Dienstag, 7. Mai 2013

Das Diakonat der Frau in historischer Argumentation

Das Diakonat der Frau ist ein leidiges Thema für alle Beteiligten. Für die befürwortenden Frauen, weil sie eigentlich nicht nur Diakoninnen werden wollen, sondern auch Priesterinnen und Bischöfinnen. Für die Gegner, weil sie die Angelegenheit als entschieden betrachten und sich wundern, warum man noch endlos Querelen um das Thema ausfechten muss, wo es doch wichtigere Probleme in der Kirche gibt. Ich selbst habe auch mein Sträußchen mit der Angelegenheit auszufechten.

Denn leider gehört es zu den klassischen Versuchen der Befürworter des Diakonates, die Urkirche argumentativ vorzuschieben. Die Argumentation heisst dann: Früher gab es Diakoninnen, dann wurden sie wegen einer patriarchalischen Gesellschaft ausgegrenzt, heute ist die Gesellschaft gegendert, deswegen können Frauen geweiht werden. Zutreffend an dieser Darlegung ist, dass es Frauen gab, die Funktionen ausübten, die man mit dem Begriff des Diakons bezeichnet hat. Ob das eine Weihe war, können wir nicht sagen. Sicher ist, das aber mit der Herausbildung eines Amtsverständnisses keine sakramentale Weihe einer Diakonin stattfand. Die altkirchlichen Diakoninnen wurden nicht sakramental geweiht, sondern auf andere Weise in ihr Amt berufen. Das kann darauf hinweisen, dass es diese Unterscheidung bereits in der Urkirche gab, muss es aber nicht zwingend.

Beliebt ist auch der Versuch, die Stellen, die Frauen in der Gemeinde einschränken, Paulus abzusprechen. Unabhängig davon, ob dies zutreffend ist, ändert es indes nichts an der Autorität der Stellen. In diesem Kontext werden dann verschiedene Richtungen im Christentum entdeckt, von denen sich die patriachale Richtung durchgesetzt habe und ihre Sicht der Dinge in den Pastoralbriefen - besonders Titus und 1. Timotheus - verewigt habe. Das es in der Urkirche viele Richtungen gab, ist natürlich kein Geheimnis. Und in manchen werden Frauen eine größere Rolle gespielt haben als in anderen. Auch kein Geheimnis. Doch sagt das nichts über die Gülitgkeit dieser Richtungen für unsere Zeit aus. Wir kämen ja auch nicht auf den Gedanken, im Interesse einer Ökumene mit den Juden die Speisevorschriften wieder einzuführen oder wenigstens jene Regeln, die auf dem Apostelkonzil eingesetzt wurden. Die gab es ja auch mal. Auch Zungenrede ist heute nicht mehr so up-to-date und Prophetien musste schon mit der Lupe suchen. Jeder Historiker wird ganze Bücherregale voll finden mit Ideen und Dingen, die irgendwann mal von irgendwem in der Kirche vertreten wurden. Sicher, man kann behaupten, Paulus habe die Frauen als Diakoninnen geschätzt. Paulus hat aber auch die Ehelosigkeit geschätzt, trotzdem sind die Reformer gegen den Zölibat. Zudem, und das fällt auf, hat sich offenbar eine bestimmte Linie in der Kirche schon sehr früh durchgesetzt, wahrscheinlich in oder kurz nach der apostolischen Zeit. Das spricht dafür, wenn man die Kirche als vom Hl. Geist geleitet ansieht, dass hier eine authentische Lehre der Apostel sich entfaltet und andere Richtungen überformt hat.

Nun wird üblicherweise versucht, das ganze der patriarchalen Umgebung unterzuschieben, um durch diese Bedingtheit und ihre Veränderung die Sache durchzudrücken. Dagegen spricht aber, dass schon in den Briefen öfters unterschieden wird zwischen zeit- und gesellschaftsbedingt und einer Aussage, die sich auf das Wesen der Sache an sich bezieht. Die Frage von Frauen in der Gemeinde gehört in Teilen dazu. Ein weiterer Punkt ist, dass man hier ein Bild des 19. Jh. - the best anti-women-century ever - auf die Antike projeziert. Was etwas problematisch ist. Frauen waren, unterschiedlich je nach Kulturkreis, wesentlich emanzipierter als viele Frauen zu Beginn des 20. Jh. Zudem wimmelte es in der heidnischen Umwelt des Judentums nur so von Priesterinnen in Führungs- und Leitungsfunktionen. Besonders promiment sind hier die Vestalinnen in Rom - die Obervestalin durfte an Senatssitzungen teilnehmen und hatte in bestimmten Situationen Anrecht auf einen Liktoren - und die Isis-Priesterinnen. Und da die Mehrzahl der Christen schon am Ende der apostolischen Zeit aus dem Heidentum gekommen sein dürfte, gab es kaum Gründe, warum Frauen hier nicht priesterliche oder diakonale Weiheämter hätten ausüben können. Einer Kirche, die zum Martyrium bereit war und ohnehin im Verständnis der Antike eigenwillige Praktiken hatte, opportunistisches Anpasslertum vorzuwerfen, fällt zudem schwer.

Als Historiker, wohlgemerkt nicht als Theologe, kann ich also wenig finden, was die Argumentation der Befürworter untermauert. Aus theologischen Spitzfindigkeiten und exegitschen Spezialanalysen halte ich mir allerdings raus, sodass hier durchaus Argumente der Befürworter erschlossen werden können, die in meinem toten Winkel liegen. Allerdings scheint mir die theologische Konzeption, wie sie durch den Vatikan und die lehramtsnahen Theologen vertreten werden, mit den Quellen am nächsten zu vereinbaren, während viele Befürwortertheorien zwar theologisch und pastoral ihr gutes haben mögen, die Quellen aber brutal auf ihre Konzeption hin umdeuten.

Wer sich näher mit dem Thema beschäftigen will, den Verweise ich auf:
Prof. Manfred Hauke, gegen den Diakonat, auf kathnet hier.
Derselbe, über das gleiche Thema, in Theologisches hier, S. 309-320.
Dr. Manfred Diefenbach, für das Diakonat, auf explizit.net hier.
Dr. Antje Schrupp, für das Diakonat hier.
Eine Analyse aus Sicht der Orthodoxie mit Schwerpunkt auf dem 1. Korintherbrief gibt es hier.
Mein Sträußchen es in der Kommentarspalte bei Ameleo findet ihr hier.
Wolfgang Seibel SJ, in ausgewogener Darstellung, in Stimmen der Zeit hier.

Kommentare :

  1. Bedenke Sie doch einfach einmal die Tatsache, dass die Päpstliche Bibelkommission in der Vorbereitung zu Inter insigniores, auf das sich ordinatio sacerdotalis bezieht, zu dem Schluss kam, dass man auf der Grundlage des NT nicht gegen die Frauenordination argumentieren kann, 12 der 17 Mitglieder waren der Auffassung, dass das NT eher zu der gegenteiligen Schlussfolgerung führe, dass man Frauen ordinieren könne.

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  2. @Hans Karl:
    Die Aussage der päpstlichen Bibelkommission widerspricht dem von mir dargestellten m.K. nicht, da diese feststellt, man könne aus dem NT keine Ablehnung der Frauenordination definitiv feststellen. Dies geht aus meinem Text ebenfalls hervor.

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