Dienstag, 21. Mai 2013

Diskriminiert die katholische Kirche Homosexuelle?


Bildquelle hier.
Viele Homosexuelle fühlen sich in Europa diskriminiert. Als eine wesentliche Trägerin dieser Einstellung machen die entsprechenden Gruppen die katholische Kirche aus. Entsprechend muss man sich als Katholik Vorhaltungen machen lassen und wird manches mal regelrecht verurteilt, weil man Homosexuelle diskriminiere. Wenn ich dann die Haltung der Kirche versuche darzulegen, bekomme ich meistens zu hören, schwul sein sei doch total normal und wenn es normal ist, dann muss man es akzeptieren. Jede Verweigerung, Homosexualität als normal anzusehen und den Homosexuellen die gleichen Rechte zu geben wie den anderen Normalen auch, ist dann Diskriminierung.

Eine Definition, die mir etwas zu platt ist. Gar nicht davon zu reden, was normal denn eigentlich ist, wird vor allem nicht gesagt, wo und wie Homosexualität denn normal sein soll. Denn eine Argumentation kann ich nur innerhalb eines Systems aufbauen. Denn in Nordhessen - wo die Bekannte herkommt - mag Homosexualität normal sein. In Italien aber nicht. Ist es dann Diskriminierung, wenn Homosexuelle in Italien nicht heiraten dürfen? Diese Überlegungen zeigen uns die Notwendigkeit, erstmal über Kriterien für Diskriminierung zu sprechen. Dann können wir diese Kriterien auf die katholische Kirche anwenden und dann schauen, ob sie Homosexuelle benachteiligt.

Zusammen mit einer mir bekannten Sozialwissenschaftlerin (Feministin, daher unverdächtig katholophiler Tendenzen) habe ich daher drei Voraussetzungen herausgearbeitet, die erfüllt sein müssen, damit man von Diskriminierung sprechen kann:

I. Diskriminierung muss persönlich empfunden werden. Man ist nur dann diskriminiert, wenn man auch das Gefühl hat, es zu sein. Wenn es für jemanden in Ordnung ist, z.B. wegen seiner Hautfarbe beurteilt zu werden, z.B. weil er selber ein Rassist ist, dann wird er auch keine Diskriminierung empfinden und wird folgerichtig auch nicht.

II. Diskriminierung richtet sich auf ein Gut. Diskriminiert kann ich nur dann werden, wenn das, was ich will, etwas Gutes ist. Niemand wir benachteiligt, wenn ihm etwas Schlechtes vorenthalten wird. So kann ich diskriminiert sein, wenn ich nicht reich bin. Aber niemand würde behaupten, ich werde diskriminiert, wenn ich nicht arm bin.

III. Diskriminierung muss als solche vom jeweiligen System anerkannt werden. Denn man kann sich ja in allen möglichen Situationen und aus allen möglichen Gründen ungerecht behandelt fühlen, aber wenn das nicht vom System, indem man sich bewegt, anerkannt wird, nützt das nichts. Ein Beispiel mag das illustrieren: Ein muslimischer Mann und eine Frau treffen sich in zwei unterschiedlichen Situationen. Im ersten Fall fragt der Mann die Frau, ob sie mit ihm schlafen wolle. Sie verneint das und er fühlt sich diskriminiert, weil er meint, sie habe dies wegen seinem Glauben abgelehnt. Im zweiten Fall möchte er die Wohnung mieten, die sie zur Miete ausgeschrieben hat. Sie lehnt ab und er fühlt sich zurückgesetzt, weil er es auf seinen Glauben bezieht. Niemand würde sagen, die Frau diskriminiere ihn, weil sie nicht mit ihm schlafen will. Im zweiten Fall würden aber viele von Diskriminierung sprechen.

Wenden wir diese drei Kriterien nun auf die Haltung der katholischen Kirche gegenüber den Homosexuellen an:

I. Das ist bei den meisten Homosexuellen, von denen wir hören, der Fall. Sie fühlen sich durch die Kirche benachteiligt, weil diese ihnen nicht die gleichen Möglichkeiten im Sakramentenempfang gewährt wie den heterosexuellen Gläubigen.

II. Für die katholische Kirche ist praktizierte Homosexualität Sünde. Das entnimmt sie zum einem dem Naturrecht, zum anderen dem Apostel Paulus, der schreibt: "Gleicherweise verliessen auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau und entbrannten gegeneinander in ihrer Begierde, sodass Männer mit Männern Schande trieben und den verdienten Lohn ihrer Verwirrung an sich selbst empfingen“ (Röm 1,27). Sünde ist aber nichts Gutes, sondern etwas Schlechtes. Praktiziert der Homosexuelle also seine Haltung, richtet er sich nach etwas Schlechtem aus. Durch Verweigerung der Zustimmung hierzu kann er daher nicht diskriminiert werden.

