Montag, 13. Mai 2013

Was braucht Dialog?

Was braucht Dialog? frage ich mich in letzter Zeit öfters. Damit meine ich nicht den großen Dialog, den die Gremien, die Bischöfe und andere mehr oder weniger wichtige Menschen miteinander führen. Sondern den kleinen Dialog, den wir einfache Katholiken miteinander führen.

Das frage ich mich deswegen, weil mir bei vielen von uns momentan eher eine Talkshowmentalität vorzuliegen scheint. Das bedeutet, dass es in einem Gespräch darum geht, seine Gedanken möglichst prägnant in die Runde zu werfen und dann darauf zu warten, die anderen fertig machen zu können, wenn sie nicht die eigene Meinung vertreten. Wobei es ja nicht notwendigerweise was Persönliches sein muss, sondern einfach nur die These des anderen möglichst effizient abgebügelt werden soll. Das hängt meiner Meinung nach damit zusammen, dass man sich selbst sehr stark mit der eigenen Haltung identifiziert. Der Anspruch, selber richtig zu liegen, ist teilweise unbewusst so tief in uns verwurzelt, dass jeder Versuch, von dieser Haltung Abstriche zu machen, einer Selbstaufgabe gleicht: Ich darf mich nicht irren, denn dann gebe ich mich selber auf, also muss der andere falsch liegen und sein Bemühen, mich zu überzeugen, ist quasi unredlich. So oder so ähnlich kann ein solcher Gedanke sein, der mich auch hin und wieder überfällt. Dann wird man halt ziemlich schnell pampig oder ist zumindest überempfindlich. Dann wird aus jeder Kritik gleich ein böser Satz. Dann kann man den Dialog aber auch gleich lassen. Denn dann lernt ja keiner was dazu, wenn alle so denken.

Was braucht es aber für den Dialog. Zum wenigsten Respekt vor dem anderen. Dann aber auch die Fähigkeit, sich selbst nicht ganz so wichtig zu nehmen. Wer sich nicht auch mal über sich selbst oder ein bisschen über die eigene Meinung lustig machen kann, der hat ein Problem. Dazu gehört aber auch eine gewisse katholische Weite. Bezeichnenderweise nehmen viele gerne das Wort katholisch als Adjektiv - nicht als Konfessionsbezeichnung - für sich und ihre Meinungen in Anspruch, gehen aber auf jeden los, der es anders sieht als man selber. Katholisch wird dann zu einer Meinung und ist keine Haltung mehr. Nur der ist dann katholisch, der alles allen durchgehen lässt und das "Leben in Fülle", also alles was es so gibt unter der Sonne, absegnet. Katholisch als Haltung aber bedeutet die Fähigkeit, auch andere Meinungen außer der anderen im Raum der Kirche zu dulden, ohne sie gleich rausschmeißen zu wollen oder in die Hölle fahren zu sehen. Das heisst aber auch, ein gemeinsames Fundament in der Kirche zu haben. Dieses Fundament ist an sich sehr einfach. Jeder kann es im Glaubensbekenntnis und den kirchlichen Dogmen nachlesen. Wer dem zustimmt, ist drinnen und kann ansonsten denken was er will, ohne rauszufliegen. Wer nicht, ist draußen und muss sich auch nicht mehr aufregen über die drinnen. Wer einmal mit Evangelikalen zu tun hatte, wird dieses Fundament zu schätzen lernen, das so viel Raum lässt und gar nicht so einengt, wie sich viele Konservative und Reformer gerne einbilden. Alle vier Aspekte zusammen bringen eine fünfte Fähigkeit hervor, nämlich sich auf die Haltung des anderen zuzubewegen bzw. an ihr zu wachsen. Nichts ist deprimierender, wenn man selber sich bemüht, auch Fortschritte macht, während der andere in der eigenen Glorie verharrt. Das ist aber heute leider die bevorzugte Haltung. Solche Erfahrungen tragen nicht zum Dialog bei, sondern sie vergiften ihn und machen ihn unmöglich.

Ich möchte daher uns alle mal zu der Frage aufrufen, wo wir selber - nicht die anderen - Fehler im Dialog machen und uns alle selber mal hinterfragen. Die anderen kritisieren wir immer genug, versuchen wir es auch mal bei uns selber.

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