeit zu erreichen, was bei einer Vermittlung der Aufarbeitung notwendig wäre. Die Kirche muss sich also hierfür säkularer Medien bedienen, die erstens per se einen anderen Blick auf die Dinge haben, als die Kirche, zum Zweiten als beteiligte Berichterstatter und parteiliche Beteiligte weder objektiv noch fair sein werden.

Wie geht es weiter?

Eine lückenlose und ehrliche Aufklärung des Sachverhaltes im Fall Tebartz-van Elst ist unter diesen Umständen nicht zu erwarten. Dafür müssten zu viele Gruppierungen zu viel guten Willen mit zu viel Selbstkritik aufbringen. Und bisher hat noch kaum einer Selbstkritik gezeigt, wenn man mal von ersten Ansätzen beim Bischof selber absieht. Als Christ kann man an Wunder glauben, doch man sollte nicht damit rechnen. Realistischerweise werden die verschiedenen Gruppen ihre Sicht von Aufklärung darlegen, die Medien einseitig berichten, Rom wird dazwischenhauen, die Medien das Interesse verlieren und der Bischof, aller Wahrscheinlichkeit der Neue, wird die nächsten 10 Jahre damit zubringen müssen, die Scherben aufzukehren. Wahrlich keine Freude. Aber mit ein bisschen guten Willen können die Beteiligten innerhalb der Kirche ihm die Arbeit nicht allzu schwer machen.

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