Dienstag, 20. August 2013

Der Pfarrer ist noch besser geworden, seid er geheiratet hat - Des Berichtes zweiter Teil

"Liebe Freunde, wir wollen jetzt das Wort Gottes hören." erklärt Schmiedt-Müller in den Trubel. "Heute liest die Tochter unserer Pfarrsekretärin aus dem Paulusbrief, genutzt wird wie immer die Bibel in Gerechter Sprache." Die kleine Tochter steht auf, nimmt ein großes Buch in ihre Hände und liest stockend aus dem Römerbrief vor. Alle applaudieren und loben die Kleine. Anschließend singen wir ein weiteres Lied, mit dem Titel: "Jesus, wir lieben dich und du liebst uns." Es folgt der Vortrag des Evangeliums, das von Frau Müller-Schmiedt und ihren Kindern vorgetanzt wird. Die Predigt hält Pfarrer Müller-Schmiedt zum Thema: "Jesus, Retter, nicht Richter". Die Predigt schließt mit dem selbstgedichteten Lied: "Jesus ist so lieblich, Jesus ist so ungefährlich".

Dann wird das gemeinsame Essen fortgesetzt. Zwischenzeitlich unterhalte ich mich der Damen neben mir. "Wir freuen uns so über unseren Pfarrer. Er war schon immer ein super Seelsorger. Wir hatten hier nie Probleme mit Wiederverheirateten Geschiedenen oder der Trauung von Homo-Ehen. Da hat er immer die Menschen gesehen, nie das Gesetz. Aber seit er Frau Müller geheiratet, ist es noch viel besser geworden." Sie macht eine ausgreifende Handbewegung mit der Gabel durch den Raum. "Er hat die Kirche so schön renoviert. Er hat die Kreuze rausgeschmissen, die immer so deprimierend waren und den Kasten an den Stirnseite. Das restliche gesegnete Brot wird immer nach dem Mahl an die Armen im Nachbarort verteilt."

Dann läutet eine kleine Glocke "Die Fürbitten" erklärt sie, während ich schon mal überlege, wo ich genug Weihwasser für meine Badewanne herbekomme, um mich nachher zu waschen. Das Ehepaar Schmiedt-Müller beginnt: "Lieber Gott, wir bitten dich für diese ganze Gemeinde und für alle Gemeinden und alle Menschen auf der Welt - das du sie in deiner Liebe erhältst und sie wie versprochen in dein Reich führst." Die Gemeinde "Wir bitten dich" Ich warte auf die nächsten Fürbitten, doch es kommt nichts und die beiden setzen sich wieder. Plötzlich steht eine Frau auf und beginnt "Liebes göttliches Wesen, wir möchten dich bitten, sende uns deine Engelinnen, das sie uns beschützen." Die Gemeinde wieder "Wir bitten dich." Noch 11 andere Gemeindemitglieder tragen dann eine Fürbitte vor, wobei der Längenrekord bei einem sechs Minuten langem Gebet liegt, indem wechselnd der liebende Gott, die gute kosmische Kraft, das liebe Jesulein und die universale Güte angerufen und um Beistand vor der Genindustrie, falschem Vollkornmüsli, Funkwellentürmen und dem Ortsbischof angerufen wird.

Ich denke mir langsam, schlimmer kann es nicht mehr werden. Immerhin bringen zwei junge Mädchen - nach der alten Dame die Kinder des Pfarrerehepaares - Brot und Wein zu ihrem Vater.

Pfarrer Schmiedt-Müller nimmt den Kelch, seine Frau das Brot - ein großes Fladenbrot:

Er beginnt: Ja, du bist gut, Gott, und alle deine Werke verkünden das Lob deines lieben Wunsches. Denn durch deinen Sohn, Jesus und durch den Geist, der uns heilig macht, erfüllst du uns und das ganze Universum mit Leben und Geschenken. Bis alles dich trifft versammelst du uns, damit in deinem Namen das gemeinsame Mahl gefeiert werde vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang. Darum bitten wir dich, allgütiger Gott: Wir leben vor dir mit allen Menschen diesen Tag als den Tag, an dem Jesus mit uns feiert. Mit ihm, den du liebst wie einen Sohn, bitten wir dich, lieber Schöpfergeist: wir erinnern uns in diesem Mahl an den ganzheitlichen Menschen Jesus, unseren lieben Freund und Bruder, der uns gebeten hat, dieses Mahl zu feiern.

Sie setzt fort: Denn damals nahm er das Brot und sagte Dank, brach es, reichte es seinen Jüngerinnen und Jüngern und sprach: NEHMET UND ESSET ALLE DAVON: DAS IST MEIN LEIB, den ich euch gebe.

Wieder er: Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch, dankte wiederum, reichte ihn seinen Jüngerinnen und Jüngern und sprach: NEHMET UND TRINKET ALLE DARAUS: DAS IST DER KELCH DES EWIGEN BUNDES, MEIN WASSER des Lebens, DAS FÜR EUCH UND FÜR ALLE ENTSTRÖMT. TUT DIES ZU MEINEM GEDÄCHTNIS. Es folgt der Ruf der Gemeinde: Über dein Leben, Jesus, freuen wir uns, weil du immer bei uns bist.

Die restliche Wiedergabe des Hochgebetes soll dem Leser erspart werden.

Kommentare :

  1. Da durchlebt man ja alle seine Alpträume auf einmal! Ich befürchte allerdings, daß diese Alpträume in großen Teilen unserer Kirche bereits mehr oder weniger Realität sind...

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