III. Bedeutet die Verweigerung der Sakramentenempfanges, vor allem der Eucharistie und der Ehe, eine Diskriminierung im System der Kirche? Nein. Denn die Sakramente sind an Vorraussetzungen gebunden und wer diese nicht erfüllt, der kriegt sie nicht. Wenn ich keinen Führerschein habe, darf ich nicht Autofahren. Und wenn ich in einer homosexuellen Partnerschaft lebe, kann ich das Altarsakrament nicht empfangen und werde nicht getraut. Das meint die Kirche ebensowenig böse wie der Staat, wenn er einem  10 Jährigen das Autofahren verweigert. Es ist für alle Beteiligten besser, wenn es nicht passiert. Denn der Hl. Paulus schreibt: "Wer unwürdig ißt und trinkt, ißt und trinkt sich das Gericht" (1 Kor 11,29). Wenn aber, wie die Kirche wiederum mit Paulus festgestellt hat, die fortdauernde bewusste Praktizierung von Homosexualität eine dauerhafte Sünde ist, dann schadet dem Menschen der Empfang des Sakraments mehr als es ihm nützt. Und wenn die Ehe eine Stiftung Gottes für den Bund zwischen Mann und Frau ist, um den Auftrag Gottes in der Genesis zu verwirklichen und auf diese Weise zur persönlichen Heiligung beizutragen, dann kann die Kirche ein homosexuelles Paar nunmal auch nicht trauen. Das ist dann aber auch keine Diskriminierung, sowenig wie jemand benachteiligt wird, weil er nicht über Wasser gehen kann.

Fassen wir zusammen: Von den drei genannten Bedingungen für Diskriminierung ist in der Regel nur eine Bedingung erfüllt, nämlich sich diskriminiert fühlen. Die beiden anderen Bedingungen treffen auf den Umgang der Kirche mit Homosexualität nicht zu, soweit man innerhalb des Systems der Kirche argumentiert. Nun kann man natürlich auch sagen, das System der katholischen Kirche interessiere nicht, sondern man müsse ein anderes System, z.B. das von Nordhessen, anwenden. Wenn man aber sagt, die Haltung der Kirche sei irrelevant für die Argumentation, dann ist auch die Folgerung der Kirche irrelevant. Kurz gesagt: Wenn es mir schnuppe ist, wie die Kirche über Homosexualität denkt, werde ich von ihr auch nicht benachteiligt. Folgerichtig diskriminiert die Kirche weder diejenigen, die innerhalb ihres Systems argumentieren noch diejenigen, die ihre Haltung ohnehin nicht interessiert.

Kommentare :

  1. naja, Punkt II ist aber nicht ganz sauber argumentiert...

    denn das, wovon der Homosexuelle ausgeschlossen wird (die Eucharistie) ist zweifellos etwas Gutes. Ob der Tatbestand, dessentwegen er ausgeschlossen wird, gut oder schlecht ist, steht dabei nicht zur Debatte. Für einen Rassisten ist ja z.B. die schwarze Hautfarbe eines Menschen auch etwas Schlechtes. Ausschlaggebend für das Kriterium II ist aber, dass der Rassist dem Schwarzen etwas Gutes verweigert (z.B. an einer Universität zu studieren).

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  2. Bitte furchtbares Foto entfernen, danke ;-)

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  3. @Geistbraus:
    Ich würde dein Argument eher Punkt III zuordnen. Unter Punkt II steht die Frage, ob das homosexuell Sein an sich gut oder schlecht ist. Diese Frage wiederum beeinflusst Punkt III. So ist die Kommunion an sich etwas Gutes, für denjenigen, der bewusst in Todsünde lebt, aber etwas Schlechtes, weil sie seine Sünde mehrt, die zu Empfangen. Um in deinem Beispiel zu bleiben: Der Rassist sagt nicht nur, dass Schwarz sein etwas Schlechtes ist. Zugleich geht er wahrscheinlich auch davon aus, dass für einen schwarzen ein Studium (an sich gut) etwas Schlechtes ist, weil er zu dessen Bewältigung nicht in der Lage sei und durch den Besuch seine "Rolle" in der Welt nicht wahrnehme.

    @Konstantin:
    Das Bild bleibt, um die Katholiken mit Schrecken zu erfüllen - dann freuen sie sich umso mehr über die Argumentation - und die Befürworter der Diskriminierungsthese in eine positive Grundstimmung, dann regen sie sich vllt. nicht gar so auf.

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  4. @MC, sorry, aber das geht nicht auf. Aus Deinen Ausführungen müsste man schließen, dass ein Rassist einen Schwarzen gemäß Punkt 2 gar nicht diskriminiere, weil er ihn ja nur davor bewahrt, etwas für ihn Schlechtes zu tun (zu studieren). Der Schwarze wird sich schön bedanken und die Beurteilungsmaßstäbe des Rassisten genausowenig übernehmen wie der Homosexuelle die Beurteilungsmaßstäbe des Katholiken. Wenn Punkt 2 einen Sinn haben soll, kann es nur darum gehen, was der potenziell Diskriminierte als Gut bewertet.

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  5. @Geistbraus: Das von dir angesprochene Problem ist das Problem des ganzen Themas. Alle drei Punkte stehen ja nicht für sich alleine, sondern sind eng aufeinander bezogen. Wenn ich mich in Punkt I schon nicht diskriminiert fühle, sind mir die beiden anderen Punkte auch egal. Wenn ich aber sage, dass Homosexualität etwas an sich Gutes ist und ihre Ausführung daher auch, sehe ich natürlich nicht ein, warum Kirche mir ein gutes Sakrament verweigert. Wenn ich mich aber im System Kirche bewege und argumentiere, um die Kommunion zu empfangen oder getraut zu werden, muss ich notwendigerweise auch deren Wertmaßstäbe anerkennen. Es handelt sich daher bei dem Post um die Analyse eines intrasystematischen argumentativen Vorganges. Kirche könnte aber auch nur innerhalb ihres eigenen Systems diskriminieren, weil ihr ja keiner (mehr) angehören muss.

    Die Frage, wieweit dann die Meinung der Kirche zu diesem Thema nach außen kommuniziert werden dürfte, müsste separat behandelt werden. Da grübel ich schon drüber.

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