Dienstag, 15. Oktober 2013

Limburg: Ein Skandal!

Was wir momentan in Limburg um Bischof Tebartz-van Elst erleben, ist ein Skandal.
Skandal nicht nur in dem Sinne, dass es skandalös wäre, wie man mit dem Bischof umgeht. Das freilich auch. Aber es ist auch ein Skandal im Sinne eines bestimmten Typus von Medienereignis.

Ein Skandal ist für die Medien das Beste, was ihnen passieren kann. Denn Medien verkaufen nicht nur Informationen, was sie offen zugeben. Sie verkaufen auch Emotionen, was sie seltener zugeben. Und nichts weckt so viele Emotionen wie die Menschen selber, ihre Taten, besonders ihre Fehler. Denn nichts liebt der Mensch so sehr, wie sich über andere Menschen zu echauffieren. Dann kann er sich selber moralisch überlegen fühlen, dann befriedigt er seinen Neid auf die da oben - wie es bei einem Skandal stets der Fall ist - und träumt von einer Welt, in der gute, ehrliche Menschen wie er selbst das Sagen haben.

Der Skandal kennt zwei Sorten. Da ist zum einen der Boulevard-Skandal, von kleinen und großen Sternchen und Sternen. Der Boulevard lebt von nichts anderem als von den Skandälchen dieser Leute. Doch diese Skandale nimmt keiner wirklich ernst. Sie gelten bei den wichtigen Medien, die den Ton in der großen Debatte vorgeben, als Bääh. Ganz tief blicken die Kollegen von der FAZ schon auf ihre Kollegen von der Bild hinab und es graust ihnen allein bei der Vorstellung, sich einmal in die Vorhölle von Blättchen wie Woche der Frau oder Das Goldene Blatt zu begeben.
Die zweite Sorte ist der Politik-Skandal und er ist der einzige, der den medialen Leitwölfen würdig ist. Nicht, dass er sich substanziell von den Skandälchen vier Stockwerke tiefer unterscheiden würde. Auch hier geht es um menschliche Irrungen, auch hier werden emotionale, zumeist plumpe Bedürfnisse des Publikums bedient. Was diese Form Skandal von der anderen unterscheidet, ist das Personal, um das es geht. Nicht mehr um Sternchen aus der letzten Doku-Soap oder angehalfterte Nachgeborene längst untergegangener Duodezfürstentümer. Hier geht es um wichtige Menschen, über deren Worte und Werke man auch sonst berichten könnte.

Doch  wohnt jedem Skandal auch eine Gefahr inne. Denn anders als die Information, die wenigstens dem Anspruch nach nüchtern und sachlich ist, ist die Emotion fluide, formbar wie Knete aber auch unberechenbar wie ein Flummi, den man auf den Boden donnert. Wenn man Pech hat kommt er einem mit Wucht wieder entgegen und knallt einem ins Gesicht. Was heute noch bei der Mehrheit der Menschen Wut und Selbstgerechtigkeit, kann bei ihnen morgen schon Mitleid und Trauer auslösen. Dann können sich die Emotionen zumindest teilweise gegen ihre Erreger richten, verlieren die Medien an Glaubwürdigkeit und Respekt. Ihre Kollegen in der Vorhölle wissen das. Daher haben sie es schon lange aufgegeben, sich um so etwas wie Glaubwürdigkeit zu scheren und um den Respekt des Publikums zu werben. Doch für ihre großen Brüder ist Glaubwürdigkeit und Respekt eine Notwendigkeit. Jetzt mehr denn je, wo ihnen die Werbung ins Internet davon läuft und ein Ableger der Huffington-Post den Redakteuren Albträume beschert.

Daher macht sich im Fall Tebartz-van Elst auch Nervosität in den Medien breit. Der Skandal-Bischof ist einfach nicht tot zu kriegen. Zwar steht er schon lange nicht mehr, aber er kriecht noch. Am Wochenende hat er den Journalisten ein Schnippchen geschlagen und hat es fast ungesehen bis nach Rom geschafft. Hier in Rom, mit Abstand zu den Medienanstalten, ist er deren direkten Zugriffen entzogen. Und man sieht den Angstschweiss der Journalisten langsam perlen. Sie spüren, dass sie die Kontrolle verlieren über die Emotionen des Publikums. Das reagiert gerade in den liberalen und konservativen Medien zunehmend mit Ablehnung, belächelt gar die Schnellschüsse der FAS. Auch die Linken sind nervös. Schafft die Kirche den Salto mortale und geht auf Transparenzkurs, müssen sich die Journalisten in den Kirchenredaktionen Sorgen machen, ist doch das Aufstöbern des Verborgenen ihre einzige wirkliche Daseinsberechtigung.

