Dienstag, 23. Juli 2013

Dem gemeinen Kirchensteuerzahler. Ein Dank

Sonntagsgehende Katholiken wie ich blicken ja gerne auf sie herab, diese seltsamen Wesen, die an Ostern und Weihnachten die üblicherweise mittelmäßig besetzten Kirchenbänke voll machen, sonst aber nie gesehen werden. Jene Geschöpfe, deren Christsein zweimal im Jahr, sowie an Taufen, Firmungen, Hochzeiten und bei Beerdigungen durchbricht, die ansonsten mit Kirche aber wenig zu tun haben. Wenig deswegen, weil es durchaus noch etwas gibt, was sie mit der Kirche verbindet: Die Kirchensteuer. Ein absonderliches Reptil aus vorvergangener Zeit, als der Staat die Kirche als Erziehungsanstalt und Kulturinstitut noch dringend nötig hatte und ihr daher nach dem großen Raub des Jahres 1803 das Recht zusprach, ihren Mitgliedern eine verbindliche Abgabe abzuknöpfen und sich zur Mitte des letzten Jahrhunderts sogar bereit fand, diesen Mitgliedsbeitrag über die Finanzämter einzuziehen.

Es ist die Kirchensteuer, die die Mehrheit der Deutschen immer noch mit der Kirche verbindet, obwohl die meisten von ihnen den Sonntag lieber ausschlafen und Sport treiben, als in der Messe zu knien. DIe Kirchensteuer ist in gewisser Weise die Lebensader der deutschen Kirche, die sich durch nichts anderes auszeichnet als dadurch, finanziell gut ausgerüstet zu sein. Dennoch ist die Kirchensteuer immer wieder Kritik ausgesetzt, weil sie den bequemen Sessel bildet, in dem sich wohldotierten Amts- und Berufskatholiken räkeln und der ihren Missionseifer untergräbt, weil die finanzielle Absicherung nicht von der Lauheit der Kirchenmitglieder bedroht ist.

Es gibt also berechtigte Kritik an der Kirchensteuer. Es gibt auch berechtigte Kritik an den Kirchensteuerkatholiken, die außer diese Abgabe zu leisten kein oder kaum Interesse an der Wahrnehmung ihrer religiösen Pflichten haben. Für einen Katholiken, der sich bemüht, seinen Glauben in sein Leben aktiv zu integrieren, ist so etwas ein Graus. Deswegen blickt man ja auch so gerne auf sie herab oder spricht ein wenig despektierlich, optimal mit Verwunderung oder Bedauern über sie.

Aber ist das wirklich die angemessene Haltung ihnen gegenüber? Welche Botschaft senden wir diesen Katholiken, die sie ja immer noch sind, mit dieser Einstellung? Wir wollen euch nicht? Oder nur, wenn ihr es anders macht, intensivere Christen seid? Ist das nicht von uns selbst ein bisschen, wie sag ich das nett, großkotzig. Wer kann schon sagen, er sei ein intensiv lebender Christ? Warum sollte ich zu einem Verein gehen wollen, wo alle auf mich herabschauen. Man kennt das, wenn man zu spät zur Messe kommt oder etwas anders gekleidet ist, wie oft man dann von den anderen Gläubigen mit diesem Blick "Was macht der hier und kann er nicht pünktlich sein, anständig rumlaufen, meine Andacht nicht stören etc."

Wir sollten auch nicht vergessen, dass diese Katholiken, auch wenn ihr Glaubensleben wohl etwas defizitärer ist als das unsere, mit der Zahlung ihrer Kirchensteuer immer noch viel Gutes tun. Nicht nur das viele caritative und kulturelle Aspekte in Deutschland ohne die Kirchensteuer nicht möglich wären. Auch der Umstand, dass viele Seelsorger ihr Leben dieser Aufgabe nicht nur als Berufung, sondern auch als geldwertem Beruf und damit, potentiell, umso intensiver nachgehen können, gehört dazu. Dazu pumpen die reichen Bistümer Deutschlands jährlich Unsummen in die ärmere Weltkirche. Wer mal die endlose Akten an Dankesschreiben auch nur durchgeblättert hat, die in den Ordinariaten für kirchensteuerfinanzierte Beihilfen in afrikanischen, asiatischen und amerikanischen Bistümern eintreffen, bekommt ein ungefähres Bild von der Größe solcher Unterstützung.

Natürlich ist die Caritas nur eine Säule im kirchlichen Leben, aber immerhin. Aber auch in der Liturgie sind diese Christen öfter präsent, als manche denken. Zwar erfüllen sie bei weitem nicht das Sonntagsgebot, was schlimm genug ist. Aber an den hohen Festtagen, bei Taufen, Hochzeiten, Firmungen sind sie oft präsent und füllen die Kirchenbänke. Für den Priester (und den Ministranten) die nicht selten magere Besucherzahlen haben, eine kleine Freude und eine Evangelisierungschance.

Und auch was diesen letzten Punkt, das Glaubenszeugnis angeht, kommen diese Christen zwar oft nicht alltäglich, aber doch auf Aufforderung mal aus ihrem Schneckenhaus heraus. Auch ich bin in keinem Kirchgängerhaushalt aufgewachsen, aber zumindest so ein paar ganz grobe Basics und eine ganz grobe Vorstellung hatte ich denn schon. Und oft schicken die Eltern die Kinder denn auch zur Kommunion (mit Unterricht) und zum Religionsunterricht. Das die Kirche die Chance, die Kinder hier für sich einzunehmen, zumeist grandios versemmelt, das kann man ihnen ja nicht vorwerfen.
 
Man kann also viele Gründe finden, diesem Christen eine Intensivierung seines Glaubenslebens dringend anzuraten. Aber wir haben auch viele Gründe, ihm dankbar zu sein. Daher an dieser Stelle dem gemeinen Kirchensteuerzahler Danke für alles.

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