Dienstag, 9. Juli 2013

Tisch des Wortes

WikiCommons:
Thomas Haseloff
Neulich las ich mal wieder so ein Wort, bei dem ich mich tierisch aufregen könnte: Tisch des Wortes. Und weil ich das ja so selten mache, werd ich jetzt auch einfach mal überspitzt und wenig konziliant rumnölen. Wer nicht das nicht mag, möge diesen Post bitte nicht lesen.

Also, Tisch des Wortes. Wer hat sich diesen komischen Begriff eigentlich ausgedacht. Warum sagt man nicht Lesepult oder Ambo? Was ist an diesen Wörtern denn schlecht? Was soll mit dieser Eigenwilligen Formulierung ausgesagt werden, Tisch des Wortes? Zerlegen wir es mal, dann hat es zwei Aspekte: Tisch und Wort.

Nun sieht ein Ambo aber nicht aus wie ein Tisch, sondern eben wie ein Pult. Mit dem Wort Tisch kann also nicht die Form gemeint sein, sondern die Funktion. Nun hat aber ein Ambo nicht die Funktion eines Tisches, denn da kann man weder ne Mahlzeit drauf plazieren noch davon essen. Es kann also kein Tisch im eigentlichen Sinne gemeint sein, sondern ein übertragene Form von Tisch. Also etwas, was nichts mit Essen zu tun hat, sondern abstrakte Tischfunktionen erfüllt. Indem ich also auf diesem Tisch ein Buch ablege, trage ich Nahrung im abstrakten Sinne drauf und indem ich es vorlese, teile ich es aus. Aber um welches Wort geht es? Doch sicherlich nicht um irgendein Wort. Sondern um das Wort der Lesung aus der Hl. Schrift, dem Wort Gottes.

Dennoch bleibt die Frage, warum man sich diese eigenwillige Formulierung ausgedacht hat. Absicht scheint dahinter zu stecken. Gibt es denn noch einen anderen Tisch in der Kirche? Natürlich, den Altar. Der hat ja wirklich eine wie auch immer geartete Tischform. Und damit wären wir beim Grund, warum mich das aufregt. Durch die Formulierung "Tisch des Wortes" wird eine Gleichartigkeit zwischen Ambo und Altar hergeleitet. Diese Gleichwertigkeit führt dazu, dass der Ambo wichtiger wird, der Altar hingegen unwichtiger, weil er nunmehr auch nur ein Tisch wird, aber nur noch bedingt Altar ist, also Ort des Opfers, sondern nur noch Ort des Mahles.

Diese Aufwertung, gegen die grundsätzlich nichts zu sagen ist, hängt mit der Liturgiereform zusammen, in der das Wort, also Lesung und Predigt, wichtiger werden sollten. Um diese Gleichwertigkeit auszudrücken, nannte man den Ambo also auch einen Tisch. Altar des Wortes scheint man nicht in Betracht gezogen zu haben. Das mag auch damit zusammenhängen, dass die Gleichwertigkeit nie ganz eingezogen ist. Oder hat schonmal jemand gesehen, wie der Ambo inzensiert wird? Oder einen Altar, der in der Messe raus und rein getragen wird, wie das bei manchen Lesepulten passiert? Entsprechend ist diese gestelzte Formulierung doch irgendwie sinnlos. Kein Mensch sieht einen Ambo als Tisch des Wortes an, sondern eben als Lesepult, auf dem man dem Wort Gottes andächtig (optimal) lauscht, während das heiligerer Geschehen nach wie vor auf dem Tisch des Mahles, dem Altar, stattfindet. Man kniet ja auch nicht bei der Lesung, wohl aber beim Hochgebet.

Dennoch steht gerade bei modernen Kirch- und Kapellenrenovierungen gerne der Begriff vom Tisch des Wortes im Raum. Absicht? Wenn man jetzt noch zum Altar Mensa oder Tisch sagt, die Kniebänke rausschmeißt, den Ambo dem Altar gegenüberstellt, können wir uns langsam Sorgen machen.

