Donnerstag, 15. August 2013

Maria Himmelfahrt gab's doch gar nicht? - eine kleine Apologie

Wenn man sich mit Mitchristen, gerade Protestanten, unterhält und ihnen erzählt, man sei katholisch und dann mit Maria um die Ecke kommt, spätestens da runzeln sie die Brauen. "Maria hm ... ja, die ... also ... mit der habt's ihr Katholiken ja." Und wenn sie dann auch noch ein bisschen theologisch was drauf haben, schieben sie was nach wie: "Mh ... also das mit der jungfräulichen Empfängnis und der Himmelfahrt ... also das steht ja nicht in der Bibel."

Was soll man da sagen. Stimmt. Steht nicht in der Bibel. Da hab ich als Katholik aber kein Problem mit. Wenn der Gegenüber dann mit dem Luftschnappen fertig ist, kann man dann ein freundlich-wohlwollendes (Protestanten haben noch Welpenschutz, da muss man behutsam mit umgehen): "aber die Himmelfahrt ist ein biblisches Motiv" hinzufügen.

Es sind vor allem zwei Himmelfahrten, die uns in der Hl. Schrift beschrieben werden: Henoch und Elija.
Über Henoch sagt die Schrift: "Henoch war seinen Weg mit Gott gegangen, dann war er nicht mehr da; denn Gott hatte ihn aufgenommen." (Gen 5,24) Das hier wirklich eine Himmelfahrt vorliegt, bestätigt der Hebrärerbrief: "Aufgrund des Glaubens wurde Henoch entrückt und musste nicht sterben; er wurde nicht mehr gefunden, weil Gott ihn entrückt hatte; vor der Entrückung erhielt er das Zeugnis, dass er Gott gefiel." (Hebr 11,5).
Auch über Elija berichtet das Alte Testament eine Himmelfahrt. So steht im 2. Buch der Könige: "An dem Tag, da der Herr Elija im Wirbelsturm in den Himmel aufnehmen wollte ... Während sie miteinander gingen und redeten, erschien ein feuriger Wagen mit feurigen Pferden und trennte beide voneinander. Elija fuhr im Wirbelsturm zum Himmel empor." (2. Kön 2,1-18).

Himmelfahrten hat es also in der Schrift bereits vor Maria gegeben. Immer waren es besonders außergewöhnliche Gestalten, die von Gott damit geehrt wurden. Henoch als derjenige unter den Patriarchen, dessen Glaube an Gott besonders groß und dessen Beziehung zu Gott besonders eng war. Und Elija als der größte der Propheten nach Mose.

Nun könnte man sich auf den Standpunkt stellen, Maria sei ja gar nicht so außergewöhnlich. Sie sei ja "nur" die Mutter Jesu (sagt das mal eurer Mutter). Quasi ein rein biologischer Vorgang. Dabei wird allerdings übersehen, dass Maria mit Ehrungen geradezu überschüttet wird. Es fängt schon an beim Gruß des Engels: "Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir." (Lk 1,28). Maria wird hier als Begnadete bezeichnet. Einer anderen Übersetzung nach als "voll der Gnade" und ihr wird von einem Engel bestätigt, dass Gott mit ihr ist. Solcherlei trifft nicht mal auch die Apostel in dieser Weise zu. Und weiter geht es mit den Worten Elisabeths: "Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes." (Lk 1,42) Mehr als alle anderen Frauen ist Maria gesegnet, denn sie ist die Mutter des Herrn. Aus ihrer Mutterschaft leitet sich also ein besonderer Segen über Maria ab, damit auch eine besondere Stellung. Und vom Hl. Geist erfüllt sagt Maria selber: "Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter" (Lk 1,48) Wer sagt dies noch in der Schrift über sich aus? Doch nur Maria.

