Montag, 21. Oktober 2013

Der Fall Limburg: Mehr Transparenz als Triumph der Medien

Die Geschichte um Bischof Tebartz-van Elst scheint langsam ihrem Ende zuzugehen. Heute treffen sich Bischof, Kardinal Meisner und der Papst zum Gespräch.
Doch längst hat sich die Interessenlage der Medien verschoben. Es ist außerhalb Limburgs mittlerweile fast egal, wie das Gespräch ausgeht. Wichtiger ist längst etwas anderes geworden: Nämlich die Transparenz der Kirche mit ihrem Geld.

Die Sozialwissenschaften kennen die Unterscheidung von Indiviuellen- und Gruppeninteressen. Dabei sind die Interessen der Gruppen nicht Deckungsgleich mit der Summe oder dem kleinsten gemeinsamen Nenner der Individuen, sondern können anders geartet sein. Allerdings beeinflussen sich diese Interessen stets gegenseitig. Wenn wir davon ausgehen, dass die Entwicklung vom Limburger Bischof und seinem Haus zu der deutschen Kirche und ihrem Geld keine zufällige, sondern eine logische Entwicklung ist, dann können wir vom Ende der Geschichte den Anfang bewerten.

Denn je mehr Details um das bischöfliche Haus ans Licht kommen, je mehr merkt man, was die eigentliche Kritik der Medien ist. Denn eigentlich geht es nicht um den Bau. Der ist zwar übertrieben worden, doch die Medien loben zugleich durch die Bank die hervorragende Architektur. Der Bischof hat hier also wohl zu viel Geld ausgegeben, aber dafür auch etwas richtig Gutes gekriegt, woran sich seine Nachfolger und die Gläubigen noch lange erfreuen können.

Worum es eigentlich geht ist, ist Vertrauen. Mit Vertrauen meinen die Medien aber nicht das Vertrauen der Gläubigen ihrem Bischof gegenüber. Denn das ist ihnen in den allermeisten Fällen egal. Worum es geht, ist das Vertrauen des Bischofs den Medien gegenüber. Das ist nämlich praktisch nicht vorhanden. Und es war früher nur geringfügig größer. Denn Tebartz-van Elst hat nie besonders viel Vertrauen in die Medien gehabt. Ein wesentlicher Teil der Tätigkeit um sein Bauvorhaben war es denn auch, sich die Medien vom Leib zu halten. Kein Wort zu niemandem, keine Einsicht in gar nix. Wissen ist Macht, das weiss der Bischof. Und diese Macht, diese Kontrolle über sein Vorhaben wollte er behalten.

In seinem Verhältnis zu den Medien ist Tebartz-van Elst nicht untypisch für die Kirche. Man misstraut den Medien, diesen säkularen Politwächtern, die von sich behaupten, Vierte Gewalt zu sein und zugleich von Kirche und ihren Mechanismen keine Ahnung haben oder ihr eher negativ gegenüber stehen. Dazu kommt eine Grundhabitus besonders der Katholischen Kirche in Deutschland, die alles außerhalb des eigenen Bereiches als eher feindlich begreift. Das hat viel mit der Geschichte zu tun, fing in der Aufklärung - teilweise schon davor an - und prägte sich im 19. Jahrhundert besonders aus.

Doch gehen verschiedene Kirchenführer unterschiedlich mit den Medien, die die Öffentlichkeit zu repräsentieren vorgeben, um. Bischof Tebartz-van Elst tat es besonders ungeschickt, das muss man sagen. Darin unterscheidet er sich z.B. von seinem Kollegen in Rottenburg. Bischof Fürst hat ein Gebäude hingeklotzt, das sogar noch teurer war als die bischöfliche Residenz in Limburg. Aber er hat von Anfang an mit offenen Karten gespielt und den Medien brav alle Infos gegeben, die diese haben wollten. Selbst Kardinal Meisner, sonst der Lieblingsfeind der Journalisten, hat beim Bau seines Museums alle Informationen zur Verfügung gestellt und alle Gremien gefragt. In der Folge musste er keine Prügel beziehen - also nicht für das Museum - und die Kirche und ihr Architekt wurden einhellig gelobt. 

Auch die anderen Bischöfe reagieren mittlerweile auf den medialen Druck ihren Lebensstil gegenüber und packen aus. Gut kommt Bischof Overbeck weg, der schon vorher die Daten seines Bischöflichen Stuhles bekannt gegeben hat. Auch die anderen Bischöfe ziehen jetzt nach. Damit hoffen sie, die Medien friedlich zu stimmen.

