Montag, 14. Oktober 2013

Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Ein Kommentar zu Limburg

Vor kurzem hat das Erzbistum Freiburg eine neue Richtlinie für den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen herausgegeben, indem es einen größeren Spielraum der Barmherzigkeit einräumt. Und alle waren begeistert. Endlich kommt die Kirche der Lebenswirklichkeit der Leute entgegen.

Schnitt, Kamera auf Limburg. Da sitzt ein Mann, der Fehler gemacht hat. Seine beiden wichtigsten sind, dass er es mit der Wahrheit dem Spiegel gegenüber nicht besonders genau genommen und ordentlich und unbedenklich Geld für seine neue Residenz ausgegeben hat. Also etwas, was die allermeisten Menschen in gehobenen Positionen schon mal getan und nicht wenige Menschen in wesentlich kleinerem Format auch mal gemacht haben. Er hat sich so gesehen der Lebenswirklichkeit der Menschen angenähert.

Wäre Franz-Peter Tebartz-van Elst ein Mann, der seine Frau sitzen gelassen und ein 10 Jahre jüngere Blondine geheiratet hätte, würde man spätestens nach zwei Jahren seine Zulassung zur Kommunion fordern, weil es doch barmherzig ist. Nun hat der Bischof Geld ausgegeben, das nirgendwo wirklich fehlt, aber er muss geteert und gefedert werden. Oder zumindest gehen. Wo ist da die Barmherzigkeit?

Was mich aufregt ist nicht der Umstand, dass Bischof Tebartz-van Elst kritisiert wird. Das ist gerechtfertigt. Er ist wirklich allzu unbedenklich mit Geld umgegangen und hätte an der einen oder anderen Stelle wirklich mehr sparen sollen. Zwar ist es kein Verbrechen, viel Geld auszugeben. Aber in einer Zeit, in der die Kirche den Gürtel enger schnallen muss und wenn der Bau von Anfang an in der Kritik stand, ist es schlicht nicht angemessen, so zu handeln. Selbst die Rücktrittsforderungen, soweit sie maßvoll vorgebracht werden, kann ich zumindest verstehen. Wie viele Pfarrer müssen sich für den Bischof prügeln lassen und sehen die Gemeinde kriseln. Den Rücktritt als einfachste und schnellste Möglichkeit anzudenken ist da menschlich.
Aber die Häme, die Wut, das wollüstige Auflisten von Fehlern, das genüssliche Wälzen in Formulierungen wie krank, kriminell, Protz-Bischof etc. und das Nachtreten mit Ansage, Anlauf und Applaus einem Mann gegenüber, der am Boden liegt, zeigte eine Geistesart, die einen für einen Kommentar eigentlich disqualifiziert.

Das führt uns zu den Medien. Sie sind einen eigenen Post wert, deswegen soll hier nur bemerkt werden, wie bereitwillig sie die persönlichen Animositäten und Feldzüge gegen den Bischof wiedergeben. Allein der Vorsitzende des Aufsichtsrates wird derart oft eingeblendet, das man die Nase schon nicht mehr sehen kann. Und das bei einem Mann, der offensichtlich zwei Jahre lang seinen Job nicht gemacht hat und der sich jetzt mit Angriffen und Attacken reinzuwaschen sucht. Zu selten werde für mich die wirklich Betroffenen, wie die genannten Priester eingeblendet, die sich um eine ehrlich Darstellung ihrer Situation und zugleich um maßvolle Aussagen bemühen.

Was sich in Limburg daher abspielt, ist alles, barmherzig ist es nicht. Von den Medien können wir sie nicht erwarten. Aber von uns Katholiken schon, vor allem, wenn sie so inbrünstig gefordert wird. Welches Bild wir als Kirche abgeben ist nicht nur Sache des Bischofs, sondern auch des Kirchenvolkes, das Kirche sein will.

Kommentare :

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...