Dienstag, 24. September 2013

Die Tilgung der Leidenschaften

Wer also das erste Element, d. h. die Einflüsterung, frei von Leidenschaft betrachtet oder sie durch festen Widerspruch von sich weist, hat damit mit einem Mal alle Folgen abgeschnitten. Die Tilgung der acht Leidenschaften aber soll folgendermaßen geschehen: Durch die Enthaltsamkeit wird die Völlerei ausgetilgt, durch die göttliche Sehnsucht und das Streben nach den künftigen Gütern die Unzucht, durch das Mitleid mit den Armen die Geldgier, durch die Liebe zu allen und die Güte der Zorn, durch die geistliche Freude die weltliche Traurigkeit, durch Geduld und Ausdauer sowie die Dankbarkeit Gott gegenüber die Unlust, durch die verborgene Ausübung der Tugenden und das anhaltende Gebet in Zerknirschung des Herzens die eitle Ehrsucht, und indem man niemanden richtet oder verachtet wie der prahlerische Pharisäer, sondern sich für den letzten aller hält, der Hochmut. Ist also der Geist auf diese Weise von den erwähnten Leidenschaften befreit und hat er sich wieder zu Gott erhoben, dann lebt er von da an das selige Leben, indem er das Angeld des Heiligen Geistes empfängt. Und nachdem er unter Leidenschaftslosigkeit und wahrer Erkenntnis aus den hiesigen Dingen ausgewandert ist, tritt er vor das Licht der Heiligen Dreiheit und wird zusammen mit den göttlichen Engeln für unendliche Ewigkeiten umstrahlt.
Philokalie, Bd. 2, S. 331.

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