Dienstag, 6. August 2013

Arme und Sünder, Franziskus und Schüller


Armut und Sünde haben viel gemeinsam.

Zum einen sind sie für diejenigen Leute, die in diesem Zustand leben, ein Problem.
Die meisten Menschen halten Armut nicht für erstrebenswert und selbst diejenigen, die das etwas anders sehen, meinen die freiwillige Armut. Unfreiwillige Armut aber ist ein Problem, das wird jeder so sehen.
Das gleiche gilt für die Sünde, nur das sie doppelt schlimm ist, wenn sie freiwillig geschieht. Unfreiwillige Sünde ist es, wenn ich unter einem psychologischen Zwang, Abhängigkeiten, Verwicklungen etc. stehe. Das mildert das Maß der Sünde. Freiwillige Sünde, die ich bewusst begehe, ist hingegen dramatisch und, wenn sie eine schwere Materie betrifft, eine Todsünde. In beiden Fällen ist Sünde aber für die Sünder ein Problem, auch darin werden mir sicher alle zustimmen.

Zum anderen sind jedoch beide nicht nur ein Schwierigkeit für die Träger, sondern auch für die Gemeinschaften, in der diese leben.
Armut ist für die Gesellschaft ein Problem. Wenn es zuviel Armut gibt, hinkt die Wirtschaft, moralische und ethische Normen verlieren an Bedeutung, es kommt zu sozialen Spannungen und im schlimmsten Fall zu Aufständen, Revolten etc.
Auch die Sünde ist für die Gemeinschaft problematisch, in der die Sünder leben, im konkreten Fall die Kirche. Je mehr Sünder es gibt und je mehr sie sündigen, umso schwieriger wird es, den Laden zusammenzuhalten und den Menschen die frohe Botschaft glaubhaft zu verkünden. Denken wir nur an Nietzsche und sein Wort, er würde ja an Gott glauben, wenn die Christen nur erlöster aussehen würden.

Aufgrund der Gemeinsamkeiten sind auch die Wege des Umgangs mit ihnen, vom Prinzip her, ähnlich. Im Wesentlichen gibt es zwei: Ignorieren und Aufheben.

Ignorieren heisst dabei nicht nur, etwas einfach nicht Kenntnis zu nehmen, sondern versuchen, es zu relativieren und dialektisch aufzulösen. Ein beliebtes Argument gegen Armut in der westlichen Industriegesellschaft ist die Aussage, es gebe hier ja gar keine unfreiwilligen Armen im eigentlichen Sinne, denn hier könne ja jeder sein Dach über dem Kopf und seine Mahlzeit haben, dafür Sorge der Staat ja. Armut wird also definiert als existentielle Not, die das physischen Überleben des Menschen durch Verhungern, Erfrieren etc. bedroht. Und diese Not gibt es in der Tat in den westlichen Industriegesellschaften so gut wie nicht mehr.
Ein ähnliches Argument gibt es für die Sünde. Demnach ist Sünde hochgradig relativ, Todsünde schon gar und hängt davon ab, wie der Mensch, der sie begeht, drauf ist, welche Absicht er hat etc. Das sind zutreffenderweise Punkte, die Sünde abmildern können, jedoch wird hier das ganze, wie bei der Armut, weitergesponnen, indem jemand sogar nicht sündigt, auch wenn er etwas objektiv schlechtes tut, wenn er nicht meint, es sei etwas schlechtes. Ein schönes Beispiel ist Ehebruch. Ein Ehebrecher sündigt, wenn er doch nur seinen Spass haben will und er mit der Situation glücklich ist, solange die Handlung nicht gegen seine Ehefrau gerichtet ist und er sie weiter gut leiden kann.

