Donnerstag, 3. Oktober 2013

Der Spiegel und die liebe limburger Statistik

Der Spiegel hat momentan ein Problem. Denn gerade gibt es nichts über Bischof Tebartz-van Elst zu berichten, was man gegen ihn ausschlachten könnte. Der Prozess in Hamburg, den der Spiegel hin und wieder auf Ende September mit dramatischen Ausgang für den Bischof vorausgesagt hat, ist immer noch nicht abgeschlossen, die Hütte steht und Stadtdekan zu Eltz macht momentan seinen Job in Frankfurt ohne Schüsse auf Limburg. Tiefste Ödnis also. Was kann man da machen? Man kramt eine Handvoll Daten aus und bauscht sie auf, um dem Bischof einen miesen Job zu unterstellen.

So hat der Spiegel rausgefunden, dass seit Amtsantritt des Bischofs 25.000 Katholiken aus der katholischen Kirche in Limburg ausgetreten sind. Das Amtsgericht Limburg verzeichnete sogar doppelt so viele Austritte wie noch 2004, als Tebartz-van Elst noch nicht Bischof war. Außerdem scheinen einige - also mehr als 1 und weniger als 25.000 - den Bischof als Grund für ihren Austritt angegeben zu haben. Das wollen wir dem Spiegel einmal glauben. Allerdings sind abgesehen von der Zahl 25.000 keine wirklich harten Fakten in dem Artikel, der, welch Wunder, in sechs Absätzen zwei Absätze Neues und 4 Absätze olle Karamellen bringt.

Unterfüttern wir also die Aussagen des Spiegels mit ein bisschen mehr Zahlen.

Wenn man dem Spiegel glauben will, dann treten im Jahr 2012 die Katholiken in Scharen wegen dem Bischof aus. Demnach müssten die Austrittszahlen im Bistum sich von den anderen Diözesen in Deutschland deutlich unterscheiden. Vergleichen wir die Austrittzahlen für das Bistum Limburg des Jahres 2012 mal mit den anderen, dann ergibt sich ein etwas anderes Bild. So kamen in Limburg auf einen Katholiken, der ausgetreten ist ca. 146 Gebliebene. In Mainz, wirklich kein Hort der Reaktion aber von der Rahmensituation etwa vergleichbar, waren es 164 zu 1, also nur geringfügig mehr. In Fulda ist das Verhältnis wesentlich besser, da kommen auf einen Austretenden immerhin 209 die bleiben. Im Bundesdurchschnitt sind es 205. In Berlin, um mal einen Ausreißer zu nennen, sieht es viel düsterer aus, nämlich 80 zu 1. Limburg liegt damit im unteren Bereich der Kirchenentwicklung in Deutschland, was zwar nicht schön ist, aber auch nicht so schrecklich, wie der Spiegel tut.

Auch der durchschaubare Versuch, Kamphaus und Tebartz-van Elst mal wieder gegeneinander auszuspielen, geht bei näherem Hinsehen nicht auf. Die ominösen doppelten Austrittszahlen im Vergleich zum Jahr 2004 implizieren ja goldene Zeiten vor Tebartz-van Elst. Vergleicht man jedoch die Zahlen für das ganze Bistum aus diesem Zeitraum, sieht es da schon anders aus. 2012 traten 4453 Katholiken aus, 2002 und 2003 jeweils ca. 4800. Der Piek lag 2010 bei 6300 Austritten, als sie in ganz Deutschland auf Rekordniveau lagen und seitdem gehen die Kirchenaustritte zurück. Limburg liegt also hier im deutschen Trend ohne besondere Ausschläge.

Wie viele Leute wegen dem Bischof wirklich austreten, ist zudem nicht raus. Es gibt keine Informationen darüber, wie viele Katholiken den Bischof als einen Grund ihres Austrittes angeben und auch keine Vermutungen über die Dunkelziffer. Es ist also ein heiteres Raten. Sicher ist nur, dass es solche Katholiken gibt. Das jeder Katholik, der Austritt, einer zuviel ist, ist natürlich klar. Aber wie stark ist ein Glaube, wenn ich meine Kirche wegen einem Bischofshaus verlasse?

Aber vielleicht lesen wir den Bericht von Spiegel und Co auch nur falsch. Vielleicht geht es gar nicht darum nachzuweisen, wie schlecht Tebartz-van Elst ist, sondern darum, wie toll man selber seinen Job macht. Denn an der Demontage des Bischofs haben die Medien, der Spiegel voran, ja ihren Anteil. Denn das den Spiegel die Sorge um die katholische Kirche umtreibt, kann ich mir nicht vorstellen. Das er sich selber lobt, hingegen schon. Ist ja nicht so, das der Spiegel jemals irgendwem Hochmut vorgeworfen hätte.

Der Spiegel-Artikel kann hier gelesen werden.
Die FR hat immerhin auch mal das Bistum gefragt, zu lesen hier.
Zahlen der DBK hier.

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