Mittwoch, 13. November 2013

Aufräumen nach dem Knall. Wohin mit dem Schutt?

Gestern war ich im Haus am Dom, um der Podiumsdiskussion "Aufräumen nach dem Knall" zu lauschen. Eigentlich war schon klar, was dabei herauskommen würde. Das offizielle Ergebnis war denn auch so klar wie die persönliche Erkenntnis, die daraus gezogen werden konnte

Im Nachhinein wünscht sich das Haus am Dom sicher, Eintrittskarten verkauft zu haben. Denn so voll war die Hütte sicher noch nie. In den Saal ist man schon gar nicht mehr reingekommen, die Plätze im Foyer, wo man auch Stühle aufgestellt hatte, waren auch schon belegt, genauso wie die Treppen. Stehplätze gab's auch kaum noch, sodass ein Alterspräsident des Bundestages und ich neben dem Eingang konzentriert durch das Treppengeländer auf das Bild an der Wand gucken mussten.

Vesper, Schüller, Deckers und zu Eltz: Viermal eine Meinung

Aber genug von der Location und meinen Mühen, für meine Blogger über eine Stunde lang gestanden und an eine Wand gestarrt zu haben.
Reden wir mal lieber über die Podiumsdiskussion. Anwesend waren der Generalsekretär des ZdK Vesper, Professor Schüller, Daniel "das Donnergrollen" Deckers und Johannes zu Eltz in Vertretung des Weihbischofs Löhr und des Domkapitels. Generalsekretär Vesper habe ich nur teilweise gehört, weil ich zu spät kam, außerdem blieb er sehr theoretisch. Prof. Schüller hat als Kirchenjurist eine Kurzvorlesung über Kirchenfinanzfragen und seine Zweifel gehalten, dass in Limburg alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Stadtdekan zu Eltz hat als Vertreter des Domkapitels die Entscheidung desselben bedauert, den Bischof gewählt zu haben, die Domkapitulare ansonsten aber als verantwortungsvolle Zuhörer der Gläubigen dargestellt. Dr. Deckers hat seine Arbeit bei der FAZ in Kirchensachen beschrieben und vorgelegt, wie was anders gemacht werden müsste.

Alle haben sich wenigstens zurückgehalten

Ganz allgemein ist zu sagen, dass sich alle Beteiligten in dieser Runde im Vergleich zu manchen vorherigen Äußerungen um einen sachlichen Stil bemüht haben. Sowohl Deckers als auch zu Eltz haben zudem darauf hingewiesen, dass sie als parteiliche oder beteiligte Beobachter sprechen und ihre Aussagen somit in den zutreffenden Kontext gestellt.

Selbstkritik gab es kaum

Auch Prof. Schüller hat sich mit Vorverurteilen zurückgehalten und auf die Kommission verwiesen, konnte aber doch nicht ganz umhin, erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Finanzvorgehens anzumelden.
Deckers fand sich weitestgehend selber toll, haute aber auch die beiden treffendsten Sätze des Abends raus: 1. das Bistum bedürfe jetzt Diagnose, Anamnese, Therapie; 2. in Limburg wird ein Kulturkampf zwischen dunkelmännerhaftem monarchischem Episkopat und den lichtgestaltigen demokratisch-medialen Gremien geführt. Dekan zu Eltz bemühte sich sichtlich um Mäßigung, musste aber doch am Ende - da war seine psychische Kraft vllt. annährend aufgebraucht - ein paar fragwürdige Statements abgeben: Zum ersten trage der Papst (Benedikt XVI.) die Verantwortung für die Bischofswahl, wenn er dem Domkapitel eine Kandidatenliste vorsetze, bei dem die Herren die Leute nicht selber kennen/vorgeschlagen haben; 2. er wähle nur noch den Kandidaten, den er vorher kennengelernt habe. Mit anderen Worten: Der Papst ist ja eigentlich schuld und ich mach in Zukunft was ich will.

Der Bischof und das episkopale System sind schuld

Einig waren sich die Teilnehmer alle, wer die Hauptschuld an der ganzen Sache hat und auf wem der entstandene Schutthaufen abzuladen ist: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Des Weiteren hat das aktuelle Kirchen- und Bischofswahlsystem Mitverantwortung, das bei Tebartz-van Elst krass versagt habe und deswegen geändert werden müsse. Die Frage, ob z.B. der Stadtdekan als wesentlicher Repräsentant eines solchen Pfeiffen-System nicht selber eine sein könnte, hat man sich natürlich ebensowenig gestellt wie den Umstand erwähnt, dass man seit 200 Jahren so schlecht nun doch nicht mit den Bischofswahlen gefahren ist.

Am bezeichnendsten war die Zusammensetzung der Runde

Man war sich aber einig, dass fast alle Verteidiger von Tebartz-van Elst in diese Gruppe - also der Pfeiffen - einzuordnen sind. Denn auf Nachfrage teilte Prof. Valentin mit, man habe leider keine Befürworter des Bischofs auftreiben können, die dem hohen Niveau des Diskussion hätten gerecht werden können. Die Wenigen in Frage kommenden seien terminlich verhindert, den Rest können man in der Besagten rauchen. Bei einigen glaub ich Prof. Valentin das auch, aber es fällt doch schon auf, dass sie nicht mal einen gefunden haben, der sich bei dem Wort Bischof Tebartz-van Elst nicht den Schaum vom Mund abputzen muss, um seriös zu bleiben. Also hat das Haus am Dom nicht angestrengt genug gesucht oder alle Verteidiger des Bischofs haben den Kopf so tief eingezogen, dass man sie nicht gefunden hat. Denn wer will sich schon davorne hinsetzen, wo er ohnehin auf verlorenem Posten steht.
So offenbart das Ereignis vor allem die traurige Situation im Bistum Limburg, indem sich fast alle einig sind und man sich in Rom schonmal um eine "Anschlussverwendung" (Zitat zu Eltz) Gedanken machen kann. Denn egal was bei der Kommission rauskommt, zurück kann der Bischof nicht mehr.

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