Montag, 29. Juli 2013

Das neutrale Weltbild der Wissenschaft - Eine Legende


Eine der größten Legenden der Populärwissenschaft ist die Behauptung, die moderne Wissenschaft stütze ein Weltbild ohne Gott. Denn da sie Gott nicht als eine Grundlage ihrer Berechnungen annehme, das Universum aber trotzdem erklären könne, brauche der Wissenschaftler Gott nicht. Es gebe daher das neutrale wissenschaftliche Weltbild ohne Gott und das voreingenommene Weltbild mit Gott.

Das ist Unsinn!

Richtig ist, dass für die Wissenschaft Gott nicht Teil ihrer Datengrundlage ist. Das geht ja auch gar nicht. Ein Physiker sagte einmal, man könne als Naturwissenschaftler nur mit dem arbeiten, was man in einem Experiment kontrollieren könnte. Gott aber wäre nicht Gott, wenn man ihn in einem Experiment kontrollieren könnte.

Falsch ist aber die Behauptung, es gebe ein neutrales Weltbild, gestützt auf wissenschaftliche Beweise. Ein Weltbild ist nie neutral, weil immer mit einer Festlegung verbunden. Eine Festlegung aber ist nie neutral. Ich kann mich z.B. der Existenz meines Schreibtisches gegenüber nicht neutral verhalten. Entweder ich lege mich darauf fest, dass es ihn gibt, weil es erklärt, worauf mein Laptop liegt. Oder ich verneine seine Existenz, dann wird mein Laptop irgendwie von irgendetwas anderem auf Brusthöhe gehalten, z.B. durch stabile Luftströme. Wobei halt mehr für die erste Feststellung spricht.

Ebenso ist es mit einem Weltbild, indem Gott vorkommt. Entweder ich sage, es gibt ihn oder es gibt ihn nicht. In beiden Fällen hat das Einfluss auf meine Sicht des Universums und Konsequenzen auf die Schlussfolgerungen, die ich über dieses Universum ziehe.

An dieser Stelle möchte ich euch die beiden dominierenden Weltbilder vorstellen, die sich mit dem Universum befassen: Das Kopernikanische Weltbild und das Anthropische Weltbild. Die folgenden Ausführungen basieren nicht etwa auf meiner eigenen überragenden Kenntnis der Materie, sondern auf einem Vortrag, den ich vor kurzem gehört habe und auf einem Artikel in der KU.

Beide Modelle sollen in auf Basis des physikalischen Modells der Feinabstimmung vorgestellt werden, das sie auf zwei unterschiedliche Weise interpretieren und daraus unterschiedliche Konsequenzen ziehen.

Bei der Feinabstimmung handelt es sich um ein durch Brandon Carter entdecktes Phänomen, nachdem die Naturkonstanten, also die Naturgesetze, ganz exakt so zusammenwirken, dass im Universum Lebensformen auf Basis komplex strukturierter Materie möglich sind. Wenn diese Konstanten auch nur ein bisschen, bisschen, bisschen voneinander abweichen würden, gebe es keine Wissenschaftler, die sie beobachten könnten, ja selbst keine Materie. Das ist umso beeindruckender, weil es ein außerordentlich unwahrscheinlicher Fall ist, den wir erleben. So unwahrscheinlich, wie wenn ein Scharfschütze auf der Erde eine Centmünze trifft, die sich am Ende des sichtbaren Universums befindet.

Fortsetzung hier.

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