Montag, 8. Juli 2013

Franziskus sagt: Wider die alten Strukturen. Und alle jubeln


Päpstliche Verlautbarungen haben ja den Vorteil, dass sie ausdeutbar sind. Das erleben wir immer wieder in der Geschichte, das ein und dieselbe Aussage eines Papstes, egal wie hochoffiziell und präzis sie war, immer wieder von allen möglichen Gruppen angewendet und umgewendet wird, solange, bis jeder das reinlesen kann, was ihm in den Kram passt. Das macht päpstliche Aussagen so attraktiv, weil man sich bequem auf sie berufen kann, ohne Angst haben zu müssen, dass einen der Verfasser anruft und einen zusammenfaltet, weil man grandios an seiner Intention vorbeiinterpretiert hat.

Besonders leicht ist es momentan mit den Predigten von Papst Franziskus, die dieser mehr oder weniger spontan hält. Da diese nicht in einen klassischen lehramtlichen Kontext eingebunden sind , bedarf es für sie eines bestimmten hermeneutischen Schlüssels. Dieser ist allerdings relativ einfach zu finden. Franziskus geht es um die konkrete Erbauung der Zuhörer. Sie sollen einen spirituellen Impuls erhalten. Der Inhalt, der darüber hinaus über die Medien an die Welt geht, soll diesen Impuls auch für die restliche katholische Welt erreichbar machen. Anders als der Dogmatiker Benedikt, dem zuzutrauen war selbst in spontanen Predigten noch Feinheiten von größerer Tragweite unterzubringen, ist Bischof Franziskus eher für die Momentaufnahme großer Linien zu haben. Was Franziskus sagt, müsste man daher ganz lesen, um daraus ein Programm abzuleiten.

Ein gutes Beispiel für diese Problematik ist das Wort von Franziskus:
Im christlichen Leben, auch im Leben der Kirche, gibt es alte Strukturen, hinfällige Strukturen: es ist notwendig, sie zu erneuern
Wie soll man das jetzt verstehen. Die Konservativen lesen daraus etwa:
Wir dürfen nicht stehenbleiben und uns auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen. Vielmehr müssen wir uns im Licht des Glaubens der Väter immer wieder mit dem neuen auseinandersetzen, den Glauben der Kirche fruchtbar machen für die Gegenwart und müssen uns dabei teilweise auch alte Sturkturen und Pfründe trennen.

Die Liberalen lesen hingegen:
Der Papst findet das Memorandum gut und will das Frauenpriestertum, die Abschaffung des Zölibats und die Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen und die Orientierung des Glaubensgutes an unseren heutigen Bedürfnissen/Notwendigkeiten.

Das letztere ist natürlich Unsinn und widerspricht ausdrücklich früheren Aussagen von Franziskus, ja der ganzen Linie, die er als Erzbischof und als Papst immer gehabt hat. Vergleichen wir hierzu nurmal die aktuelle Enzyklika:
Jede Epoche macht die Erfahrung, dass einzelne Aspekte des Glaubens leichter oder schwieriger angenommen werden können: Deswegen ist es wichtig, wachsam zu sein, damit das ganze Glaubensgut weitergegeben wird (vgl. 1 Tim 6,20), damit in angemessener Weise auf alle Aspekte des Bekenntnisses des Glaubens bestanden wird. Insofern die Einheit des Glaubens die Einheit der Kirche ist, heißt etwas vom Glauben wegnehmen in der Tat etwas von der Wahrheit der Gemeinschaft wegnehmen.
Die erste Interpretation mag hingegen etwas harmlos sein und die Radikalität der Aussage abmildern.

Dennoch handelt es sich bei den Predigten des Hl. Vaters zunächst nicht um kirchenpolitische, sondern geistliche Reden, die den einzelnen Christen betreffen und ihn mit der Radikalität der Botschaft des Evangeliums konfrontieren wollen. Wenn er also von Strukturen spricht, meint er wohl am ehesten die Strukturen unseres eigenen Lebens, die wir durchbrechen und vom Hl. Geist erleuchten lassen sollen. Damit steht er dann auch voll in der Tradition der geistlichen Väter. Und das ist in der Katholischen Kirche immer ein guter Hinweis, das man richtig liegt.
Sagt der Konservative.

Weitere Posts zum Thema:
Vom Kreuzknappen hier,
auf Laudetur Jesus Christus hier
und bei Balken und Splitter hier.

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