Sonntag, 26. Mai 2013

Happy Schutzheiliger

Ich bin ja seit Ostern ein erklärter Fan des Hl. Philipp Neri. Am Gründonnerstag habe ich bei uns im Archiv gearbeitet und musste dort unter anderem Büche aussortieren. Dabei stieß ich auf ein Buch von Birgitta zu Münster über Philipp Neri. Da ich vorher die Info erhielt: Aussortiertes können sie mitnehmen, nahm ich die Gelegenheit zu einem frühen Ostergeschenk wahr und nahm das Büchlein mit.

Und der Heilige war mir außerordentlich sympathisch. Nicht das ein Heiliger zwanghaft sympathisch sein muss, manche Asketen machen einem ja eher Angst. Aber der Philipp, das war einfach einer, mit dem konnte ich mich identifizieren. Nicht, weil ich auch Visionen hätte. Sondern wegen seiner Art sich zu verhalten. Ein guter Freund bezeichnete mich in seinem Tagebuch - das ich mal Korrektur lesen durfte - als Theologieclown. Darin fühlte mich im Hl. Philipp verstanden. Auch er hatte ja etwas von einem Clown, einem Gaukler. Und ich meine, wir alle brauchen mehr davon.

Denn für Philipp war die Clownerie nicht Selbstzweck. Ihm ging es dabei wesentlich um Demut. Der Heilige, mit allen Gaben des Geistes und des Körpers gesegnet, war so clownhaft, um sich selbst zu verdemütigen. Nach einer Anekdote lief er einmal durch Rom, während er sich sehr laut und sehr falsch aus einem Buch vorlas. Denn er hatte erfahren, man halte ihn für intelligent, weise und gebildet. Ein anderes mal erwachte er während der Messe aus einer Ekstase - das kam bei ihm wohl öfter vor - und dreht sich dann zum Volk, um irgend etwas völlig absurd-lächerliches zu erzählen, damit man seine erhabenen Zustand nicht bemerke.

Für den Hl. Philipp war es nämlich nicht egal, was die Leute von ihm hielten. Nur war es ihm wichtig, dass sie nicht zu gut von ihm dachten. Wir hingegen haben genau das gegenteilige Problem. Wir wollen, dass man möglichst gut über uns denkt und reagieren peinlich berührt, wenn uns das nicht gelingt. Das ist aber das genaue Gegenteil von Demut, nämlich Stolz.

Der Hl. Philipp Neri ist in seiner freiwilligen Clownerie ein Vorbild für uns andere, die mehr oder weniger unfreiwillig zu Clowns werden, die wir uns lächerlich machen und geringgeschätzt werden. Dabei muss uns das nicht nur zum Problem gereichen, sondern kann uns nach dem Vorbild Philipps auch stärken. Denn in gewisser Weise haben die anderen ja recht. Wenn mein Freund mich als Thelogieclown beschreibt, stimmt das. Das ist für meinen Stolz sicher nicht förderlich. Aber für meine Demut schon. Denn es befördert mich wieder etwas mehr auf den Boden der Tatsachen. Und wenn ein Mann wie Philipp sich freiwillig zum Clown gemacht hat, dann kann ich es doch auch unfreiwillig tun. Daher ist er ein Schutzpatron dieses Blogs.

Wer mehr über Philipp Neri erfahren möchte, dem seien empfohlen:
Eine Kurzbiographie im Heiligenlexikon hier.
Ebenfalls eine biographische Auslegung dort.
Eine Novene zu Philipp gibt's da.
Ein Film bei kathtube hier.
Ein eigenes Label hat Philipp bei Sacerdos viennesis.

Kommentare :

  1. Ja, da gibt es einige lustige Geschichten. Sein Kumpane war dabei gelegentlich der heilige Kapuziner Felix von Cantalice, dem er dann zur Belustigung der römischen Kinder einen Hut aufsetzte oder sich mit ihm ein Wetttrinken auf offener Straße lieferte - natürlich nicht mit Alkohol. Kann ich nur erneut ein Buch von den Transalpine Redemptorists empfehlen, Good Philipp genannt.

    AntwortenLöschen
  2. Übrigens letztes Jahr ist in Aufhausen (bei Regensburg) das Oratorium des Hl. Philipp Neri wiederbelebt worden. Die Brüder dort haben auch den Hl. Philipp Neri für sich entdeckt...
    http://www.oratorium-aufhausen.org/

    AntwortenLöschen
  3. Oh, wie schön, dass du über Philipp Neri schreibst. Ich werde mir alle links in Ruhe durchlesen.

    Er ist Namenspatron von meiner älteren Tochter.

    AntwortenLöschen
  4. @Huppicke:
    Wie schön. Einen gesegneten Namenstag für sie.

    AntwortenLöschen
  5. Wer die chiesa nuova in Rom besucht, die Kirche des hl. Philipp, sollte sich die Privatkapelle und das Zimmer des Heiligen nicht entgehen lassen. Voranmeldung erforderlich: http://www.vallicella.org/camere-stanze-san-filippo/
    "Er sagte auch, dass um zur Vollkommenheit des geistlichen Lebens zu gelangen und vollkommen die Gabe der Demut zu gewinnen, vier Dinge notwendig seien: "Die Welt verachten, niemanden verachten, sich selbst verachten, verachten verachtet zu werden.
    Philipp Neri, Schriften und Maximen, 237.

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...