Dienstag, 16. Juli 2013

Priesterliche Armut in Deutschland. Eine Chance?

Auf katholisches.info las ich neulich hier im Bericht eines Seminaristen vom Priestertreffen in Rom:
Jene, die zur Einfachheit in der Liturgie aufrufen (einschließlich verschiedener Seminaristen, Priester, Ordensfrauen …) haben aber alle das neueste I-Phone-Modell, Tablet, I-Pad, tolle Autos, und dann feiern sie aber, die Heilige Messe in Billigalbe.
Das wirft die Frage auf, wie die Armut, die immerhin zu den Evangelischen Räten gehört, zu verstehen ist? Ein Priester sagte mir mal, in Deutschland sei er mit einer 100% Arbeitsplatzgarantie und Beamtenbezügen wenig von Armut betroffen. Papst Franziskus aber hat die Priester, die gerne mal das neueste Merzedesmodell fahren, öffentlich ziemlich deutlich zusammengefaltet. Zwar kann man argumentiere, in Afrika werden Kinder auch nicht satt, wenn ein Priester einen gebrauchten Citroen fährt, aber die Frage nach dem Bild von Priester in der Gesellschaft stellt er damit wirkmächtig.

Ein Priester zeichnet sich nicht nur durch ein zölibatäres Leben, sondern auch durch eines der Armut und des Gehorsams aus. Aber unfreiwillige Armut ist sowenig eine Tugend wie unfreiwilliges Single-Dasein oder unter einem Zwang zu liegen. Armut sollte also freiwillig sein. Und dafür haben Priester in Deutschland ja nun viel Gelegenheit. Das bedeutet aber nicht nur, kein Geld zu haben, sondern wie ich mit diesem Geld umgehe. Gebe ich es für mich aus, oder für die anderen. Das müssen dabei keine Kinder in Afrika sein. Wer sich anstatt einen neuen BMW anzuschaffen ein Citroen C1 kauft (den fahre ich auch) und das gesparte Geld dem örtlichen Kindergarten oder einem Sozialprojekt zukommen lässt, wird sich des Beifalls der Gemeinde sicher sein können. Wer auch in der Kleidung Bescheidenheit zeigt und nicht überall den Pfarrherrn rauskehrt, hat gute Chancen, auch als konservative Socke in der Gemeinde akzeptiert zu werden.

Dann kann er auch mal drüber laut drüber nachdenken, ob man nicht die alten Neogotik-Kaseln aus dem 19. Jh. entstauben könnte, anstatt einen Schwung neuer Sackalben anzuschaffen. Denn die persönliche Bescheidenheit ist ja das eine, die Messe etwas anderes. Selbst von Franz von Assisi, dem mit Abstand radikalsten Armen der Kirchengeschichte, wird gesagt, er habe als Diakon das Evangelium in prachtvollen Gewändern gesungen und goldene Kelche anschaffen lassen.

Diese Unterscheidung scheint mir besonders wichtig in der Debatte um kirchliches Auftreten. Wo nützt Wohlstand nur den kirchlichen Amtsträgern - das können auch Laien sein - und wo wird er sinnvoll für alle eingesetzt. Sinnvoll ist dabei aber nicht nur die Caritas, die ja nur ein Teil des kirchlichen Handelns ist. Auch die Liturgie und die Mission sind weitere Teile kirchlichen Handelns. Und während es schon mancherorts in der Liturgie ziemlich ächzt, kann man in der Mission endgültig anfangen zu weinen. Auch hier könnte das wohldotierte kirchliche Personal etwas mehr Geld in die Hand nehmen, um Eigeninitiative in den Gemeinden zu fördern. Kurzer Dienstweg ist für viele Engagierte, die gerne etwas machen würden, sich aber an die Verwaltung nicht drantrauen, sicher hilfreich.

So kann der evangelische Rat der Armut gerade in Deutschland reiche Früchte tragen. Denn gerade hier sind die Chancen für Priester, freiwillig arm zu sein, besonders groß. Sowohl im geistlichen Sinne für sie selber, aber auch ganz praktisch durch die Unterstützung von Caritas, Liturgie und Mission. Ein Priester in Lateinamerika hat es bereits vorgemacht und seinen Wagen verkauft, um das Geld anderweitig einsetzen zu können.

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