Donnerstag, 8. August 2013

Tebartz-van Elst, der FAZ-Artikel und mein Erleben. Eine kleine Apologie

Nachdem ich gestern an den limburger Mitdiözesanen herumgemosert habe, bin ich natürlich aufgerufen, mich mal ein wenig für unseren Bischof ins Zeug zu legen. Und das will ich hiermit in aller Unvollkommenheit tun.
Der FAZ-Artikel beruht ja zu großen Teilen auf Eindrücken. Und wenn die FAZ Eindrücke veröffentlichen kann, kann ich das auch. Daher will ich mal ein paar Stellen im genannten Artikel mit eigenem Erleben kommentieren.
Das bedeutet in der Tat großen Kummer, nicht nur für den Bischof selbst, sondern auch für die Gläubigen; ganz besonders für die wenigen höhergestellten Katholiken im Bistum, die ihm noch die Stange halten - ehrenwerte Männer und Frauen, die nicht gut finden, wie manche Medien mit Tebartz-van Elst umgehen, aber im Vieraugengespräch dann doch darauf zu sprechen kommen, dass es ein Elend sei mit diesem Mann, und am meisten für ihn selbst. Sie schauen nicht zu ihm auf, sondern auf ihn herab, und er tut ihnen leid: Weil er nicht mitbringe, was ein solches Amt verlangt.
Nun möchte ich nicht behaupten, zu den höhergestellten Katholiken im Bistum Limburg zu gehören, möchte aber trotzdem ein paar Worte dazu sagen. Die FAZ hat vollkommen recht, es ist wirklich ein Elend für den Bischof momentan. Ständig bekommt er einen drauf. Dabei soll er hier gar nicht glorifiziert werden. Natürlich macht er Fehler. Die mach ich aber auch. Wenn ich allein an die Fehler denke, die ich in der letzten Woche gemacht habe .... Dann seh ich keinen Grund, auf den Bischof herab zu schauen oder zu meinen, er können seinen Job nicht. Natürlich sind seine Fehler viel schwieriger, einfach wegen der Position, die er innehat. Aber überlegen wir mal, welche er gemacht hat, dann fallen einem gar nicht mal so viele ein. Ob das Haus St. Nikolaus jetzt Kois, Karpfen oder Seeallgen hat, ist mir doch Wurscht. Mit dem Spiegel hat er natürlich grandios danebengegriffen. Aber da steht die genaue Entscheidung drüber auch noch aus. Ihm aber zu unterstellen, er könne es einfach nicht, würd ich nie. Bin aber auch kein höhergestellter Katholik.
Schon wie er seine Wohnung als junger Weihbischof in Münster ausstattete, hat ihr dort bis heute den Namen „Kronprinzenpalais“ eingetragen. In Limburg wird derselbe Habitus als „fürstbischöflich“ apostrophiert - er passt nicht zu einem so kleinen Bistum und wohl auch nicht in die Zeit.
Fürstbischöflich ist durchaus ein Wort, mit dem Mann den Bischof beschreiben kann. Er hat durchaus was Feudales. Aber warum soll das nicht in ein kleines Bistum passen, es gibt doch auch kleine Feudalherren? Und eine Zeit, in der stundenlange Sondersendungen über irgendwelche englischen Prinzen laufen und in der man Fussballern und B-Promis hinterherrennt wie Halbgöttern, da soll man mal nicht so egalitär tun. Natürlich folgen wir alle Führungsfiguren, zumindest die meisten. Eine gewisse feudale Note in einem Charakter, der immerhin als Bischof ein Kirchenfürst ist, darf also durchaus sein, wenn die Mischung stimmt. Und viele Menschen, die ihn persönlich kennen, sehen das zumindest nicht als Manko im persönlichen Umgang.
Etwa bei der Limburger Kreuzesfeier 2009, während die Priester des Domkapitels vor der Reliquie des Kreuzes Christi knieten. Der Bischof trat an den Ambo und verkündete unversehens die Entlassung des Generalvikars Geis und die Bestallung des Nachfolgers Kaspar. So wurde die Personalnachricht von den Beteiligten und Betroffenen kniend entgegengenommen; der Bischof hatte eine Ergebenheitsgeste vor Gott in einen Akt persönlicher Unterwerfung verwandelt.
Interessante Interpretation. Also ich war damals dabei, und ich habe weder das Gefühl gehabt, mich dem Bischof persönlich zu unterwerfen, noch fühlte ich meine Andacht aus den Angeln gerissen. Und ich kann mich auch nicht erinnern, bei den Teilnehmern tiefes Entsetzten über diesen Schritt zu sehen. Man nahm es halt zur Kenntnis, wie man Verlautbarungen in Gemeinden halt zur Kenntnis nimmt. Denn die Nachricht wurde nicht etwa während der Kreuzfeier selber verkündet, sodass der Bischof in die allgemeine Anbetung reingebrettert wäre, sondern nach dem Segen. Also war schon halb Schluss, so wie Gemeindenachrichten halt auch vor der Messe - halb angefangen - oder danach - halb vorbei - angekündigt werden.
Es war ein Samstag im November. Joachim Kardinal Meisner war zur Weihe der neuen Bischofskapelle aus Köln angereist, einige ausgewählte Gäste waren geladen. Das Ganze sollte im Geheimen vonstattengehen, die Messdiener waren nachdrücklich vergattert worden. Die kleineren Domsingknaben jedoch hatten das Ereignis in Limburg dann doch schnell herumgezwitschert.
Zufällig traf ich mich am gleichen Abend, kurz nach der Weihe, mit ein paar Leuten im kirchlichen Dienst. Von Geheimhaltung hab ich da original gar nichts gemerkt. Frank und frei wurde da über die Weihe gesprochen. Von geheimen dunkelkatholischen Kulten war da nichts zu vernehmen, höchstens von einer etwas suboptimalen Planung. Und von blutrünstigen Hunden hab ich da auch nichts gehört.

Kommentare :

  1. Die Limburger Kirche zwischen Arkandisziplin und barocker Hofhaltung. Was es nicht alles gibt.

    Vielen Dank für die persönlichen Eindrücke und Berichterstattung!

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  2. Bereits der Blogtitel verrät eine in meinen Augen ungute Geisteshaltung. Demut gibt es nur vor einem Herrn.

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    1. @Manfred Anderl:
      Wären Sie so freundlich, ihre Aussage noch einmal anders zu formulieren. So weiss ich nicht, was sie meinen.

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