Donnerstag, 29. August 2013

Der Bischof und sein Bistum. Ein paar erste Gedanken

Bevor ich morgen über's Wochenende nach Augsburg fahre, lasse ich noch ein paar Gedanken zur momentanen Situation in Limburg hier. Denn es handelt sich ja keineswegs um ein Problem, das allein damit zusammenhängen würde, dass Tebartz-van Elst Bischof ist. Es ist auch eine Frage der spezifischen und relativ ungewöhnlichen Struktur des Bistums.

Man spricht hier landläufig vom berüchtigten Limburger System, womit vor allem eine ungewöhnlich liberale Synodalpraxis gemeint ist. Wie mir von verschiedener Stelle berichtet wurde, gilt Limburg bis heute in seinen Strukturen als weit offener als die meisten anderen Bistümern, z.B. Fulda, wie mir ein Bekannter neulich erzählte. Diese Struktur hängt mit den Geschehnissen nach dem Vatikanum II zusammen. Der Limburger Bischof Kempf war Untersekretär des Konzils und als solcher wesentlich mit der Organisation befasst. Dabei macht er die Erfahrung eines kollegialen Denkens und Handelns der Bischöfe gegenüber dem Papst. Diese Bewegung, die in Rom nach dem Ende des Konzils alsbald versandete, wollte er auf der Ebene der Diözese fortführen. So wie die Bischöfe zusammen mit dem Papst für die Gesamtkirche Verantwortung übernahmen, so sollten auch die Priester und Laien mit dem Bischof Verantwortung in der Diözese übernehmen. Dabei ging er weiter als die meisten seiner bischöflichen Mitbrüder, angeschoben zudem von seinem Weihbischof Walter Kampe und der Katholischen Aktion, die als Limburger Sondergewächs die Trägerschicht der neuen Synodalstruktur stellte. Dabei landeten erste Strukturierungsansätze, die eine sehr weitgehende Mitbestimmung auch auf der Diözesanebene vorsahen, wegen kirchenrechtlicher Bedenken im Papierkorb.

Was dann rauskam war ein Kompromiss zwischen den Vorwärtsdrängenden und den Bischof, der sich nicht von der deutschen Gesamtkirche abkoppeln wollte. Ein Kompromiss freilich, der davon lebte, das er von Kempf und Kamphaus stark zugunsten der Gremien ausgelegt wurde, was zum besagten Limburger System führte: Die schon liberale Synodalordnung wurde durch eine noch ausgeprägtere Synodalpraxis ergänzt. Eine Praxis freilich, die vom guten Willen der Bischöfe lebte, der freilich über Jahrzehnte vorlag. Bis Tebartz-van Elst kam, in die Synodalordnung guckte, nickte und meinte, damit erschöpfe sich denn auch der Einfluss der Gremien. Was die natürlich anders sahen und düpiert aus der Wäsche schauten, als der Neue auf einmal den Bestimmer statt des Moderators gab und sich auf den Standpunkt stellte, er mache, was er dürfe, wenn er meine, es sei richtig. Oder anders gesagt: Ich bin Bischof und ihr nicht. Dabei sagen viele, das der Bischof den Leuten durchaus zuhöre, auch wenn sie eine andere Meinung hätten als er und er wird daraus auch Orientierung beziehen. Aber letzten Endes entscheidet eben kein Gremium, sondern er selber. Und das wuchs sich mit der Zeit auch nicht aus, wie wohl einige gehofft hatten. Entsprechend wurde mit der Zeit die Enttäuschung immer größer, weil immer mehr sahen, dass der Bischof nicht auf Linie einschwenken würde. Und mit der Enttäuschung wuchs der Widerstand.

