Dienstag, 7. Mai 2013

In der Vorhalle

Fortsetzung von hier.

Zuerst tratet ihr in die Vorhalle des Baptisteriums1.Nachdem ihr euch gegen Westen aufgestellt hattet, fingt ihr an zu hören2, Dann wurde euch befohlen, die Hand auszustrecken, und ihr widersagtet dem Satan, als wäre er anwesend gewesen3. In der alten Geschichte — das müßt ihr wissen — ist dieser Vorgang angedeutet. Als Pharao, dieser grausame, rohe Tyrann, das freie, edle Volk der Hebräer knechtete, da sandte Gott den Moses, um sie aus der schlimmen Knechtschaft der Ägypter zu befreien. Mit dem Blute eines Lammes wurden die Türpfosten bestrichen, damit der Verderber an den Häusern vorüberginge, welche das Zeichen des Blutes hatten. Wunderbar war es, wie das Volk der Hebräer befreit wurde. Als der Feind, dieselben auch noch nach ihrer Befreiung verfolgend, sah, wie sich das Meer wunderbar für sie teilte, rückte er trotz allem ihnen auf dem Fuße nach, wurde aber plötzlich in den Wogen des Roten Meeres versenkt.
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1: Heisenberg, “Grabeskirche und Apostelkirche“ I (1908) S. 53 versteht unter dem hier erwähnten προαύλιον τοῦ βαπτιστηρίου nicht eine Vorhalle, sondern einen Vorhof. Aber mit Unrecht, wie das Baptisterium von San Giovanni am Lateran zeigt, welches eine eigene Vorhalle hatte, die in die Zeit Sixtus II (432—440) zurückreicht. — Das Baptisterium lag hinter der Apsis der Grabeskirche, also im Westen der Basilika; der Eingang war von Westen. Die Lage entsprach der Lage des Baptisteriums an der konstantinischen Basilika am Lateran in Rom.
2: ἠκοὺσατε weist nach meinem Dafürhalten auf die aperitio aurium hin, womit nach Ambrosius (De myst. I. 1, 3) und nach Ps. Ambrosius (de sacram. I l, 2) im Vorhofe des Baptisteriums der eigentliche Taufakt eingeleitet wurde. Der Sinn von xxxxx ist: „Ihr fingt an zu hören“ d. h. „es wurden euch die Ohren geöffnet“. Diese Auslegung ist, wie ich glaube, gefordert 1. dadurch, daß xxxxx ohne Objekt steht, 2. vor allem durch die Aoristform. Denn da die dem ἠκοὺσατε beigeordneten beiden Verba προσετάττεσθε u. ἀπετάττεστε im Imperfekt stehen, kann der Aorist nicht wie die beiden anderen Verba eine vorübergehende Handlung in der Vorhalle des Baptisteriums bedeuten. Er muß vielmehr hier wie so oft den Eintritt eines Zustandes andeuten. Es ist also nicht richtig, wenn Joh. Mayer „Geschichte des Katechumenats und der Katechese in den ersten sechs Jahrhunderten“ (Kempten 1868) schreibt: „Wir begegnen der aperitio aurium nur im Okzident“ (S. 97). Eisenhofer wiederholt Mayers Behauptung ,(Thalhofer-Eisenhofer „Handbuch der katholischen Liturgik“ IL S. 291).
3: Nach Chrysostomus (2. Homilie zum 2. Briefe an die Korinther) knieten die Täuflinge bei der Abschwörung. Dionysius Areop. „Kirchl. Hierarchie“ II. 6 : „Der Hierarch stellt den Täufling mit dem Angesichtenach Westen hin, die Hände nach der gleichen Richtung abgekehrt und wegstoßend. In solcher Stellung gebietet er ihm, dreimal gegen den Satan zu blasen und dabei die Worte der Abschwörungsformel zu sprechen“.

Quelle hier.

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