Aber so mancher nörgelt noch immer und meint, so toll könne Maria ja gar nicht sein, immerhin habe Jesus selber sie nie als besonders bezeichnet. Hat er nicht? Hat er wohl. Aber lassen wir doch, da wir so viel den Protestanten in den Mund legen, den Kirchenvater dieser Gemeinschaft zu Wort kommen, Augustinus. Denn Luther war ja Augustiner-Eremit und hat in seiner Lehre wesentlich Augustinus (über-)rezipiert. Was sagt also dieser Lehrer zu den Worten Jesu über Maria:

Gebt acht auf das, was der Herr Christus sagt, während er mit seiner Hand auf seine Jünger zeigt: „Das sind meine Mutter und meine Brüder“. Und dann: „Wer den Willen meines Vaters erfüllt, der mich gesandt hat, der ist für mich Bruder, Schwester und Mutter.“ (Mt 12,49-50). Hat etwa die Jungfrau Maria nicht den Willen des Vaters erfüllt, sie, die geglaubt hat durch den Glauben und die empfangen hat durch den Glauben?... Die heilige Maria, ja, sie hat den Willen des Vaters getan und war deshalb selig, eben weil sie, bevor sie den Meister geboren hat, ihn in ihrem Schoß tragen durfte. Seht, ob das, was ich sage, stimmt oder nicht. Als der Herr vorüberging, gefolgt von den Menschenmassen und göttliche Wunder wirkend, begann eine Frau zu rufen: „Selig, ja selig der Schoß, der dich getragen hat!“ Und was hat der Herr geantwortet, um zu verhindern, dass man die Seligkeit dem Fleisch zuordnet? „Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen!“ Maria also ist auch deshalb selig, weil sie das Wort Gottes gehört hat und es befolgte: Ihre Seele hat die Wahrheit in größerem Maße befolgt, als ihr Schoß das Fleisch dauerhaft umschließen konnte. Die Wahrheit ist Christus; das Fleisch ist Christus. Die Wahrheit ist Christus in der Seele Mariens; das Fleisch ist Christus im Schoß Mariens. Was in der Seele ist, bedeutet mehr, als das, was im Schoß ist. Heilige, allerseligste Maria!
Als Historiker ist für mich in diesem Kontext ein Detail von großem Interesse. Nämlich das wir keine Körperreliquien von Maria haben. Wir haben zwar angebliche Teile ihres Gewandes und ähnliches. Aber einen Körper oder wenigstens ein kleines Knöchelchen gibt es nicht. Niemals hat irgendwo irgendwer behauptet, er habe irgendetwas vom Körper Mariens. Selbst die größten Reliquienjäger kennen nichts vom Leib Mariens. Und wir haben sonst von jedem Heiligen irgendwas. Selbst ein Bartholomäus, der immerhin in Indien das Martyrium erlitten haben soll, liegt offizieller Lesart nach in Rom. Nur von Maria gibt's nicht. Das teilt sie als einzige mit ihrem Sohn, von dem wir logischerweise auch keine Körperreliquien haben. Ist doch schon ein bisschen auffallend, oder?

Fassen wir unsere Überlegungen zusammen: Himmelfahrt ist ein biblisches Motiv, selten, aber bei besonderen Personen vorhanden. Maria ist eine besondere Person, viel wichtiger als alle anderen Menschen in der Hl. Schrift, von den Urvätern und Jesus mal angesehen, da sie dem Erlöser Mutter war, nicht nur biologisch, sondern auch vermittels einzigartiger Gnaden. Und wir hatten und haben, ebenfalls einzigartig, keinerlei Hinweise auf einen sterblichen Körper Mariens. Das alles ist noch kein Beweis und wer auf dem Standpunkt steht "Was nicht explizit in der Bibel steht, darf nicht geglaubt werden", den wird das alles nicht beeindrucken. Aber sie geben doch schon ein ziemlich schlüssiges Bild und undogmatisches Bild, warum an der Himmelfahrt Mariens was dran sein dürfte.

1 Kommentar :

  1. Schön! Gefällt mir! Alles schlüssig und "entgegenkommend" auch für die, die damit Schwieirgkeiten haben (und das dürften heutzutage fast alle sein...auch Katholiken...). Danke!

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