Donnerstag, 9. Mai 2013

Das Frauendiakonat und die historische Ämterentwicklung


Bezugnehmend auf diesen Post.

Freundlicherweise wurde ich von einem Leser meines Posts und meiner Kommentare bei Ameleo auf eine problematische Begrifflichkeit bzgl. der Frage der Ämterentwicklung hingewiesen.

Es wird kritisiert, ich widerspräche mir bzgl. meines Verständnisses von Amt in der frühen Kirche selber. Das sehe ich zwar etwas anders, doch räume ich einen Lern- und Klärungsprozess meinerseits während der Kommentardiskussion ein. Das sehe ich aber nicht als Nachteil. Ich erkenne jedoch vor allem begriffliche Schwierigkeiten an, die missverständlich sein können. Da sich dies auch auf den Post bezieht, sollen daher hier einige klärende Worte verloren werden.

Besonders wird meine Unterscheidung zwischen Funktion in der apostolischen Zeit und des Amtes in der alten Kirche kritisiert. Damit gefährde ich die apostolische Sukzession. Dahinter steht, meines Erachtens, der Versuch, das Diakonat in der Urkirche zu standardisierten, um es den Frauen vollgültig zuschreiben zu können. Demnach wäre mit dem Begriff Diakon in Hl. Schrift immer jene Form des Diakonates gemeint, wie wir sie für die Jerusalemer Urgemeinde bei den sieben Diakonen beschrieben finden. (Apg 6,1-7) Oder doch zumindest eine Form, die mit einer sakramentalen Weihe verbunden war.

Damit wird man jedoch meiner Meinung nach den Verhältnissen im frühen Christentum nicht gerecht. Gerade die apostolische Zeit zeichnet sich durch eine große Dichte an Klärungprozessen aus, in deren Verlauf sich u.a. die Weiheämter entfaltet haben, wie sie seit der alten Kirche bis heute zu finden sind. Dementsprechend meine ich mit Amt jene entfalteten Weiheämter, mit Funktion jene Formen, die dorthin geführt haben bzw. in ihrem engeren und weitern Kontext stehen. Ein Beispiel ist der Apostelbegriff. Die exegetische Forschung hat allein fünf verschiedene Bedeutungen dieser Funktion herausgearbeitet. Ein solches Phänomen kann nicht nur auf die Apostel bezogen werden, wenngleich es hier besonders ausgeprägt sein mag. Dies gilt auch für das Diakonat der Frau. Wie bereits in vorhergehenden Post ausgeführt, gab es in Teilen der alten Kirche ein Frauendiakonat, das sich jedoch vom sakramentalen Weihediakonat der Männer unterschied. Dies kann auf zwei Weisen interpretiert werden: zum einen auf eine Auskopplung des Frauendiakonats aus dem Amtssystem, obwohl es in der Urkirche in der apostolischen Sukzession stand; zum anderen eine Unterscheidung zweier Diakonatsformen bereits in apostolischer Zeit, die jedoch damals nicht begrifflich unterschieden wurden. Für den ersten Fall müsste man, was vielerorts getan wird, die Durchsetzung einer patriarchalischen Strömung gegen die apostolische Tradition annehmen, im zweiten Fall eine begriffliche Unschärfe. Das zweite scheint mir eher wahrscheinlich und ist mir, das soll nicht verschwiegen werden, auch wesentlich sympathischer als der Versuch, eine Verformung apostolischer Traditionen anzunehmen. Eine nähere Untersuchung würde sich in diesem Kontext zwar lohnen, kann jedoch an dieser Stelle momentan nicht geleistet werden - ich hab ja auch noch was anderes zu tun.

Es bleibt aber die Frage, ob mein Konzept die apostolische Sukzession in Frage stellt. Meiner Ansicht nach nicht. Diese ist an die sakramentale Weiheidentität gebunden, also von der Absicht der Apostel, Nachfolger, Stellvertreter oder Hilfskräfte einzusetzen und ihre Vollmachten durch Handauflegung daher auf die Weihekandidaten zu übertragen bzw. ihnen Anteil daran zu geben. Diese Absicht können wir aber an einigen Stellen in der Hl. Schrift finden (Apg 6,1-7; 1 Tim 4,14; 2 Tim 1,6; Tit 1,5). Die Sukzession bleibt daher bei der Ausformung der Ämter und der (eher begriffstheoretischen) Unterscheidung von Funktion und Amt unbeschadet.

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