Die katholische Kirche unterwirft sich damit zwar nicht der 4. Gewalt, sie sieht sich aber doch zur stärkeren Kooperation genötigt. Das ist für die Medien ein Sieg. Denn sie leben davon, Informationen zu verkaufen. Diese Informationen müssen sie aber irgendwo her bekommen und wenn die Kirchen in Sachen Geld nicht mitspielen, haben die Medien ein Problem. Eine größere Transparenz bedeutet damit einen größeren Zugriff der Medien, also mehr Wissen, mehr Einfluss, mehr Macht. Es müssen dies nicht die Interessen der einzelnen Journalisten sein. Es ist das aber das Interesse der Gesamtgruppe Medien, die als 4. Gewalt ihre Kontrollfunktion immer mehr über die Kirche ausdehnen. An dem unwilligen Tebartz-van Elst wurde ein Exempel statuiert, aus dem die anderen Kirchenführer bereits lernen. Ein Triumph der Medien.

Kommentare :

  1. Ich finde es schade, was die Kirchenführer lernen!
    Sie müssten die Lektion nicht lernen, wenn sie die Lektion ihres obersten Chefs gelernt hätten, die da lautet: dem Bruder beizustehen und die Feinde zu lieben.
    Nicht den Feinden beizustehen und zum Bruder zu sagen "Seh du zu, wie du klar kommst, was geht uns das an?"

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  2. Das sehe ich nicht ganz so. In Lk 16,11 heißt es "Wenn ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu gewesen seid, wer wird euch das Wahrhaftige anvertrauen?" Der transparente Umgang mit Geld ist nicht nur eine Gebot gegenüber den Medien, sondern auch ein Gebot gegenüber den Kirchensteuerzahlern bzw. auch den Spendern. Ich möchte wissen, was mit meinen Kirchensteuern und Spenden geschieht. Diese Forderung ist nicht rebellisch; ein guter Bischof wird sie beherzigen.

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  3. @Anonym:
    Sie können ja auch wissen, was mit ihren Kirchensteuern passiert, da das Bistum seinen Haushalt veröffentlichen muss. Wohin sie spenden, weiss ich nicht, von daher kann ich dazu nichts sagen. Der Bischöfl. Stuhl ist nochmal was anderes, da er nicht aus Kirchensteuern gespeist wird.

    Unabhängig davon ging es mir in meinem Post nicht darum, Transparenz schlecht zu reden. Sondern die Hintergründe aufzudecken, wem Transparenz denn eigentlich am meisten nutzt. Denn Transparenz bedeutet ja im Grunde nur, dass Informationen irgendwie abgerufen werden können. In der Regel wissen aber ohnehin nur die darauf Spezialisierten, also die Journalisten, wie genau und wo das geht oder bringen genug Interesse auf, sich darin einzuarbeiten. Von daher nützt es ihnen am meisten, dem gemeinen Kirchensteuerzahler aber zumeist wenig bis nichts.

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  4. Die Sache ist ganz einfach, m.E : Wenn ich der Ansicht bin minutiös über die Ausstattung der Privatwohnung eines Bischofs Bescheid wissen zu müssen, udn das kritisieren können zu dürfen, weil heute zu spartanisch, morgen zu luxuriös, dann muss ich das auch für mich akzeptieren.
    Jedoch da schreit immer alles auf!
    Um übrigen,wenn Sie werter anonym schon Lukas zitieren, dann wird Ihnen nciht entgangen sein, dass das wahre Gut nicht auf dieser Welt zu finden ist.
    Und ich glaube das die Schrift unter dem anvertrauten Gut nicht das blöde Geld versteht.
    Es gibt übrigens einen Apostel der sich wild gegen Verschwendung ausgesprochen hat, der wurde vom Herrn zurechtgewiesen udn befindet sich laut Dante im tiefsten Kreis der Hölle.
    Ich finde es nachgerade absurd, dass Leute in einem Land, wo jeder genug zu essen hat und man auch als Harz IV Empfänger nicht hungern muss und man zudem auch noch das recht auf eine Wohnung gesetzlich garantiert hat und selbst der Straßenpenner pro Tag 17€sich beim, zuständigen Sozialamt abholen geht und wenn er kommt und eine Wohnung will, eine angewiesen bekommt!
    Dass man in so einem Land sich aufführt, als wäre der Tebarts van Elst der Bischof von Bingen, der mit dem Mäuseturm!

    Um aber wieder den Schlenker zu Christus zu bekommen, der sagt zum Geld nur lapidar "macht euch Freunde mit den ungerechten Mammon".

    Geld ist ungerecht, immer und ewig sagt der Herr höchstpersönlich, warum nur bilden wir uns ein, das ändern zu können?

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