Dienstag, 28. Mai 2013

Das Urevangelium nach Markus

Die Erzpäpstin Maria II. Mayr-Lumetzberger hat eine neue Version des Neuen Testamentes herausgeben, indem "die wahren Schriften der Heiligen Frauen und Männer der Jesus-Bewegung zu Wort kommen" (wir berichteten hier). Dabei bezieht sich Mayr-Lumetzberger auch auf das sogenannte Urevangelium nach Markus. Wir wollen mit jener Frau sprechen, die es den Tiefen des Vergessens entrissen hat, Frau Prof. Dr. Wilhelmine Küsselbecker.

Frau Prof. Dr. Küsselbecker, was ist das Urevangelium nach Markus?

Der Urmarkus, so wollen wir es im Weiteren der Einfachheit halber nennen, ist das eigentliche Evangelium, das der Evangelist Markus geschrieben hat und das später durch eine zensierte Version, den sogenannten Zensus-Markus, ersetzt wurde.

Wie kam es dazu?

Die Tradition der Kirche identifiziert Johannes Markus, einen Begleiter des Petrus, als Autor des Evangeliums. Das ist allerdings nur halb richtig. Es war wohl wirklich besagter Markus, aber er war kein Begleiter des Petrus, sondern der Maria Salome, der ersten Apostelin.

Die erste Apostelin?

Die jesu-marianische Bewegung kannte zwei Kernkreise. Der Bekannteste waren die sogenannten Zwölf, deren Sprecher Petrus war. Daneben gab es aber auch einen weiteren weiblichen Kreis, ebenfalls zwölf, deren Sprecherin Maria Salome war.

Einen Moment, im Buch von Frau Dr. Erdfrau-Witzelstein (Bericht hier), das sie unterstützt haben, wird aber behauptet, es habe nur einen Kreis der Zwölf gegeben, der aber überwiegend aus Frauen bestand, Was denn nun?

Wie sie richtig sagen, handelt es sich um die Arbeit von Frau Dr. Erdfrau-Witzelstein. Ich war zwar ihre Doktormutter, aber nie so von dieser Idee überzeugt und hatte immer schon meine Zweifel an dieser Version.

Dennoch haben sie in der Auseinandersetzung mit P. Simplicius im Theologischen Beobachter sehr nachdrücklich für diese These gestritten.

Also das íst doch hier gar nicht das Thema. Also der Evangelist Markus war der Begleiter von Maria Salome und die hat ihm das Evangelium diktiert. Leider musste sie dabei schon auf die theologische Fehlentwicklung der petrinisch-paulinischen Überformung der Bewegung Rücksicht nehmen, um sich nicht ganz ins Abseits zu schießen. So hat sie die Vorstellung, Jesus sei der Anführer der Gruppe gewesen, ins Evangelium geschrieben, obwohl es ja offensichtlich Maria Magdalena war. Dennoch betont sie die Rolle Mariens und gibt uns somit zumindest einen Eindruck von der Wahrheit.

Und der Zensus-Markus?

Der entstand im Rahmen der anderen Evangelien. Markus war ja der erste. Nachdem Matthäus, Lukas und Johannes ihre Evangelien geschrieben hatten, kam es im 2. Jh. zu ersten Kanonisierungsbemühungen. Dabei stellte man fest, wie sehr Markus vom Bild der drei anderen, im weiten anti-maria Synoptiker, abweicht. Und damit diese Abweichung des patriarchale Gewaltmonopol der männlich-semiheidnischen Führungseliten nicht ins Wanken bringt, hat man alle Stellen, die Marias Bedeutung hervorheben, weggeschnitten. So entstand der Zensus-Markus.

Sie haben uns ja einige Beispiele mitgebracht.

Gut das sie es ansprechen. Ich habe hier drei Stellen, die sie gerne abdrucken dürfen:

4,35-41 Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn. Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief und neben ihm Maria. Sie weckten Maria, die sich jedoch total cool war. Da weckten sie Jesus und riefen: Meister, kümmert es euch beide nicht, dass wir zugrunde gehen? Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen? Maria aber gab ihnen zur Antwort: Er ist der Messias, der von Gott besonders geliebte Mensch.

9,30ff Sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa. Er wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr; denn er wollte seine Jünger_innen über etwas belehren. Er sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen. Aber sie verstanden den Sinn seiner Worte nicht, obwohl Maria es ihnen erklärte.

16,1-8 Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben. Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab, als eben die Sonne aufging. Sie sagten zueinander: Kommt, wir rollen den Stein vom Grabe weg, denn dafür brauchen wir starke Frauen keinen Mann! Doch als sie hinblickten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war; er war sehr groß. Sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem weißen Gewand bekleidet war; sie aber blieben ganz lässig. Er sagte zu ihnen: Gut, das ihr gekommen seid, Apostelinnen Jesu! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte. Nun aber geht und verkündet seinen Jüngern: Er geht uns voraus nach Galiläa; dort werden wir ihn sehen, wie er es uns gesagt hat. Da verließen sie das Grab und berichteten alles mutig und selbstbewusst den Jüngern; und alle hörten auf sie und freuten sich über ihr wahres Zeugnis.

Vielen Dank, Frau Prof. Dr. Küsselbecker.
Maria Salome, Johannes Markus und Wilhelmine Küsselbecker: Das Urevangelium nach Markus, kommentierte Studienausgabe, für 34,43 Euro bei Küsselbecker&Epigonen.

Kommentare :

  1. Kann man das bahnbrechende Werk bei dir online bestellen?

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  2. Leider wird diese besonders wertvolle Ausgabe nur an ausgewiesene Förderer der Reform verkauft. Wenn du mir also ein Empfehlungsschreiben von Mayr-Lumetzberger, Hw. Schüller oder Hans Küng schickst, werde ich dir eines zusenden. Ranke-Heinemann wird als Empfehlende nicht angenommen.

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