Dienstag, 12. November 2013

Das Ende der Schonzeit - Mittagskritik

Paul Badde, auf einem Kongress als der dickste Freund des Papstes bezeichnet, ist auch ein guter Bekannter vieler deutscher Bischöfe. So ist es zu erklären, das er als einziger Journalist bis in die Anima vorgelassen wurde, um ein Gespräch mit dem Bischof von Limburg, Tebartz-van Elst, zu führen. Den Inhalt dokumentiert er im Vatikan-Magazin, das ab Morgen im Handel käuflich erworben werden kann. Als guter Katholik hab ich es natürlich als Abo und konnte es daher schonmal vorab lesen.

Hierzu mein Kurzkommentar:

Der Artikel wirft ein gutes Licht auf die grundlegende Einstellung des Bischofs. Anders als seine Gegner in Limburg geht es ihm nicht darum, die anderen endlich zur Strecke zu bringen und zu diffamieren. Auch will er sich nicht von aller Schuld reinwaschen und die Schuld einseitig abwälzen. Er gibt eigene Fehler zu. Allerdings scheint er seinen größten Fehler darin zu sehen, anderen Menschen vertraut zu haben, denen er besser nicht hätte vertrauen dürfen. Das mag wirklich so gewesen sein. Allerdings lässt das die Interpretation zu, er sei nur gutgläubig gewesen, die wahren Schuldigen seien die anderen. Daraus kann man ihm jetzt wieder einen Strick zu drehen versuchen. Seine Bereitschaft zur Versöhnung ist lobenswert, doch auch sie wird ihm schon im Mund umgedreht und zur Fratze der Uneinsichtigkeit umgedeutet werden können. Zwar deutet er auch weitere Einsichten in Probleme an, wehrt aber den öffentlichen Diskurs darüber ab und verweist sie in die Sphäre des Geistlichen. Auch das wird man ihm wohl kaum abnehmen, denn was eine öffentliche Person nicht öffentlich macht, das gibt es für die Öffentlichkeit nicht.

Das Interview verdeutlicht drei Punkte:
1. das der Bischof momentan wirklich in sich geht und diese Untersuchung auf zwei Bereiche konzentriert: Habe ich eine Fähigkeit, die mir zum Nachteil gereichte und kann ich Versöhnung als Tugend als Weg der Erneuerung einsetzen?
2. Es wird sich jetzt zeigen, ob man auf Seiten der Gegner des Bischofs und bei den Medien wirklich an einer ausgewogenen Darstellung der Ereignisse, an einem differenzierten Blick interesse hat. Obder ob man nur das Abschwören will, das große mea-culpa und die Versicherung, alle Schuld auf sich zu nehmen und nie wieder einen Fuss nach Limburg zu setzen.
3. Dem Bischof hat es in seiner römischen Zeit versäumt, sich mit Medienkompetenztraining zu befassen. Badde absolviert ihn davon, wenn er meint, das müsse er als Bischof auch nicht. Hier einzig muss dem Profi widersprochen werden. Bischöfe müssen auch mit Medien richtig umgehen können, wie das Beispiel Tebartz-van Elst schmerzhaft zeigt.

Auf der Vatikan-Seite kann das Heft eingesehen werden, hier.

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