Montag, 26. August 2013

Brief der Frankfurter Katholiken gegen Bischof Tebartz-van Elst: Ein Armutszeugnis!

Nach den Ereignissen um Bischof Tebartz-van Elst in Frankfurt muss ich jetzt doch mal ein wenig mein Missfallen über die Vorgänge deutlich machen. Ensprechend mögen die Leser diesen Post nicht als ausgewogene Analyse betrachten.

Als leicht hierarchiefixierter Konservativer bin ich unsicher, ob ich mich über den Brief der Frankfurter Katholiken gegen den Bischof von Limburg aufregen oder mich zynisch freuen soll. Aufregen kann ich mich, weil man hier mit Karacho und Beifall einen weiteren Nagel in den Sarg des Bischofs schlägt. Zynisch freuen kann ich mich hingegen, weil das sogenannte Kirchenvolk damit beweist, das die Hierarchie in der Kirche immer noch super funktioniert. Denn hier solidarisieren sich keine kritisch-souverän denkenden Gläubigen mit dem Stadtdekan, hier laufen die Schafe blöckend ihrem Hirten hinterher und geben die willige Begleitmusik für den klerikalen Machtkampf.

Der Brief ist ein Armutszeugnis!
Die Autoren appellieren zudem an den Bischof zu respektieren, dass "die von Ihnen zu Recht eingeforderte Loyalität nicht heißen kann, dass Widerspruch und Kritik verboten sind".
Wenn ich jetzt böse wäre, würde ich den Autoren das Gedächtnis einer Eintagsfliege vorwerfen. Wenn ich mich recht erinnere, hat sich Stadtdekan zu Elz schon mehr als einmal kritisch zum Bischof geäußert, am deutlichsten damals in einem offenen Brief einiger Priester. Und wenn ich mich richtig erinnere, habe ich den Generalvikar nicht mit einem Nudelholz nach Frankfurt fahren sehen, um dem Stadtdekan den Hintern zu versohlen, sondern es war von einem Gespräch die Rede, das der Bischof mit seinen Kritikern führte.

Das letzte Interview von zu Elz war auch nicht nur leichter Widerspruch oder sachliche Kritik, sondern die Aufforderung an den Bischof, sich von der Kathedra zu schleichen. So hat das jeder verstanden und zu Elz ist zu intelligent, nicht genau zu wissen, wie das rüberkam. Eine solche Attacke auf den Chef bleibt nirgendwo folgenlos. Und wohl kaum einer der Unterschreibenden, die sich so etwas von seinen Untergebenen anhören müssten, würden sagen: Ja, komm, ist gut gemeint.

Eine scharfe Reaktion war zu erwarten. Man könnte sogar vermuten, sie ist von zu Elz bewusst eingeplant gewesen. Es passt alles doch sehr gut zusammen und niemand hat soviel davon wie der Stadtdekan. Denn im Spiel steht er momentan glänzend da. Wenn der Bischof nicht zu einem Kraftakt ansetzt und den Befreiungsschlag hinbekommt, ist zu Elz praktisch nicht abzusetzen und baut sich in Frankfurt sein eigenen kleines Reich, unabhängig von der Limburger Zentrale, aber mit viel Einfluss an der Lahn. Er könnte als Vorreiter der Kritiker mit Rückhalt im Kirchenvolk sogar Kandidat für den Bischofsstuhl sein, wenn Tebartz-van Elst hinschmeißt.

In diesem Licht lesen wir nochmal eine weitere Stelle des Briefes:
"Die Bistumsleitung muss umgehend einen anderen Weg einschlagen, will sie die katholische Kirche in unserem Bistum und darüber hinaus glaubhaft und glaubwürdig vertreten"
Dem Satz stimme ich sogar zu. Nur meint der Satz nicht, was er sagt. Denn was da wirklich steht ist: Der Bischof soll gehen! Denn die Bistumsleitung, das ist der Bischof mit dem Domkapitel. Und in dem sitzt, welche Überraschung, zu Elz mit drin. Und der Bischof herrscht keineswegs so autokratisch, wie manche immer denken. Was man manchmal so hört scheint er eher bemüht, Reibung zu vermeiden. Das das nicht klappt, stimmt. Warum das nicht gelingt, das dürfte nicht nur an ihm liegen, da kochen auch andere Herren an der Suppe mit. Die Leitung des Bistums als Gesamtkörper muss also einen anderen Weg einschlagen, es müssen also alle hohen Herren sich zusammenraufen und einen gemeinsamen Weg finden. Und Eskalationen helfen bei solchen Prozessen, welch Wunder, in der Regel nicht.
"Mit großer Sorge sehen wir, dass sich die Vertrauenskrise im Bistum Limburg immer weiter zuspitzt."
Noch ein Satz, den ich gerne mitunterschreibe. Aber so, wie er da steht, nicht wie er gemeint ist. Gemeint ist nämlich: Der Bischof  vertraut uns nicht! Ist momentan wohl sogar richtig. Würde ich an seiner Stelle aber auch nicht. Wie soll ich jemandem vertrauen, der auf meinen Sturz hinarbeitet? Der nicht nur kritisiert, sondern auch eskaliert. Entweder die Unterzeichner sehen nicht, wie es eigentlich gemeint ist, dann ist es ein Armutszeugnis für ihre Intelligenz. Oder sie sehen es, dann ist es ein Armutszeugnis für ihr Einfühlungsvermögen.
Gefordert wird "eine umfassende, ehrliche, schonungslose Information über alle in die Kritik geratenen Vorgänge in der Bistumsleitung".
Das Wort schonungslos ist echt der Hohn. Schongang ist nun etwas, was Tebartz-van Elst in Limburg noch nie erlebt hat. Darüber hinaus mal die Frage, wer denn informiert werden soll. Das unterschreibene Kirchenvolk? Das Domkapitel? Die Synodalräte? Die Presse?

