Donnerstag, 4. Juli 2013

Der Sabbat ist für den Menschen da

Wer sich in der heutigen Zeit mit Fragen kirchlicher Lehre beschäftigt, der wird früher oder später auf Themen wie die Homoehe oder die Kommunion für Wiederverheiratete kommen. Dabei tritt einem dann auch die Haltung entgegen, man solle Homosexuelle trauen und Wiederverheiratete zur Kommunion  zulassen, weil .... Ja, warum eigentlich? Beliebt und immer wieder wirkmächtig begründet wird dieser Anspruch durch ein Wort der Hl. Schrift "Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat." (Mk 2,27) Heisst: Wenn der Sabbat für den Menschen da ist, dann auch die Ehe. Wenn die Ehe für den Menschen da ist, dann ist der Mensch Herr über die Ehe. Dann kann er sich auch scheiden lassen und sich einen homosexuellen Ehepartner suchen.

Aber entspricht das wirklich der Intention der Schriftstelle, die gerne angeführt wird?

Betrachten wir zunächst den Kontext der Stelle: Die Jünger streifen mit Jesus am Sabbat über Land. Offenbar haben sie Hunger und bedienen sich an den Feldern vor Ort, um den gröbsten Hunger zu stillen. Das sehen einige Pharisäer und legen bei Jesus Protest ein. Nicht wegen Diebstahl. Sondern weil die Jünger den Sabbat gebrochen hätten, denn was sie da getan haben, soll ernten gewesen sein. Nun kann man sich fragen, ob die Jünger hier im eigentlichen Sinne geerntet haben, die Pharisäer scheinen hier doch sehr spitzfindig zu sein. Und genau darum geht. Die Pharisäer, die ohnehin keine Fans von Jesus sind, legen das Sabbatgebot hier auf eine bestimmte Weise aus, dass nämlich die Jünger ernten, wenn sie nur ein bisschen Korn abreißen.

Jesus nutzt die Gelegenheit, um sie zwei Dinge zu lehren: Erstens das der Sabbat einen konkreten Sinn hat und kein Selbstzweck ist. Sinn des Sabbat ist es zum einen, dass Mensch und Vieh an diesem Tag ruhen können. Zum anderen geht es um das Freisein für Gott an diesem Tag. Das Zweite ist der Grundsatz, dass der Menschensohn Herr über den Sabbat ist. Da aber in jüdischer Sicht Gott den Sabbat eingesetzt hat, ist Gott der Herr über den Sabbat. Der Menschensohn wäre damit Gott. Das bringt die Pharisäer natürlich zur Weißglut.

Entsprechend diesem Vorurteil reagieren sie auch beim nächsten mal, als Jesus den Sabbat "bricht". Ein Mann mit einer verkrüppelten Hand kommt in der Synagoge zu Jesus und bittet um Heilung. Jesus heilt den Mann natürlich, verbindet das ganze aber mit der Frage, ob man am Sabbat Gutes tun und ein Leben retten dürfe, worauf die Pharisäer nicht antworten. Das Schweigen ist bezeichnend. Denn Jesu Argumentation entspricht der jüdischen Tradition. Der Mensch darf das Gute am Sabbat tun, wenn es notwendig ist, er darf heilen. Tatsächlich gilt bis heute auch am Sabbat die Erlaubnis, einen Juden medizinisch zu versorgen.Daher können die Pharisäer Jesus eigentlich nichtz widersprechen, können ihm aber auch nicht zustimmen, weil sie ihn auf dem Kieker haben.

In beiden Fällen kann man also von einer Überreaktion der Pharisäer sprechen. Sie wollen offensichtlich Jesus etwas anhängen. Auch den Grund erfahren wir: Weil Jesus sich in einem bestimmten Bereich außerhalb der jüdischen Tradition stellt: Er nimmt für sich in Anspruch, Gottes Autorität zu haben. Das hat er bereits an der Stelle getan, als er dem Lahmen die Sünden vergab, was in jüdischer Sicht nur Gott zusteht. Da Jesus sich in dieser Zeit in der gleichen Gegend um den See Genezareth bewegte, dürften spätestens nach diesem Satz alle Pharisäer wissen, was mit diesem ungewöhnlichen Wanderprediger Sache ist. Und entsprechend empfindlich gewesen sein.

Ansonsten hingegen argumentiert Jesus voll auf der Linie der Pharisäer. Der Sabbat ist für den Menschen da, das würde auch jeder gläubige Jude unterschreiben. Denn beim Sabbat geht es zum einen um Ruhe, aber auch um das Lob Gottes, der das Gesetz gab. Wer also den Sabbat hält, der entspricht dem Wort Gottes und nichts ist für den Menschen im Allgemeinen und den Juden im Besonderen besser, als dem Wort Gottes zu gehorchen. Darf man einen Kranken am Sabbat heilen? Auch diese Frage kann ein Pharisäer mit Ja beantworten, wenn es notwendig und der besagte ein Jude ist. Natürlich kann man über die Anwendung dann streiten, aber der Streit ist ein typisch pharisäisches Phänomen.

Jesus stellt sich also bzgl. der Bedeutung seiner Person außerhalb des damaligen Judentums. In seiner sonstigen Argumentation aber entspricht er der jüdischen Tradition. Jesus hebt hier den Sabbat keinesfalls auf, sondern legt das Sabbatgebot im Rahmen der Lehre des Judentums seiner Zeit aus.

"Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat" kann also nicht heißen, dass der Mensch mit dem Sabbat oder der Ehe macht was er will. Nicht er ist der Herr über die Ehe, Jesus Christus ist das. Und nicht er kann die Ehe auslegen wie er will, sondern muss das in Zusammenarbeit mit der Kirche tun, die als Leib Christi die lehramtliche Autorität innehat. Diese Perikope erinnert uns demnach nicht an die Verfügbarkeit der Ehe für den Menschen, sondern sie gibt uns vielmehr den Rahmen vor, indem wir die Ehe in Form und Sinn zu verstehen haben.

1 Kommentar :

  1. Der Sabbat ist für den Menschen da. Er sollte aber eingehalten werden, da die Physiologie/Medizin vor einiger Zeit auch beim
    Menschen den Circaseptan-Rhythmus (7-Tage-Rhythmus) z. B. bei Cortisolschwankungen und Salzausscheidung gefunden hat.
    Ein Nichtbeachten kann langfristig die Gesundheit negativ beeinflussen.
    (siehe z. B. Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 3. Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2013)

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