Entsprechend fängt man an, sich in Selbstkritik zu üben. Jauch setzt sich mit einer Gruppe von Leuten in die Arena, die bei aller Betroffenheit über die Lage in Limburg auch etwas missbilligend auf die Berichterstattung blicken und sich einig sind, dass Nachtreten (eigentlich) gar nicht geht. Und die FAZ weint in ihrer Frühkritik prompt vor Glück über diese Sternstunde des Journalismus. Selbst im Spiegel schickt man jetzt Alleskönner Jakob Augstein vor, der versucht, den Skandal zu versachlichen und damit kontrollierbarer zu machen. Damit balancieren die Medien jetzt einen komplizierten Drahtseilakt. Sie müssen weiter über den Limburger Bischof berichten, bis er endlich weg ist, um ihren "Erfolg" zu krönen, müssen aber den Ton ändern, aus dem Skandal wieder eine Sachkritik machen. Für den Bischof kommt das zu spät, für das Bistum birgt es aber die Chance, die positiven Seiten seines Pontifikates, zu denen die Residenz durchaus auch gehören kann, später aufzuarbeiten.

Der Fall Tebartz-van Elst zeigt damit die Stärke, zugleich aber auch die Schwäche der Medien. Sie können zwar fast jeden kaputt schreiben, sind jedoch ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten unterworfen. Wer mit ihnen umgehen kann, wer vor allem ihre Kurzlebigkeit kennt, gegen den rennen zu vergeblich Sturm. Über 20 Jahre Kardinal Meisner in Köln zeigen das. Leider, so muss man sagen, ist Tebartz-van Elst dies nicht gelungen.

Kommentare :

  1. Daß die Medien Menschen zu Fall bringen können, haben sie schon oft bewiesen, Nachtreten ist eine besondere Spezialität.

    Mir fällt da gerade der Fall "Camps" aus Spanien ein. Falls Dir mein Kommentar hier zu weit abschweifend erscheint, lösche ihn einfach:

    Camps war Regierungschef (PP) in der autonomen Region Valencia, Vor ca 5 oder 6 Jahren fing die linke Presse, vor allem "El Pais" an, ihm Korruption vorzuwerfen. Es ging um 5 Anzüge, die man ihm geschenkt hätte. Er widersprach, aber er konnte keine Rechnungen vorlegen. Nun verging kein Tag an dem nicht mindestens 3, manchmal bis zu 10 Hetzartikel in El Pais erschienen. Nach ca. 3 Jahren hatten sie Herrn Camps weichgeklopft und er trat zurück. Danach gab es einen Prozess und er wurde freigesprochen. Aber Camps war seinen Posten los und irgendwas bleibt immer hängen bei den Leuten. "Ach der Camps, der mit den 5 Anzügen".

    Ich denke, das ganze ist nicht nur Dummheit oder Profilsucht der Journalisten, sondern im Hintergrund wird festgelegt, welche Gruppen man niederschreiben darf (evtl zur Ablenkung??) und welche Gruppen zum geschützten Biotop gehören. Beispiele gibt es europaweit genug.

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  2. Total wirrer Kommentar. Gerade der Vergleich Meisner / Tebartz wäre doch lehrreich.

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    1. @Grelef:
      Können Sie die Kritik etwas genauer fassen. Dessen ungeachtet wäre natürlich ein solcher Vergleich sehr lohnenswert. Das kann man mal später angehen.

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  3. @ KH genauso isses, wenn das Gericht später feststellt da war nichts aber auch gar nichts, das Amt ist er los, der Ruf für immer ruiniert.
    Die vierte Gewalt im Staate, die Medien, die die anderen Gewalten wirkungslos machen, könnte man fast sagen!
    Jedoch ist die Macht der Medien die Macht ihrer Glaubenden, die alle scheinheilig sind, weil sie selber ja Anzüge, Geld und teure Badwewannen nehmen täten, wenn sie sie denn kreigen täten, weswegen das empörungssüchtige KLientel ja fleißig Lotto spielt,

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