Mittwoch, 14. August 2013

Jesus im Kreis seiner Jünger - Eine besondere Anbetung


Vor einigen Monaten habe ich an Exerzitien im Zisterzienserkloster Bochum-Stiepel teilgenommen (zur I-Seite des Klosters hier). Es waren sehr fruchtbare Exerzitien und sehr schöne Messen und wer einmal Zeit hat und aus der Gegend kommt, dem empfehle ich sehr einen Besuch an diesem Ort.

Besonders ist mir aber eine sakramentale Aussetzung in der Klosterkapelle im Gedächtnis geblieben, die schon sehr ungewöhnlich war. Dies war bedingt durch die Form des Raumes. Die Kapelle ist nämlich rund. In der Mitte steht ein achteckiger Altar, der Zelebrant liest die Messe in Richtung Tabernakel, hinter dem Zelebranten steht eine Muttergottes, vor dem Zelebranten - versus populum - und links und rechts vom Tabernakel steht das Chorgestühl. Jesus ist also in der Mitte der im Chor versammelten Mönche.

Das wurde bei der Aussetzung besonders deutlich. Als Exerzitanten durften wir die Kapelle und das Chorgestühl benutzen und konnten so in einem sehr privaten und originellen Rahmen die Anbetung feiern. Wobei ich zugeben muss, am Anfang etwas irritiert gewesen zu sein. Normalerweise ist Anbetung ja was frontales, das Allerheiligste und man selber stehen bzw. knien sich gegenüber, man hat eine klare Frontperspektive. Der Blick auf das Allerheiligste ist bei der Aussetzung entsprechend wichtig, selbst wenn man nicht fortdauernd hinschaut, sondern den Blick oft nach innen senkt. Da ist es natürlich schwierig, wenn der Tabernakel quasi am Kopf eines Halbrundes steht und es außerdem, wir sind ja bei den Zisterziensern, keine Kniebänke gibt. 

Entsprechend sieht man sich genötigt, in einer etwas eigenwilligen Stellung im Chorgestühl zu sitzen. Bei mir selbst ging es noch relativ gut, weil ich am Ende der Bänke saß und damit noch einen leichten Blick hatte. So saßen wir alle im Gestühl und schauten gelegentlich zum ausgesetzten Allerheiligsten. Den Rest der Zeit waren wir eher ins uns versunken. Und mit der Zeit gewöhnten wir uns auch daran. Und es stellte sich ein neues Gefühl ein, nicht Irritation oder Versuche der optimalen Sitzhaltung, sondern Besonderheit, Einmaligkeit. Der Herr war Mitten unter uns, das war nicht nur eine Redeweise, es war eine wirkliche Raumgegebenheit. Wie mag es damals gewesen sein, in Galiläa, wenn der Wanderprediger Jesus von Nazareth Abends mit seinen Jüngern im Freien saß oder zu Gast in einem Haus war? Auch da saß er Mitten unter ihnen, hat mit ihnen geredet, hat sie gelehrt, wenn sie ihm zugehört haben. Auch wir wollten ihm zuhören, wollten uns von ihm lehren lassen, wollten mit ihm reden.

Es war ein sehr intimes, sehr reiches Erlebnis. Eines, das auch gut zu Exerzitien passt. Ich gebe zu, für eine normale Anbetung kann ich mir das nicht als Rahmen vorstellen. Da hat man oft auch nicht genug Zeit dafür oder es ist zu viel kommen und gehen. Für Exerzitien, in denen es ja darum geht, Jesus zuzuhören, ihm zu lauschen, neu seine Jünger zu werden, war es ein sehr guter Rahmen und eine sehr segensreiche Anbetung, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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