Dienstag, 30. Juli 2013

Das Anthropische Weltbild

Fortsetzung von hier.

Betrachten wir das Phänomen der Feinabstimmung, so scheint uns das Universum, indem wir uns befinden, geradezu perfekt auf den Leib geschneidert zu sein. Mit den Worten von Carter: "Obwohl unsere Lage nicht notwendiger Weise zentral ist, ist sie doch zweifellos in gewissem Ausmaß privilegiert."

Dieses Privileg ist, wie wir bereits im letzten Post gesehen haben, etwas so ungewöhnliches, dass es nach einer Erklärung verlangt, also einer Ursache, warum das Universum genauso ist, wie es ist. Wir fragen also nach dem Grund für dieses ungewöhnliche Phänomen im Universum, nachdem Carter erklärt hat, wie es beschaffen sein muss, damit wir Fragen können.

Die Wissenschafts-Philosophie spricht hier von zwei Gründen oder Ursachen, causae, nämlich der causa formalis, wie etwas ist, und der causa finalis, warum etwas so ist. Nachdem Carter festgestellt hat, wie ungewöhnlich die Formalursachen gegeben sein müssen, sodass es uns gibt, liegt die Annahme nahe, die Finalursache sei, die Dinge sind so, damit es uns gibt. Höheres Leben ist also der Grund, warum die Feinabstimmung so existiert.

Und damit haben wir, ihr merkt es, den Grund der Naturwissenschaften verlassen und beschäftigen uns mit einem Weltbild, nämlich dem Anthropischen Prinzip.

Dem Anthropische Prinzip liegt eine teleologische Deutung zugrunde. Demnach kann etwas nicht nur von seinem Anfang, sondern auch von seinem Ende erklärt werden, also von dem Ziel, das mit der Handlung verfolgt wird. Bleiben wir z.B. bei meinem Tisch. Ich kann die Entstehung auf das Zusammenwirken von Holz, Metall und Glas erklären, also die Formalursachen beschreiben. Zugleich kann ich seine Entstehung ergänzend durch den Wunsch des Herstellers erklären, einen Tisch herzustellen, den er mir vermittels eines Möbelverkäufers andrehen will.

Das gleiche Prinzip kann man auch auf das Universum anwenden. Allerdings braucht man hier wie da einen Willen für die Finalursache und dieser Wille muss Personal verfasst sein, weil nur Personen einen Willen haben und die einzige Person, die ein Universum wollen kann, ist Gott. Entsprechend lehnen viele Wissenschaftler ein solches Bild des Universums als vorkopernikanisch ab.

Das Anthropische Prinzip bietet indes zwei Vorteile: Es erklärt sinnvoll, warum das Universum seine Gestalt hat, indem es dieser Gestalt Sinn verleiht. Der zweite Vorteil ist sie Ermöglichung von gesellschaftlicher Anschlusskommunikation. So sagt Otto Heckmann, ein deutscher Astronom: "Die kosmischen Grundbedingung des Menschen oder menschlich-ähnlicher Wesen besteht ... in der Existenz nicht irgendeines, sondern eines höchst spezifischen Kosmos ... Wenn der Mensch Wert legt auf kosmische Würde und kosmischen Rang: Hier sind beide zurückerstattet in einer Größenordnung, die man kaum steigern kann." Für die Menschen kann also dieses Modell als eine Grundlage für Sinnsuche, für psychologische, gesellschaftliche und ethische Grundvollzüge dienen.

Fortsetzung folgt. 

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