Dienstag, 27. August 2013

Tebartz-van Elst und seine Kritiker: Braucht der Bischof die Supernanny?

Nachdem ich gestern hier einen ziemlich deutlichen Rundumschlag gegen die Frankfurter Geistlichkeit und ihr Kirchenvolk gemacht habe, wollen wir heute wieder ein wenig differenziert-sachlicher werden. Ich denke, ich fange daher mit einem Witz an: In der DDR erzählte man sich folgenden: Warum sprechen wir eigentlich von unseren sozialistischen Brüdern und nicht von unseren sozialistischen Freunden? – Naja, Freunde kann man sich aussuchen.

Zu den Dingen, die man sich nicht aussuchen kann, gehört die eigene Familie. Jeder hat wohl irgendein Familienmitglied, das ihm mehr oder weniger peinlich ist, das er nicht mag, mit dem er sich in die Wolle bekommt, das aber eben zur Familie gehört und damit Teil der eigenen Identität ist. Nun kann man Familienbegriffe aber nicht nur auf Verwandtschaft anwenden, sondern auch in anderen Kontexten verwenden, z.B. im Sozialismus. Aber auch im Christentum, wo die Prediger die Beschallten zumeist mit „Liebe Brüder und Schwestern im Glauben“ ansprechen. Und der Papst gilt Katholiken nicht einfach als „Sehr geehrter Herr Papst, lieber Jorge“, sondern als Heiliger Vater. Auch Ordenspriester werden mit Pater, lat. Vater angesprochen, im Englischen nennt man die Priester Father und das Wort Abt leitet sich von Abba, hebr. Vater, ab. Auch der Bischof ist nicht nur Episkopos, Aufseher, oder Pastor, Hirte, sondern auch Vater seiner Gläubigen. Und wie einen Vater hat man bei der Person, die Bischof ist, wenig Auswahl. Meistens bekommt man ihn vorgesetzt, gleich ob Rom, das Domkapitel oder der Landesherr – wie früher – das macht. Das kann man gut oder schlecht finden, aber auch unsere Väter würden wir uns manchesmal gerne selber aussuchen. Denn mitunter sind wir mit ihnen gar nicht einverstanden, gleich, aus welchem Grund.

Dann kann es verschiedene Wege geben, das Vaterproblem zu lösen. Dazu gehört die Rebellion, beliebt in der Pubertät, in der die väterliche Autorität geleugnet wird. Dazu gehört das Ignorieren, man nimmt den Vater einfach nicht mehr wahr. Während das erste ein normaler Vorgang innerhalb des menschlichen Lebens ist, stellt die zweite Variante ein Problem dar. Wer zu seinem Vater in einem Unverhältnis steht, weist ein klares Defizit auf, wie uns die Erziehungswissenschaft sagt.

Auch hier teilen sich der Vater im biologischen Sinne und der Bischof, der Vater der Gläubigen, vieles. Auch mit ihm sind wir oft nicht einverstanden. Auch ihm gegenüber können wir die beiden genannten Methoden der Auseinandersetzung anwenden. Kritisieren oder leugnen. Kritik dem Bischof gegenüber hat durchaus etwas von Normalzustand. Irgendwer ist immer unzufrieden und macht den Bischof dafür verantwortlich und verlangt von ihm Besserung seiner Situation. Ein solcher Wunsch kann mit mehr oder weniger pubertärem Gehabe einhergehen, was der Indikator für den Reife der Forderung und des Menschen ist. Leugnen wiegt wesentlich schwerer und führt zu einem Abdriften aus der Glaubensgemeinschaft, die sich über den Bischof als Ankerpunkt zur Weltkirche wesentlich konstituiert. Leugnen kann aber auch verleugnen bedeuten, also der Aussage, dieser sei nicht mehr mein Bischof und ich will gefälligst einen anderen.

In Limburg machen wir gerade so ein Mittelding zwischen dem Versuch von sachlicher Kritik, pubertärem Aufstampfen und Verleugnen durch. Die einen möchten eine andere bischöfliche Politik und bringen mehr oder weniger sachlich Vorschläge oder zumindest geordnete Kritik vor. Die anderen knallen Türen wie ein rebellischer Teenager, fordern Beachtung, stoßen den Bischof zurück und machen ihn für das ganze Elend verantwortlich, inklusive der Pickel im Gesicht und der schwindenden Katholikenzahl. Und mancher übt sich schon mal im Verleugnen, spricht dem Bischof die Fähigkeit ab, Bischof zu sein, fordert seinen Rücktritt, distanziert sich von ihm und überlegt, wie denn sein Lieblingsbischof aussehen könnte; vielleicht eine Mischung aus Papst Franziskus, Margot Käsmann und Eugen Drewermann.

Relevant für den Umgang mit solchem Verhalten ist dabei, wie ernst man es nehmen kann. Während sachliche und zielorientierte Kritik ernst genommen werden muss – das müssen wir von einem Bischof erwarten dürfen – wird man dem pubertären Aufstampfen weniger Bedeutung zumessen. Was soll man auch anders machen, als auf Besserung zu warten und zu versuchen, dass das Kind nicht im Delirium von Alkohol oder New-Age-Spinnerten im Straßengraben liegt. Vorbei ist’s dann bei den Leugnern, die eh nur noch weglaufen, wenn man ihnen entgegenkommt und die sich selber mit ihrer Haltung den weit größeren Schaden zufügen.

Problematisch an der Limburger Situation ist dabei nicht, dass es diese drei Gruppen gibt, die gibt es immer. Sondern wie sie sich derzeit verteilen. Sachliche Kritik muss man mittlerweile mit der Lupe suchen, während die stampfenden Rumkrakeeler in der Überzahl sind und die Leugner vom Vormarsch träumen. Die sachlichen Kritiker einzuspannen, die Pubertierenden zu mildern und den Leugner die Hand gereicht zu halten ist daher die große Aufgabe, die die Bistumsführung bewältigen muss. Ob ihr das gelingt, muss hier freilich offen bleiben.

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