Donnerstag, 26. September 2013

Tebartz-van Elst und die Medien: Kampagne oder Hype?

Der Umgang der Medien mit Bischof Tebartz-van Elst ist, sagen wir's mal nett, kritisch zu bewerten. Das sehen viele so, die Unterstützer des Bischofs natürlich besonders. Entsprechend toben die konservativen Blogs und Foren seit geraumer Zeit ziemlich gegen die Medienkampagne, der der Bischof ausgesetzt sei. Ein Wort, das seltenerer fällt, ist das des Medienhypes. Zwei Begriffe, die aber nicht deckungsgleich sind. Was auf den ersten Blick wie Wortklauberei aussieht, ist für das Verständnis der Medien und ihrer Arbeit wichtig. Wichtig zum einen für uns, um zu verstehen, wie es zum momentanen Phänomen kommt, noch wichtiger aber für denjene, die mit Medien als Kommunikatoren zu tun haben. Denn wenn man einem Journalisten unterstellt, Teil einer Verschwörung zu sein, und das ist mir Kampagne in der Regel gemeint, wird der natürlich zu einer guten Berichterstattung gleich mal gar nicht eingeladen.

Worin liegt also der Unterschied zwischen Kampagne und Hype?
Eine Kampagne ist eine gewollte, geplante und gesteuerte Handlung einer größeren Gruppe, in diesem Fall von Journalisten. Es muss also einen Willen oder eine Absprache geben, dass man sich diesen oder jenen Sachverhalt besonders vornimmt. Dabei kann ein bestimmtes Ziel avisiert sein, was jedoch nicht zwangsläufig der Fall sein muss.

Ein Hype hingegen ist eine Massenreaktion, die nicht aus einem Willen, sondern aus den Funktionsmechanismen der Masse hervorgeht. Einen Medienhype kann offensichtlich beobachten, der regelmäßig die Nachrichten verfolgt. Da wird über ein bestimmtes Thema mehrere Tage oder Wochen andauernd, am besten täglich, berichtet. Und dann verschwindet es wieder in der Versenkung. Das Problem ist dabei meistens nicht gelöst, aber nicht mehr interessant.
Solche Hypes sind ein wesentlicher Grundmechanismus der Massenmedien, die auf Universalität und Aktualität ausgerichtet sind. Sie haben also den Anspruch, über alles Aktuelles zu berichten. Das können sie natürlich nicht. Zum einen haben sie dafür nicht die Zeit, zum anderen überfordert es den Rezipienten. Dieser muss aber auch an das Medium gebunden werden, es muss also Spannung erzeugt und gehalten werden. Früher gab es in Zeitungen Fortsetzungsromane, Hypes funktionieren ähnlich. Man muss dem Leser oder Zuschauer in schnell neue Folgen eines Themas liefern, damit er sich informiert fühlt und bei der Stange bleibt. Man darf es aber auch nicht zu lange machen, denn dann verliert der Rezipient irgendwann das Interesse. Also stellt man die Berichterstattung irgendwann ein, entweder weil nichts mehr passiert, was man noch als große Neuigkeit an den Rezipienten verkaufen könnte, oder weil man die Ermüdung des Rezipienten fürchtet.

Schwierig ist die Unterscheidung zwischen Kampagne und Hype, weil man die Kampagne so schlecht nachweisen kann. Schlüssig ist eine solche eigentlich auch nur für die Aktionen einer Zeitung oder eines Verlages mit mehreren Medien. Hier können interne Absprachen getroffen werden, die Kampagnen auszeichnen. Sobald weitere Medien hinzutreten, ist es am wahrscheinlichsten, dass durch die Kampagne des einen Mediums ein Hype entstanden ist. Denn Journalisten gehen nicht nur mit der eigentlichen Realität um, sondern auch mit einer von ihnen selbst geschaffenen Medienrealität. Die Medienrealität ist eine Wirklichkeit, die die uninterpretierte Realität, also die Wirklichkeit im eigentlichen Sinne, spiegelt und dabei notwendigerweise verzerrt und einfärbt. Medien orientieren sich, wie die meisten Menschen, aber oft nicht an der Realität an sich, sondern an der Medienrealität, da der Mensch zur Konsonanz neigt. Das bedeutet, er versucht die verschiedenen Wahrnehmungen möglichst konfliktfrei zu verbinden. Der einzelne Journalist ist damit der Gefangene jener Wirklichkeitsvorstellung, die die Medien als Gesamtgruppe geschaffen haben. Das führt zu einer immer einheitlicheren Berichterstattung innerhalb des Mediensystems. Da es in Deutschland, anders als vor 1933, keine Teilgesellschaften mehr gibt, die teilgesellschaftlichen Mediensystemen größere Gruppen von Rezipienten bieten würden, liegt damit eine relativ hohe Homogenität der Medienrealität vor. Das fällt dort auf, wo es noch Splittersysteme gibt. Die katholische Blogoezese und die größeren konservativen Nachrichtenportale sind solche Kleinsysteme, die wenige hunderttausend Rezipienten besitzen und eine Teil- bzw. in diesem Fall Gegenmedienrealität bilden.

Fortsetzung folgt - gemein was?

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