Da das nicht da steht, ist das ziemlich platt. Allerdings ist der ganze Brief ziemlich platt. Eine Ansammlung von Formulierungen aus dem Kritikbaukasten. Kritik um der Kritik willen, ohne Lösungsansätze oder gute Ideen. Ein Rummosern zur Selbstbeweihräucherung oder -beklatschung. Eine Äußerung des Missfallens, die keiner braucht, weil es jeder weiss.  Das Blöcken der Schafe, das sich Kirchenvolk nennt. Schlicht ein Armutszeugnis.

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Quelle: katholisch.de 
Den ganzen Brief hier. Eine ergänzende Weiterführung des Posts gibt's hier.

Kommentare :

  1. Danke für deine klare Stimme in diesem unwürdigen Spektakel.

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  2. Sehr geehrter Herr Doktorand der Geschichtswissenschaft,
    auch Studierte können Unsinn schreiben, wie man teilweise an Ihrem Brief sieht. Fragen Sie doch einmal die meisten Katholiken, die den Brief unterschrieben haben, ob Sie sich den Bischof weg wünschen! Sie werden eine erstaunliche Antwort erhalten. Ich selbst bin auch ein Kritiker und möchte, dass er im Amt bleibt. Nobody is perfect - auch ein Bischof nicht. Übrigens hat das auch schon Petrus erfahren, der bekanntlich als erster Bischof geführt wird. Auch ein Bischof ist zunächst einmal ein Mensch mit Fehlern und Schwächen und muss daran arbeiten um glaubwürdig zu sein. Das gilt auch für den aktuellen Limburger Bischof. Die Kritik wird Ihm sehr zu denken geben und ich hoffe, dass er die richtigen Schlüsse für seine weitere Amtsführung zieht. Wir leben nicht mehr im Mittelalter und es gibt heutzutage zum Glück zahlreiche mündige "Schafe", um Ihre überhebliche Bezeichnung katholischer Christen zu benutzen, die das Christentum wirklich leben wollen, in Anstand, Würde und Bescheidenheit. Ein bedeutender Fehler, der heute in der Kirche gemacht wird, ist die Tatsache, dass die katholische Philosophie anstelle der eigentlichen Forderungen Christi tritt und sich dabei in abgehobene intellektuelle Verstrickungen begibt. Der Mensch der sich an die zehn Gebote und die Auslegungen dazu durch Christus hält und danach lebt, steht Gott sicher näher, als der Drescher von Bibelphrasen und Verteidiger von Menschen gemachten Kirchengesetzen. Wie war das noch mal mit den Pharisäern.....?

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    1. Zunächst möchte ich auf den Post verweisen, den ich zu diesem ergänzend geschrieben und einiges erklärt habe. Wie dort gesagt geht es in diesem Artikel nicht um feinsinnige Unterscheidung - um dieselbe bemühe ich mich gerade andernsorts - sondern um mal ordentlich den Leuten die Meinung zu geigen. Dann sei gesagt, dass ich natürlich nicht behaupte, das alle Unterschreibenden im Einzelfall wie eine Schafherde gehandelt haben. Doch als Gruppe in dieser konkreten Situation war es ein Signal für den Stadtdekan und seine Aussagen, die stark zu "Bischof tritt zurück" tendierten.

      Übrigens bin ich selbst Schaf genug, um das zuzugeben und halte das nicht für ein Negativkriterium. Man muss sich dessen aber bewusst sein.

      Ich freue mich übrigens, dass sie meinen, ich hätte nur teilweise Unsinn geschrieben.

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