Warum Sorgen? Ist doch nicht tragisch, wenn Wort und Wandlung gleichen Rang haben, oder?
Doch, leider ist das schon dramatisch. Man spricht ja nicht umsonst vom Allerheiligsten. Die Lesung ist ohne Zweifel sehr wichtig und ich persönlich finde es gut, dass man sie etwas mehr herausstreicht und den Gläubigen in der Landessprache vorträgt und nicht auf Latein. Aber das Evangelium ist eben doch nur ein Auszug des Wortes. Im Allerheiligsten allein ist das ganze Wort enthalten, Christus der Logos selber. Wer also die Lesung mit der Wandlung, den Ambo mit dem Altar gleichstellt, der erhebt zwar das Wort, erniedrigt aber das Allerheiligste. Natürlich muss das weder die Intention noch das Ergebnis sein. Gerade wenn man aber von den gleichen Leuten, die Tisch des Wortes sagt, hört, eine Wortgottesfeier sei gleichwertig mit der Hl. Messe, weiss man spätestens, was die Uhr geschlagen hat.

Kommentare :

  1. Lieber MC!
    Du hast völlig Recht, aber du sprichst Wahrheiten an, die man in unserer Kirche nicht sagen darf. Mit diesem ganzen Wortgedöns wird eine ständige Protestantisierung der Hl. Messe betrieben. Ich habe(natürlich)gar nichts gegen die Wertschätzung des Wortes Gottes, aber nicht auf Kosten des Allerheiligsten. Realität in unseren Pfarreien: Das Lektionar wird feierlich unter nochmaligem Hallelujagesang nach dem Evangelium auf einen Thron gesetzt, beweihräuchert, Leuchter daneben. Gleichzeitig latscht demonstrativ jeder während der ganzen Messe am Hochaltar mit dem Tabernakel vorbei und der Priestersitz muss natürlich auch in der Mitte davor stehen, sodass der Priester dem Herrn den A...äh...Rücken zuwendet. Wenn ich mich als Priester vor dem Evangelium dem Hochaltar zuwende werde ich gemobbt, weil "der Pater wieder irgendwie anders ist als die anderen." Und lustig sieht´s auch aus, weil die Ministranten ja gleichzeitig in Gegenrichtung zum Volksaltar stehen.
    So, das musste mal wieder raus.

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    1. Ein (leider) nur vorübergehend in unserer Gemeinde tätiger Priester hat folgende in meinen Augen sinnvolle "Neurung" durchgeführt: der Priestersitz stand bei ihm seitlich zum Altar, damit auch zum Tabernakel und zur Gemeinde. Damit konnte die Gebetsrichtung je nach Bedarf verändert werden. So ziemlich das Erste (und bis jetzt auch so ziemlich das Einzige), das sein Nachfolger verändert hat, war eben das: jetzt steht der Priestersitz wieder so, wie von Ihnen oben beschrieben. Wahrscheinlich war der Pfarrgemeinderat (oder ein sonstiges einflussreiches Mitglied der Pfarrgemeinde) nicht zufrieden gewesen...danach muss man sich natürlich richten. Sollte aber nicht der Priester den Leuten ein Gespür für Feinheiten der Liturgie vermitteln (und nicht umgekehrt)?

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  2. Der Begriff "Tisch des Wortes" taucht ja schon in Sacrosanctum Concilium auf:

    "51. Auf daß den Gläubigen der Tisch des Gotteswortes reicher bereitet werde, soll die Schatzkammer der Bibel weiter aufgetan werden, so daß innerhalb einer bestimmten Anzahl von Jahren die wichtigsten Teile der Heiligen Schrift dem Volk vorgetragen werden."

    Hier ist aber natürlich in keiner Weise vom Ambo die Rede - in der ganzen Liturgiekonstitution des Konzils finde ich übrigens davon nichts.

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  3. "Dennoch steht gerade bei modernen Kirch- und Kapellenrenovierungen gerne der Begriff vom Tisch des Wortes im Raum. Absicht? Wenn man jetzt noch zum Altar Mensa oder Tisch sagt, die Kniebänke rausschmeißt, den Ambo dem Altar gegenüberstellt, können wir uns langsam Sorgen machen."
    Leider können wir schon, das ist schon geschehen ...

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