Dienstag, 10. September 2013

Tebartz-van Elst und sein Bistum: Neue Konzepte machen Ärger

In einem Post hier habe ich mich vor kurzem der Frage nach einigen Ursachen der momentanen Krise im Bistum Limburg gewidmet. Wie dort bereits angedeutet, handelt es sich aber nur um erste Überlegungen, die keineswegs Anspruch auf Vollständigkeit stellen. Deswegen möchte ich heute einen weiteren kurzen Gedanken zum Thema nachreichen.

Ein erheblicher Teil des Problems von Tebartz-van Elst liegt im Unterschied zu seinem Vorgänger Kamphaus. Wie gesagt heisst das nicht, dass Kamphaus etwas dafür könnte, wie es momentan ist, war er doch auf seine Weise ein sehr guter Bischof. Aber sowohl im Stil als auch in den kirchenpolitischen Akzenten war er eben anders und man war daran gewöhnt und es war ja auch nicht ganz unerfolgreich. Zwar kann man nicht von einem blühenden Katholizismus sprechen, aber wo blüht der schon dieser Tage in Deutschland. Zumindest war es nicht schlimmer als anderswo.

Wie jeder Bischof hatte auch Kamphaus natürlich seine eigenen Konzepte. Ein wesentlicher Teil seines Pastoralkonzeptes lautete: Kirche lebt von den Gemeinden her. Daher sollen die Gemeinden maximal und möglichst gleich gefördert werden. Gießkannenprinzip. Strukturen sollten möglichst nicht von der Zentrale ausgehen und zu ihr hinführen, sondern in die Fläche hineingehen und in ihr wirken. So gibt es in Limburg eine hervorragende Struktur für Gemeinde- und Bezirkskantoren. Dieses Denken von Kamphaus zeigt sich auch in der Liturgie. Bei Kamphaus war die Gemeindeliturgie der Maßstab. Wenn gewünscht trug er dann dazu noch eine Mitra oder einen Stab oder beides. Wobei deren Gebrauch sehr sparsam von statten ging. Zwar konnte es auch unter Kamphaus im Dom größere Liturgien geben, doch war das eher dem Festtag geschuldet als der Anwesenheit des Bischofs. Was natürlich nicht schlecht ist. Es entspricht aber eigentlich nicht der historischen Genese der Liturgie, die sich von der Bischofsliturgie als der eigentlichen Messform ableitet. Zudem stand für Kamphaus die Diakonie im Mittelpunkt seines Denkens und Wirkens, was schon sein Wahlspruch verrät: Den Armen das Evangelium verkünden. Liturgie und Verkündigung waren auf dieses Ziel ausgerichtet, die Liebesbotschaft des Christentum im konkreten Handeln zu fördern.

Dieses Konzept versucht der neue Bischof durch eigene Ansätze zu ergänzen. Für ihn ist die Liturgie die Herzkammer der Kirche. Von den Sakramenten geht die Gnade aus, auf die der Christ fundamental angewiesen ist. Betrachten wir seinen Wahlspruch, wird das sehr deutlich: Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt. Die Taufe als das Initiationssakrament der Kirche und Christus als Mittelpunkt, den der Christ durch die Sakramente erhält, um auf diese Weise gewandelt zu werden. Diese Bedeutung und Wirkung der Sakramente, besonders der Hl. Messe, bedeutet zugleich, dass die Messe nicht zum Alltäglichen, zum Mittelmaß werden darf. Unter Kamphaus war zwar der Liturge außergewöhnlich, die Liturgie jedoch oft sehr unbischöflich und alltäglich. Tebartz-van Elst möchte durch seine Form der liturgischen Handlung, die in den jeweiligen Gemeinden außergewöhnlich sind, Impulse geben für die Gemeindemessen. An der bischöflichen Messe, am Außergewöhnlichen, sollen sich die Liturgien in den Gemeinden messen lassen, natürlich im ihnen zukommenden Rahmen. So wie der Sonntag in gewisser Weise in die Woche hineingetragen werden soll, so soll die bischöfliche Liturgie als Ausgangspunkt der liturgischen Gestalt in die Gemeindemessen hineingenommen werden. Eine solche Ausstrahlungs- oder Highlight-Kultur im besten Sinne kann man auch in anderen Bereichen beobachten. Programmatisch ist da z.B. das Bischof Blum-Kolleg, das wesentlich für die Organisation der Bistums-Wallfahrten zuständig ist. Diese Wallfahrten, an deren wichtigsten der Bischof selber teilnimmt, sollen nicht für sich allein stehen, sondern das intensiv erfahrene in den Alltag der Gemeinden mitgenommen werden. Der Bischof setzt dies selber deutlich um, wenn er in seinen Predigten immer wieder auf das bei den Wallfahrten Erlebte eingeht.

Kommentare :

  1. Finden Sie das wirklich sinnvoll: dass es eine eigene "Bischofsliturgie" geben soll oder gibt?
    Die Liturgie sollte doch immer an Gott ausgerichtet sein, egal wer der Zelebrant ist, oder nicht? Wie das nun gewährleistet wird, durch besondere Feierlichkeit, viel Weihrauch oder was auch immer - darüber kann es natürlich dann unterschiedliche Meinungen geben. Aber der Zelebrant sollte doch eigentlich nie im Vordergrund stehen, ob er nun Bischof ist oder "einfacher" Priester - oder habe ich da was falsch verstanden?

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  2. @Maria:
    Zum einen muss man - leider - sagen, dass der Zelebrant oft im Vordergrund steht.

    Um aber ihre eigentliche Frage zu beantworten:

    Zum einen geht es um die Genese der Messe. Der "Normalfall" ist eigentlich die Bischofsliturgie, da in der alten Kirche mehr oder weniger jede größere (Stadt-)Gemeinde ihren eigenen Bischof hatte. Einen Eindruck davon bekommt man mitunter noch in Italien. Die übrigen Formen sind Verkürzungen. Die Gemeindemesse ist daher eine vereinfachte (Bischofs)Liturgie und sollte sich daher nach dieser ausrichten, nicht andersrum.

    Zum anderen ist es auch eine Frage des Besonderen. Der Mensch sucht das Besondere, Außergewöhnliche. Diesem Verlangen entspricht die Gesellschaft durch Highlights, Veranstaltungen besonderen Charakters. Die Kirche tut dies auch, indem sie Festtage besonders begeht. Auch der Bischof hat daran Anteil, indem seine Liturgie etwas besonders prachtvolles hat, damit eine Highlight darstellt. Zwar braucht man sowas nicht notwendigerweise, richtig angewendet kann es aber nützlich sein. Und eine solche Anwendung versucht Tebartz-van Elst momentan, mit mehr oder weniger Erfolg.

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  3. Der Bischof müht sich redlich. Er hat nur das Problem, dass er auf liturgische Analphabeten trifft.

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