Mittwoch, 9. Oktober 2013

Tebartz-van Elst: Opfer einer Kampagne?

Momentan dröhnen wieder die schweren Geschütze der deutschen Medienlandschaft in Richtung Limburger Domberg. Man könnte fast meinen, noch nie sei in Deutschland ein Kostenrahmen für ein Projekt irgendwie aus dem Ruder gelaufen.

Daher wird wieder die Frage laut, ob sich hier irgendwer verschworen hat, um den Bischof, dessen Fehler aufbauschend, loszuwerden. Daher schiebe ich jetzt etwas verspätet meine Fortsetzung zum Thema: Bischog Tebartz-van Elst und die Medien, zu lesen hier, nach.

Da das ganze doch schon eine Weile her ist, sollen die wichtigsten Punkte noch einmal schnell rekapituliert werden:
1. Ist zwischen Kampagne und Hype zu unterscheiden. Eine Kampagne ist gesteuert, ihr liegt ein Wille zugrunde, sich mit einem Punkt intensiv und längere Zeit zu beschäftigen. Ein Hype dagegen ist Produkt der Medienmechanismen.
2. Kampagnen wie Hypes zielen darauf ab, die Leserschaft an das Medium zu binden. Ergänzende Ziele liegen nur bei Kampagnen vor.
3. Durch das Zusammenspiel der Medien entsteht die Medienrealität. Medien geben nicht (nur) die Wirklichkeit im eigentlichen Sinne wieder, sondern die von ihnen selbst geschaffenen Darstellung der Wirklichkeit.
4. Die Medienrealität wirkt auf die Gruppen, die von den jeweiligen Medien bedient werden. Da es in Deutschland keine eigenständigen weltanschaulichen Sozialsysteme größeren Formates mehr gibt, liegt auch nur noch eine große, weitgehend gleichmäßige Medienrealität vor, die als Mainstream bezeichnet werden kann.

Nun soll es darum gehen, diese Erkenntnisse auf Limburg anzuwenden.

Im Grunde ist es unmöglich, eine Medienkampagne nur auf Basis von Artikeln nachzuweisen. Hierfür braucht man eigentlich die Aussagen der Medienschaffenden, die dies bestätigen. Dennoch kann man auf Basis der vorliegenden Informationen zumindest begründete Vermutungen aufstellen. Demnach liegt, wie oft, im Fall Tebartz-van Elst eine Kombination aus Kampagne und Hype vor.

Eine Medienkampagne gegen den Bischof kann man am ehesten beim Spiegel ausfindig machen.
Hier scheint man bewusst auf den Bischof angelegt zu haben, plant Attacke um Attacke mit immer neuen und alten Enthüllungen und Behauptungen. Allerdings stellt sich die Frage, wann dieser Plan, diese Kampagne genau entstanden sein könnte. Betrachten wir die verschiedenen Medienschübe, in denen über den Bischof berichtet wird, so steht der Spiegel immer relativ am Anfang und begleitet diese relativ lange. Dabei hat er sich auf den Bischofspalast spezialisiert, macht aber auch gerne mal Rundumschläge. Dabei kann man nicht nur eine, sondern mehrere Kampagnen erkennen, da Journalisten in der Regel in überschaubaren Zeitabschnitten arbeiten. Die letzte Medienkampagne des Spiegels gegen den Bischof begann etwa Ende August mit dem Interview des Stadtdekans zu Eltz. Von da an produzierte der Spiegel fast täglich Berichte, bis Mitte September, für eine Provinzangelegenheit ungewöhnlich lang und intensiv, weswegen man berechtigterweise einen Willen dahinter vermuten kann. Erst als ihm die Munition ausging, weil das Bistum sich beruhigte, wurde die Berichterstattung eingestellt. Doch bereits davor können wir jedoch einige kleinere Kampagnen ausmachen, die sich vor allem um das neue Bischofshaus drehten. Denken wir nur an den tollen Film bei Spiegel TV und die ihn flankierenden Artikel. Momentan ist es ziemlich ruhig geworden, doch auch jetzt ist der Spiegel noch der Hauptinitiator und wichtigster Stichwortgeber für Berichte über den Bischof, wenn wir z.B. an die Artikel über die behaupteten Quasi-Massenaustritte denken. 

Bei den übrigen Medien kann jedoch keine Kampagne im eigentlichen Sinne festgestellt werden. Die einzige Zeitung, die dazu die Kraft und die Ortsnähe hätte, wäre die FAZ. Doch gibt es von der FAZ nur wenig eigenständige Artikel zu diesem Thema, zudem sind hier auch neutrale oder bedenkliche Artikel zu lesen. Der große Leidartikel Cave Canem wärmt im Grunde nur die alte Soße vom Spiegel wieder auf und verquirlt diese mit ein paar persönlichen Erlebnissen. Auch in Sachen Stadtdekan zu Eltz kommen die FAZ und ihre kleinen Schwestern FNP und NNP nicht zu eigenem Ruhm. Sie reagieren eher auf Ereignisse in den anderen Medien. Gleiches gilt für die übrigen Medien auch, die noch weniger eigenständig als die beiden Großen - und in Ansätzen die Rundschau - arbeiten. Sie beschäftigen sich daher mit dem Bischof im wesentlichen im Rahmen eines Hypes, der meistens durch den Spiegel initiiert wird oder von einer der großen Fernsehstationen.

Zusammenfassend können wir also sagen, dass es sicherlich ein oder vielleicht einige Medien mehrere Kampagnen gegen den Bischof initiiert haben und initiieren. Jedoch ist der größte Teil der Resonanz und Berichterstattung auf die dadurch ausgelösten Hypes zurückzuführen.

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