Ein weiterer Grund für die momentane Lage des Bischofs ist der Kontrast zu seinem Vorgänger. Dabei soll keineswegs gesagt werden, dass Bischof Kamphaus etwas für die Lage seines Nachfolgers könne. Kamphaus hat das Bischofsamt in seinem Geiste authentisch ausgefüllt und ist damit zu großer Beliebtheit und Anerkennung seines Kirchenvolkes gelangt. Dies ist bisher Bischof Tebartz-van Elst nicht gelungen. Dabei ist nicht so sehr der Unterschied zwischen dem franziskanischen Kamphaus und dem ein wenig barockfürstlichen Tebartz-van Elst entscheidend. Es geht nicht um die Frage, wieviel Geld beide für sich ausgeben. Denn der Bischof gibt ja keineswegs, wenn man einmal von der Residenz absieht, die er ja nicht nur für sich selber baut, viel mehr Geld aus als es in Deutschland für einen Bischof üblich ist. Sowohl Fahrer wie Dienstwagen sind normal, auch die sogenannte Luxusreise nach Indien geschah, soweit sie amtlich bezahlt wurde, nach den Richtlinien der Deutschen Bischofskonferenz. Und auch die Ausgaben für Paramente halten sich in Grenzen, da hier zwar einige neue Objekte angeschafft wurden, vor allem Mitren aufgrund der unterschiedlichen Kopfgröße, ansonsten aber weiterhin die alten Gewänder getragen werden bzw. alte Objekte aus dem Magazin herausgeholt werden. Auch die Anschuldigung, der Bischof brauche ja soviel Weihrauch, ist eigentlich absurd. Was ist denn dagegen zu sagen. Die Kosten sind minimal, da nur mehr Weihrauch und Kohle für einige Bischofsmessen gebraucht werden. Der einzige Grund, den man gelten lassen könnte, nämlich die Stimmbelastung der Sänger, habe ich noch von niemandem gehört. Ansonsten hält sich die Rauchentwicklung im Dom sehr in Grenzen. Da hab ich mit einem Weihrauchfass in einer modernen Kirche mehr Verqualmung hinbekommen, Es sind also nicht all diese Einzelpunkte, die sich im Bereich des normalen Halten und die auch durch die Spartanität von Kamphaus an ihrer Akzeptanz nichts verlieren. Auch die Behauptung der FAZ, der Bischof würde die Blicke in der Liturgie auf sich lenken statt auf den Herrn, kann ich so nicht unterschreiben. Das ist mir bisher nicht aufgefallen und solche Eindrücke sind außerordentlich subjektiv.

Es geht also um etwas anderes: Tebartz-van Elst ist gerne Bischof. Vielleicht nicht unbedingt gerade jetzt, aber vom Grundsatz her ist das schon etwas, was er gerne tut und ausfüllt. Für Kamphaus hingegen war, zumindest in den letzten Jahren, die Mitra eine Dornenkrone, die er gottergeben trug, solange er durch die Sorge um seine Gläubigen und das kirchliche Gesetz dazu verpflichtet sah. Der Eindruck wird klar, wenn man sieht, das es ihm momentan, trotz des vergangenen Jahre, besser geht als früher. Er zittert nicht mehr so stark, kann wieder unbelasteter auf die Menschen zugehen und wirkt wesentlich zufriedener. Es ist schwer vorstellbar, das Kamphaus so um die Kathedra gekämpft hätte, wie es Tebartz-van Elst momentan macht. Und das ist im Grunde das Ideal, welches man sich in Limburg von einem Bischof macht: Er soll ein guter Bischof sein, aber doch bitte nicht zu gerne dieses Amt inne haben. Und das ist Tebartz-van Elst schlicht nicht. Ob er so gerne Bischof geworden ist, ob er es wollte, kann hier nicht ermittelt werden. Das er es aber durchaus gerne macht bzw. machen würde wenn er nicht ständig eine drauf bekäme, ist doch sehr deutlich.

Kommentare :

  1. Ich möchte auch noch mal darauf hinweisen, dass Bischof Kamphaus auch dann nicht aus dem staatlichen Beratungssystem betreffs §218 ausgestiegen ist, als es von Rom definitiv angeordnet wurde.
    Ich danke für den Artikel macht er doch diverses klarer.

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  2. Ich bedanke mich für das Lob.

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