Die andere Möglichkeit des Umgangs ist, aktiv gegen das Problem vorzugehen.
Gegen Armut vorzugehen heisst optimalerweise, die Armut aufzuheben, also den Armen auf ein finanzielles Niveau zu heben, dass er nicht mehr arm ist. Je nach Umgebungssituation ist es möglich, mittels staatlicher oder caritativer Leistungen Armut abzuschaffen, indem man einem Menschen, der aus eigener Kraft zu wenig erwirtschaftet, soviele Mittel ergänzt, wie er braucht, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Die andere Möglichkeit, Armut aufzuheben, ist einen Menschen mit einer Arbeit zu versehen, mit der er aus eigener Kraft die Armut überwinden kann.
Vom Grundsatz her ist es bei Sünden ähnlich. Nur das es den zweiten Fall nicht gibt. Denn der Mensch ist nicht in der Lage, aus sich selbst heraus seine Sünden zu überwinden, er bedarf immer des Geschenkes, der Gnade, um aus dem Kreislauf seiner Sünden herauszukommen, damit seine Sünden ihm vergeben werden. Wesentlich für die Wirksamkeit dieser Vergebung ist aber die Umkehr, also die Erkenntnis der eigenen Sünden. Hierzu ist es mitunter nötig, die Sünden beim Namen zu nennen und auf die Gnade Gottes sowie die Sakramente als Instrumente des Heiles aufmerksam zu machen.

Auf diese Gedanken kam ich, als ich neulich einen Post las, indem Papst Franziskus und Helmut Schüller miteinander verglichen wurden. Beiden, so die Mitbloggerin, ginge es um das gleiche Anliegen, beide gingen dafür an die Ränder. Zwar möchte ich Pfarrer Schüller nicht absprechen, das gleiche Fernziel wie Papst Franziskus zu haben und über die Ränder kann man sicherlich streiten. Was aber beide fundamental unterscheidet ist die Frage, wie man mit den beiden Problemen, Armut und Sünde, umgeht. Für Papst Franziskus, der sich die Armen besonders zur Aufgabe gemacht hat, haben Armut und Sünde viel gemeinsam. So wie er die Armut anprangert, so prangert er die Sünde an. So wie er für die Armen da sein will, so will er es für die Sünder. Der Hl. Vater liebt die Armen und die Sünder und will daher, dass sie aus ihrer negativen Situation befreit werden. Daran mitzuwirken ruft er uns alle auf. Helmut Schüller geht ganz anders vor. Er äußert sich wenig zu Armut, sie ist ja auch nicht sein Hauptthema. Aber er hat auch ein ganz anderes Verhältnis zu Sünde. Wer seinen Blog auch nur kursorisch liest (zu finden hier) wird vieles finden, jedoch nicht Sünde als Problem des Einzelnen. Zwar spricht er sehr viel von Verfehlungen, dann sind damit ausschließlich die Verfehlungen der Kirche, vulgo der Amtskirche, gemeint. Alles Unglück scheint Schüller von diesem Ort zu kommen, während die Menschen sonst gut sind. Auf Fragen, wie man mit Homosexuellen, Wiederverheirateten Geschiedenen und anderen Personen, die von Sünde massiv betroffen sind, umgehen soll, scheint Schüllers Antwort immer die gleiche zu sein: Die Sünden der anderen ignorieren, ganz konzentriert auf die Sünden der Kirche gucken. Dann wird alles gut.

Ist das die gleiche Methode wie Franziskus? Offensichtlich nicht. Auch Papst Franziskus spricht über die Probleme der Amtskirche. Aber für ihn sind das vor allem Menschen, der einzelne, der sich ändern muss, aufgerüttelt werden muss aus dem Tran der Selbstgerechtigkeit, dem Ignorieren von Problemen. Für Schüller scheint das lediglich System vergiftet und durch die Veränderung des Systems könne auch das Problem der Sünder gelöst werden.

Vergleicht man Schüller und Franziskus miteinander, dann treffen zwei Personen aufeinander, die eine grundverschiedene Auffassung von Problemen und Lösungen haben. Papst Franziskus will die die Sünder am geistlichen Reichtum der Kirche beteiligen und ruft daher alle, Sünder und Heilige, zur Mitarbeit auf. Schüller will nur die Macht an möglichst viele Sünder verteilen, in der Hoffnung, das dadurch das System besser wird. Auf die Armut gewendet nennt man das erste Wohlstand für alle, das zweite Sozialismus.

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