Donnerstag, 24. Oktober 2013

Der Papst hat sich für die christliche Lösung entschieden

Papst Franziskus hat sich für die christliche Lösung im Fall Tebartz-van Elst entschieden. Und damit nicht für die Leichteste. Denn die leichteste Lösung wäre es gewesen, den Bischof einfach des Amtes zu entheben. Damit wären sowohl die Medien befriedigt als auch die meiste Gläubigen im Bistum. Denn mittlerweile haben sich zu viele Mitarbeiter so gegen den Bischof exponiert, dass eine Rückkehr für sie eine persönliche Niederlage wäre. Auch viele Gläubige haben keine Lust mehr, sich wegen dem Bischof ständig fragen zu lassen und wären froh, wenn er weg wäre, damit man endlich Ruhe hat.

Doch sind das alles an sich keine Gründe, den Bischof abzusetzen. Denn ein Bischof wird nur seines Amtes enthoben, wenn er sich wirklich etwas relevantes hat zuschulden kommen lassen. Und das ist so noch nicht raus. Zwar hat der Bischof viele Fehler gemacht, aber menschliche Schwäche ist ja ein Thema, dem sich der Papst als Notarzt besonders annimmt.
Zugleich geht der Bischof auch auf die Schwächen der Gläubigen und der Kirchenoberen ein. Denn er setzt ihnen den Bischof, den sie nicht mehr wollen, nicht einfach wieder vor. Stattdessen setzt er den alten Generalvikar, der ohnehin in zwei Monaten gehen würde, ab und den Neuen ein, der sich in der Krise ebenso wie der Weihbischof bisher nicht exponiert hat. So kann der Apparat beruhigen und Tebartz-van Elst verschwindet für eine gewisse Zeit aus dem Blickfeld.
Und da die Medien eine kurze Aufmerksamkeitsspanne haben, wenn sie nicht regelmäßig neues geliefert bekommen, wird der Limburger Bischof im medialen Bewusstsein deutlich schrumpfen. Dadurch kann auch Tebartz-van sich erstmal beruhigen und in sich gehen. Der Druck, der in den letzten Wochen auf ihm lastete, wird ihm nicht geholfen haben, seinen Fall in Ruhe zu reflektieren. Die abgetauchten Monate werden ihm auch zur Besinnungszeit werden.

So hat der Papst die Möglichkeit geschaffen, auf drei Ebenen Lösungswege zu gehen. Zum einen im Bereich der Institution, die jetzt wieder ins normale Arbeiten kommt und die Unterlagen über die Residenz sichten kann. Zum anderen auf der persönlichen Ebene des Bischofs, der in sich gehen und fragen kann, ob und wie er in Limburg Bischof sein kann und will. Die dritte Ebene sind die Gläubigen, die jetzt auch mal über ihr eigenes Christentum nachdenken können, ob sie die hohen Maßstäbe, die sie an ihren Bischof ansetzen, für sich selber auch bereit wären zu erfüllen und wenn nicht, wo man anspruchshalber Abstriche machen müsste.

Kommentare :

  1. Ein etwas einseitiger Artikel, da er die zahlreichen Facetten des Falls nicht beleuchtet. Als Papst der Armen - so wie Franziskus bezeichnet wird - ist dieser Schritt nicht das Zeichen, was man in seinem Fall erwarten sollte. Dieser Schritt zielt - so wie es scheint - genau wie in dem Artikel beschrieben darauf ab, den Fall des Limburger Bischofs in den Medien abklingen zu lassen, damit die Leute den Skandal einfach vergessen. Denn genau so funktioniert es. Dass der Bürger sehr schnell vergisst, zeigen ja diverse Vorgänge in unserer Politik.

    Des Weiteren sollte man sich als denkender Mensch fragen, ob sich ein Bischof, der nach all den Fehltritten erklärt, er sehe nicht ein, den Bischofssitz zu verlassen, überhaupt jetzt nach dem ganzen Medienrummel in sich gehen wird, um über seine Fehler nachzudenken. Zu denken, dass nun, da er ja noch einmal schön aus dem Schneider ist - der status quo für Tebartz van Elst ist ja letztendlich nichts weiter als bezahlter Urlaub - er sich jetzt doch besinnt und seine Fehler eingesteht (unabhängig davon, ob er die alleine Schuld trägt). Dies halte ich zwar für sehr gutgläubig, jedoch gleichzeitig für völlig weltfremd.

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    1. Ich habe ja nie behauptet, ich sei neutral. Von daher macht mir das einseitige auch nix.
      Sie haben aber ganz recht, Franziskus wird als Papst der Armen bezeichnet. Das ist ein Etikett, das man ihm angeklebt hat. Warum sollte er sich aber nach einem Etikett anderer richten. Der Papst ist katholisch im besten Sinne und genau so hat er gehandelt, wie oben gezeigt.

      Meine Haltung dem Limburger Bischof gegenüber mag etwas gutgläubig sein. Was ist daran falsch. Ich trage keine Verantwortung ihm gegenüber, ich darf und soll als Christ an das Gute im Menschen glauben. Und das man unter Druck anders, meist emotionaler und einseitger, reagiert als wenn man das ganze in Ruhe überdenken kann, das ist keine Neuigkeit.

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    2. Bevor man in diesem Fall überhaupt zu einem Urteil kommt, müssen zuerst alle Fakten auf den Tisch. Dazu ist die eingesetzte Kommission zuständig.

      Danach lässt es sich urteilen. Eine Vorverurteilung ist weder christlich noch menschlich.

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