Dienstag, 24. September 2013

Die Krise in Limburg und das Streben nach Heiligkeit

Die momentane Krise im Bistum Limburg wird als kirchenpolitischer Vorgang aufgefasst. Ein Bischof, dem es nicht gelungen ist, sein Bistum in Frieden und Eintracht zu führen, wird hier allenthalben konstatiert. Was auch richtig ist. Warum das der Fall ist, steht auf einem anderen Blatt und wurde schon an verschiedener Stelle auch auf diesem Blog besprochen.

Heute möchte ich eine andere Möglichkeit vorstellen, die Krise zu lesen. Nämlich als geistlichen Vorgang. Dabei liegt das Hauptaugenmerk nicht auf dem Bischof, sondern auf uns, also einem selber. Es gibt viele, die sich dieser Tage mit Inbrunst auf beiden Seiten an der kirchenpolitischen Krise beteiligen, besonders in den Medien, aber auch hier in der Szese oder auf facebook oder mittels Unterschriften etc.

Aber ist das eigentlich unsere Hauptaufgabe, kirchenpolitische Statements abzugeben? Ohne Zweifel ist es wichtig, dass wir uns beteiligen, das wir nicht nur alles abnicken, was die hohen Herren unter sich auskungeln, sondern kritische Fragen an sie - also nicht nur an den Bischof - stellen und uns eigene Gedanken machen und sie artikulieren. Doch sind solche Fragen nachgeordnet und nicht zentrales handlungsleitendes Prinzip des Christen. Im Zentrum des christlichen Lebens und damit auch des Handelns des Christen steht die Heiligung, steht der geistliche Kampf.

In diesem Zusammenhang ist die Kritik am Bischof eigentlich eine hervorragende Gelegenheit, diesen Kampf zu kämpfen, legt er doch zahlreiche wirklichen und angenommenen Fehler offen und bietet einen guten Einblick in die zu pflegenden Tugenden. Es gibt einen mittlerweile schon sehr bekannten Satz von Mutter Theresa. Sie antwortete auf die Frage eines Journalisten, ob die Kirche nicht Probleme habe: "Ja, Sie und ich." Das Problem der Kirche in Limburg ist nicht nur der Bischof, seine Kritiker in den Ämtern und die verschiedenen Seilschaften, das Problem der Kirche von Limburg bin ich und die meisten meiner Leser aus dem Bistum - Heilige mag es darunter auch geben.

Betrachten wir die "Fehler", die man dem Bischof vorwirft, so fallen dabei vor allem zwei ins Auge: Autoritäres Verhalten und Prunkliebe. Man könnte auch von Hochmut und Ruhmsucht sprechen. Hochmut weil er meint, er wisse es im Zweifelsfall besser als die anderen und Ruhmsucht weil er Geld aufwendet, um seine hohe Position darzustellen. Es sei einmal dahin gestellt, ob man das so hart über ihn sagen kann. Aber sind wir von diesen Fehlern frei? Ja, wir sind ja nicht Bischof, werden manche vielleicht sagen. Stimmt. Und? Muss der Bischof heiliger sein als ich, oder, anders gefragt, darf ich weniger heilig sein als er? Gibt es einen Laienrabatt im Himmel? Davon hab ich zumindest noch nichts gehört. Also gilt für uns der gleiche Anspruch wie für ihn, wie wir ihn messen, so messen wir uns auch selber.

Sind wir also hochmütig? Nun heisst dieser Blog ja Demut Jetzt! Aber nicht, weil ich so demütig wäre, sondern um mich daran erinnern, es zu werden. Also bin zumindest ich vom Hochmut noch befallen, meine Leser mögen es selber beurteilen, ob das auch für sie gilt. Aber wie leicht sind wir doch hochmütig und wie leicht wollen wir das beschönigen. Was werfen wir dem Bischof denn vor? Das er sich wie ein Bischof benimmt, seine Stellung und seine Kompetenzen zum Ausdruck bringt. Wir verlangen also von ihm, das er sich kleiner macht, möglichst den Bischof nicht herauskehrt, am liebsten bei einigen nicht mal den Priester, sondern als besserer Pastoralreferent durch Limburg lustwandelt. Aber sind wir das auch bereit zu erfüllen, uns kleiner zu machen, auf Privilegien, auf Vorteile zu verzichten, von denen wir meinen, sie stehen uns zu. Pflegen wir Akademiker z.B. nicht in vielen eine Sprache, die uns vor dem normalen Volk trennt, auch weil wir damit - bewusst oder unbewusst - unsere Überlegenheit zur Schaus stellen wollen und meinen wir nicht oft, einen Gegenstand besser und präziser zu begreifen als die anderen, Nicht-Studierten.

Eng mit dem Hochmut ist die Ruhmsucht verpaart. Sie ist der Wunsch, die Eigenwahrnehmung möglichst von außen bestätigt zu sehen. Man hält sich selbst für toll, großartig und überhaupt, so will man auch, dass die anderen einen sehen und einem das möglichst oft und überschwenglich sagen. Und wenn sie das nicht freiwillig tun hilft man nach und bindet ihnen die eigenen Großartigkeit solange auf die Nase, bis sie reagieren. Positiv, natürlich. Das kann schon ein kleiner Hinweis auf die eigenen Stärken oder die Schwächen eines anderen sein. Auch Selbstkritik und vermeidliche Bescheidenheit sind solche Möglichkeiten.

Der Bischof von Limburg ist in den letzten Monaten und Wochen zunehmend zur Projektionsfläche von Sünden und Fehlern geworden, die wir bei uns selber ebenfalls in reichem Maß finden können. Solche Fehler können kritisiert werden. Aber Kritik ist vor allem dort glaubhaft, wo sie nicht scheinheilig ist, wo Wasser gepredigt und Wein getrunken wird. Wer Hochmut und Ruhmsucht bei anderen kritisiert muss sich daher fragen lassen, ob er selbst diese Fehler auch hat. Und mit gutem Beispiel geht voran, wer nicht zuerst von anderen verlangt, davon frei zu sein, sondern sich zunächst selber darum bemüht. Ein solcher Weg ist dann auch mehr als kirchenpolitisches Messerwetzen, sondern das ehrliche Bemühen um die eigene Heiligung in der Nachfolge Jesu.

1 Kommentar :

  1. Ich kann nur eines sagen: das ist genau meine Meinung, was Sie da schreiben! Das eigentlich einfachste, nämlich bei sich selbst anfangen mit "Heiligung" und "Demut" und und und... scheint aber in den meisten Fällen das schwerste überhaupt zu sein! Wer würde schon diesen oft unangenehmen, unbequemen Weg dem bequemen (nämlich ein möglichst "schlimmes" Feindbild zu haben) vorziehen - ich schließe mich da natürlich mit ein.
    Einen Menschen (er ist Priester) habe ich bisher kennen gelernt, der genau das auch immer gesagt hat, dass er versucht, erst von sich selbst etwas zu fordern, bevor er Bischöfe u.a. kritisiert oder sich über Missstände beklagt. Das Außergewöhnliche daran: er hat das auch gemacht! Statt Kritik an Vorgesetzten und "der" Kirche hat er ein Zeugnis seines Glaubens gegeben, das viele - auch mich - sehr nachdenklich gemacht hat. Ganz zu schweigen von seinem Einsatz als Seelsorger in allen Bereichen der Pfarrei... Einsatz für Jesus Christus und den Glauben statt Kritik - vielleicht ist er mir deshalb manchmal fast wie ein Heiliger vorgekommen...

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