Mittwoch, 11. September 2013

Tebartz-van Elst, viel heiße Luft und das große Elend

"Kardinäle gehen auf Distanz zu Tebartz-van Elst" titelt heute Spiegel Online.

Das klingt erstmal nach Land-unter für den Bischof. Allerdings hält der Titel nicht was er androht. Denn hier werden nur zwei Kardinäle behandelt, was immerhin einen Plural rechtfertigt. Zum einen Eminenz Lehmann, der jedoch lediglich die Situation als schwierig und reichlich Verfahren charakterisiert - womit er vollkommen recht hat, was aber noch keine Distanzierung ist. Lediglich Kardinal Marx hat sich wirklich kritisch geäußert. So meinte er, Medienkampagnen funktionieren nur, wenn es wirklich Probleme gibt, die sie darstellen. Womit er recht hat. Die Medien generieren nicht die Probleme, sie bauschen sie nur machtvoll auf. Woher einige Probleme u.a. kommen, habe ich ja bereits hier und hier unvollständig darzustellen versucht. Auch meint der Kardinal, der Bischof dürfe sich nicht als Herr der Gläubigen aufspielen. Das ist zum einen auf Tebartz-van Elst gemünzt, steht aber auch im Kontext einer allgemeinen Haltung des Erzbischofs zum Thema Hofstaat. Der Kardinal spricht also lediglich reale Probleme an, ohne ihrendwen zum alleinigen Schuldigen zu erklären. Da Tebartz-van Elst selber Probleme und Fehler zugibt, ist das aber nicht so dramatisch, wie der Spiegel tut. Eine Distanz, ein Weg-wünschen, das der Spiegel impliziert, ist hier noch nicht vorhanden, wenn der Kardinal nicht noch mehr gesagt hat.

Allerdings bastelt der Spiegel ohnehin an einer Drohkulisse, aber natürlich nicht Fakten. Die Behauptung, viele Bischöfe wollten Tebartz-van Elst am liebsten weg haben, belegt er dann auch natürlich nicht. Lediglich mit der Ablehnung der Pro-Tebartz-Initiative von Kardinal Meisner beim Ständigen Rat der DBK kommt er mal mit einem konkreten Punkt um die Ecke. Das aber die DBK bei Problemen gerne auf Tauchstation geht, ist keine Neuigkeit. Dennoch spricht es durchaus für ein kritisches Klima bei den Mitbrüdern, was nicht verwunderlich ist, immerhin schwemmt ein Kirchenproblem mit Tebartz-van Elst seit Monaten hartnäckig in die Medien. Daran haben die Bischöfe natürlich kein Interesse. Mancher wünscht sich wohl auch die Abdankung, weil er den Limburger nicht mag, manche wollen ihm vielleicht auch nur die restlichen Kämpfe und Krämpfe erspart sehen.
Auch anonsten beklebt der Spiegel seine mageren Andeutungen mit nebeligen Behauptungen, Vermutungen und knuffigen Formulierungen. Da wird das Bischofshaus zur Bunkeranlage, weil der Bischof in Limburg wenig zu sehen ist. Wo soll man den Bischof denn bitteschön sehen, frag ich mich da? Auch scheint der Spiegel zu wissen, dass es im Prozess in Hamburg nicht gut für den Bischof aussieht. Was das nun bedeutet, woher er das weiss, erfahren wir natürlich nicht. Nebenbei: Die Photos der Handwerker, die so dramatisch sein sollen, hat die irgendwer mal gesehen?

Doch zeigt der Spiegel-Artikel auch, dass es selbst mit einem neuen Bischof nicht getan ist. Da wetzen einige führende Ordinariats-Mitarbeiter schonmal publizistisch die Messer und wollen nicht nur Tebartz-van Elst, sondern auch alle seine Anhänger aus Amt und Anstellung jagen. Mit anderen Worten: die eher Konservativen im Bistum sollen vertrieben werden, damit man ihre Posten mit Liberalen besetzen kann, die mehr ins angenommene Profil des Bistums passen. Man sieht, es geht hier nicht nur um das Wohl der Kirche und der Gläubigen, sondern um Eitelkeiten, Machtinteressen und Einflusssphären der alten Gruppen, die unter Kamphaus das Sagen hatten. Diese Gruppen bedecken ihren kalten Machtwillen mit dem Mäntelchen der Sorge um das Bistum und die Gläubigen. Unfreiwillig reißen sie sich selbst die Maske herunter und zeigen alles, was sie am Bischof kritisieren: Eitelkeit, Machtwillen, Weigerung zu Dienen und den Wunsch, sich bedienen zu lassen. Ein elendes Schauspiel, das man hier vor der Presse austrägt.

Kommentare :

  1. "Die Photos der Handwerker, die so dramatisch sein sollen, hat die irgendwer mal gesehen?"

    Ja, einige Fotos sind zu sehen unter -2:14 - 2:08

    http://www.spiegel.tv/filme/tebartz-van-elst-protzbau/

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  2. Im Namen des allmächtigen Zeitgeistes ergeht folgendes Urteil:

    Bischof Tebartz-van Elst wird der wiederholten Weihrauchvergeudung und Kniebankstrapazierung für schuldig befunden und zu sofortigem Rücktritt verurteilt.

    Hamburg, nine-eleven 2013
    Giordano Bruno

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