Donnerstag, 1. August 2013

Das Kopernikanische Weltbild

Fortsetzung von hier.

Nun könnte man meinen, dem teleologischen Anthropischen Prinzip ist mit dem Kopernikanischen Weltbild ein naturwissenschaftliches und damit neutrales Weltbild gegenübergestellt. Das dem nicht so ist, soll im folgenden beschrieben werden. Das Kopernikanische Prinzip wurde 1973 auf einer Tagung zu Ehren des Kopernikus (eines Preußischen Domherren) formuliert. Nach diesem Prinzip besitzt der Mensch keine ausgezeichnete, spezielle, sondern nur eine typisch durchschnittliche Stellung im Kosmos, kosmische Mittelmäßigkeit, sozusagen.

Das führt zu zwei Folgerungen.
Die erste ist eine psychologische, die gerade die Wissenschaftler betreffen, aber auch uns normale Menschen. Jaques Monod (1910-1976) hat bereits vor der Formulierung des Kopernikanischen Weltbildes in dessen Sinne gemeint: "Wir sind Zigeuner am Rande eines Universums, das taub ist für unsere Musik, unempfindlich für unsere Hoffnungen, Leiden und Verbrechen." Den kopernikansichen Schock, den dieses Weltbild mit sich bringt, hat die Menschheit nie wirklich verkraftet, wie Peter Sloterdijk schreibt und ich meine, kein Mensch hat den Schock, so zu denken, wirklich jemals verkraftet.

Die zweite Folgerung behandelt die Frage, wie man physikalisch die enorme Unwahrscheinlichkeit dieses Phänomens unseres Universums erklären will. Die Antwort ist einfach: Gar nicht. Physikalisch ist das nicht zu erklären. Das wissen die Verfechter dieser These auch und geben zu, keine Ahnung zu haben. Im besten Fall. Oder sie weichen auf die These der Multiversen aus. Nach dieser These gibt es unendlich viele unterschiedliche Universen und in jedem dieser Universen haben die Konstanten andere Werte. Aber nur in unserer Welt sind die Werte so vorhanden, dass sich komplexe Materie bilden kann, die wiederum Leben ermöglicht, das sich zu Menschen entwickelt, die über das Problem nachdenken können. Schlaue Menschen haben ausgerechnet, das man für dieses Modell ca. 10 Hoch 500 Paralleluniversen brauchen würde.

Das klingt doch alles durchaus sehr naturwissenschaftlich. Ist es aber nicht!
Denn die Multiversenthese verletzt das Grundlegende Prinzip der Naturwissenschaft: Sie lässt sich nicht Verifzieren oder Falsifizieren, nicht experimentell nachweisen oder sonst irgendetwas. Denn die Naturwissenschaft kann über den Horizont des Beobachtbaren Universums nicht hinausgreifen. Alles was jenseits des Universums ist, ist daher auch nicht mehr Gegenstand dieser Wissenschaft. Ob ich etwas, was hinter der Grenze ist, Gott oder Multiversen nenne, ist für einen Naturwissenschaftler vollkommen egal. Es ist nicht Teil seines Beschäftigungsgebietes. Die Multiversenthese hat also nix mit Naturwissenschaft zu tun, sondern ist eine Lückenthese, die allein Sache des Glaubens ist. Religion, Weltanschauung oder Weltbild also.

Der Physik-Nobelpreisträger Brian Schmidt meinte entsprechend: "Ich weigere mich, auf naturwissenschaftlichem Gebiet Vermutungen über Dinge anzustellen, die ich nicht nachprüfen kann. In dieser Hinsicht sehe ich mich als einen militanten Agnostiker. Ich spekuliere nicht."

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