Donnerstag, 22. August 2013

Endlich geschafft in Niedertux - Des Berichtes letzter Teil

Fortsetzung von hier.

Es folgt das Vater Unser: "Oh unser Schöpfergeist, dein Name verbinde sich mit unseren Namen, dein Reich verwirkliche sich, dein Wunsch sei uns Maßstab, wie im ganzen Universum, so auch hier. Du gibst uns unsere tägliche Nahrung, wir vergeben denen, die uns gegenüber unsolidarisch waren und wir wissen, auch du wirst uns gegenüber solidarisch sein. Führe uns zum ewigen Glück und befreie uns vor allen Angriffen unredlicher Menschen. Denn dein ist der gute Wunsch, und die guten Gedanken und das Lob der Schöpfung für immer. Amen"

Zwischenzeitlich bin ich schon dazu übergegangen, das Ave Maria auf Latein zu beten um konzentriert genug weghören zu können.

Frau Müller-Schmiedt bricht das große Fladenbrot ins zwei Teile und reicht es links und rechts durch die Gemeinde. Jeder bricht sich ein kleines Stück ab und legt es auf den Teller. Auch ich nehme mir eins und hoffe inständig, das die Wandlung nicht gültig war, behalte das Brotstück aber erstmal in der Hand. "Nehmt uns esst" fordert uns Frau Schmiedt-Müller strahlend auf und alle essen ihr Brotstück, einige pur, manche tunken es in ihre Sauce oder ihren Kaffee, wie meine Banknachbarin. Eine steckt es in ihre Tasche. Wie sie mir später erzählte, gibt sie es immer ihrem Hund, der freue sich besonders über das gesegnete Brot. Dann wird auch der Kelch einmal herumgegeben, eines der Kinder trägt ihn am Ende der Bank zur Nächsten.

Die restlichen Brotstücke wandern in einen Korb und werden zu den Schmiedt-Müllers gebracht. Wir mir später versichert wird, werden sie nicht etwa nutzlos weggeschlossen wie in anderen Kirchen, sondern sie werden normalerweise an die Nachbargemeinde verteilt. Diesmal aber sollen sie als Solidaraktion an eine Demokratengruppe in Ägypten gehen, die sich für die Stärkung von Islam und Demokratie im Land am Nil einsetzt. Und der Wein? "Damit gießt der Pfarrer seine Rosen" erklärt mir die alte Dame.

Dann wird das gemeinsame Essen fortgesetzt, ein Dessert wird feierlich aufgetragen. "Schokopudding, aus der Pfarrerküche" murmelt die alte Dame andächtig und nimmt sich ganz vorsichtig mit dem Löffel einen Teil des Puddings. Still wird jetzt das Dessert genossen, eine fast spirituelle Atmosphäre kommt auf, selbst die Kinder und die Kaffeemaschinen schweigen und man hört nur das leise kratzen der Löffel.

Langsam steigt der Geräuschpegel wieder als alle aufgegessen haben und Pfarrer Schmiedt-Müller erhebt sich: "Liebe Gemeinde, wir wollen nunmehr unserem lieben Kumpel Jesus danken, das er uns diese Gemeinschaft, dieses Brot und besonders diesen Pudding geschenkt hat." "Amen" schallt es zurück.

"Zum Abschluss noch die Vermeldungen für die neue Woche: Der Liturgierat trifft sich am Montag zur Koordinationsvorbereitung des Bacchanals für den nächsten Aschermittwoch, am Dienstag findet das homosexuelle Speed-Dating für die Männer statt, am Mittwoch tagt der Dogmenausschuss zur Beschlussfassung des neuen Glaubensbekenntnisses; wir danken allen für die rege Teilnahme an der Grundsatzdiskussion. Donnerstag feiert Priesterin Matilde DuLubac hier eine Nachprimiz, sie ist von Päpstin Maria II. Lumetzberger vor einer Woche geweiht worden; Freitag findet das Grillfest statt unter dem Motto "Jesus war auch ein Prasser" und am Samstag feiern wir das Sonnenblumenfest, wo wir eine Sonnenblumenmeditation mit anschließendem Sonneblumensegen haben" - Segen mit einer Sonnenblume, wie man mir nachher erklärte.

"Damit liebe Mitmenschen, wollen wir uns hiermit im Geiste unseres neuen Papstes gegenseitig den Segen spenden." Alle heben die Hand "Der liebe Gott, die gute Schöpfungsenergie und der kosmische Allfluss bewahrt uns vor Bedrängnis, Gefahr und Genmais, er fördert unsere Liebe zu unseren Frauen, Männern, Kindern, Hunden und Goldfischen, er umarmt und wie wir die Bäume des Waldes und die Steine der Seen, er hält von uns allen Schmerz, alles Leid und jede bedrängnis, wie er durch seinen Propheten Jesus und durch mich [gemeint ist der jeweilige Spender, Anm. I], der ich dies sicher vom Geist des Göttlichen erfühlt habe, verkündet hat. So segnet uns das große Liebliche, der/die/das eine_r, Jesus und die Geist [die ist kein Grammatikfehler]." damit machen alle eine ausladende Kusshandbewegung zu beiden Seiten und das Mahl ist beendet.

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