Freitag, 17. Mai 2013

Alte vs. Neue Messe


Das Motu Proprio Summorum Pontificium hatte den Sinn, "dass die Kirche Christi der Göttlichen Majestät einen würdigen Kult darbringt, "zum Lob und Ruhm Seines Namens" und "zum Segen für Seine ganze heilige Kirche". Neben der Anhänglichkeit mancher an die alte Form des römischen Ritus dürfen wir in diesem Anliegen des Papstes einen zweiten Aspekt der Wiederseinsetzung der gregorianischen Form der Messe erkennen. Es ging daher auch um eine Befruchtungen beider Formen füreinander, was z.B. in der Zulassung der Lesung in deutscher Sprache unter bestimmten Bedingungen für die alte Messform sichtbar wird.

Leider kam nach diesen deutschen Lesungen und der Karfreitagsfürbitte nicht mehr so viel zur Reform des alten Ritus. Ich selbst (als ob das wen interessiert) hätte mir mehr Schritte in dieser Richtung gewünscht. Denn ich gehöre zu denen, die etwas indifferent zwischen den Stühlen sitzen. Zum einen gehe ich in beide Formen - praktisch bedingt mehr in die neue - zum anderen finde ich in beiden aber auch Dinge, die ich bissel suboptimal finde (als ob das relevant wäre). So bin ich der Meinung, eine Lesung, die keiner außer Latein-Lehrern und dem Pfarrer (wenn überhaupt) versteht, wäre in Deutsch sinnvoller. Und wenn man sie eigentlich dem Volk verkündet, sollte sie auch dem Volk vorgelesen werden und nicht der Nordwand. Zum anderen halte ich die totale Entmystifizierung des Wandlung, indem man sie in Deutsch liest und der Priester dabei vor aller Augen hantiert, für gar nicht förderlich, ein sakramentales Bewusstsein auszuprägen.

Man kann sicher viel über den Geist sagen, der beide Liturgien durchweht. Viele kluge Menschen haben viele kluge Bücher darüber geschrieben, warum die eine Form besser sei als die andere. Wir müssen uns hier nicht den Illusionen mancher Piusbrüder hingeben, die davon phantasieren, die paulinische Form werde irgendwann eingestampft und es gebe liturgisch eine Rolle rückwärts. Die Anliegen, die mit der Liturgiereform sicher übererfüllt wurden, sind wenigstens 50 Jahre älter als sie. Man kann guten Gewissens sagen, dass sie irgendwie mit Pius X. anfingen, der den Gedanken einer pädagogischen, volksnahen Liturgie in den Raum der globalen Kirche eingepflanzt hat, der schon einige Zeit länger in ihr vage waberte. Zugleich ist es unfair, der neuen Liturgie die alleinige Schuld am Kollaps zuzuschieben, die die Frömmigkeit der Katholiken in den 70er Jahren erlebt hat. Daran war auch anderes beteiligt.

Im Geist Benedikts gilt es aber besonders zu fragen, welche Einflüsse beide Formen aufeinander ausüben können. Vor allem die neue kann von der alten Messe profitieren, da die erste sehr viel beweglicher ist und man, wenn geschickt angestellt, die neue fast als alte Form halten kann. Benedikt XVI. hat es ja vorgemacht und Franziskus ist zumindest noch nicht mit der Axt dreingeschritten, wenn man mal von diesem Sperrholzmöbel in der Sixtina absieht, das ihm Marini vllt. wieder ausreden kann. Die Förderung der lateinischen Kultsprache, besonders im Hochgebet ist ein Beispiel, wo hoffentlich bleibend Akzente gesetzt wurden, die leider noch nicht richtig in die Gemeinden gesickert sind. Besonders wichtig aber scheint mir (Achtung! Superwichtige Meinung) die mit Benedikt begonnene Entkrampfung, was die Gestaltung der neuen Form angeht. Sie hat in der Gebetsrichtung bereits begonnen. Im Stil der alten Basiliken zelebrierte er in St. Peter wie Johannes Paul II. weiterhin "zum Volk" (Augenrollen), in der Sixtina aber "versus orientem" (bei einer gewesteten Kapelle).

Entkrampfungsmöglichkeiten gibt auch in anderen Bereichen. Heute gilt es mitunter als Ausmaß der Rechtgläubigkeit, wie nah der Tabernakel am Altar ist. Wer in eine gotische Kirche geht, in der die Sakramentenhäuschen noch nicht abmontiert wurden, wird schnell feststellen, wie wackelig dieser Ansatz ist. Die Verbindung von (Haupt-)Altar und Tabernakel ist ein Phänomen, das sich erst nach dem Tridentinum in der ganzen Kirche verbreitet hat und das auch nicht für alle Kirchen galt. Ein weiteres Phänomen sind die unter Tradis wie mir beliebten Barock-Kaseln. Mancher bemisst heute die Liebe des Pfarrers zur Messe in Spitze und barockem Goldbrokat und übersieht dabei, dass die Nachkonzilskaseln nicht aufs hohe Mittelalter zurückgreifen, sondern Weiterentwicklungen der Neo-Gotischen Kaseln sind, die seit dem ausgehenden 19. Jh. in großen Teilen Europas bis zum Vatikanum II gebräuchlich waren. Das ich trotzdem die Barockkaseln lieber mag und die Zirkuszelte mancher Pfarrer am liebsten in den hintersten Winkel der Sakristei sperren würde, ist eine persönliche Geschmackssache, die man nur mittelbar mit liturgischem Bewusstsein verwechseln kann.

Papst Franziskus, der in der Liturgie im Stil der Jesuiten weit weniger benediktinisch ist, hat in diesem Sinne bereits neue Akzente gesetzt. Ob diese uns immer so gefallen, sei dahingestellt. Ohne Zweifel nimmt Franziskus die Liturgie sehr ernst, neigt aber zu einem deutlich spartanischeren Stil. Damit werden gerade wir Konservative herausgefordert, Bilder, die uns so lange lieb geworden sind, zu überdenken. Und wenn es uns gelingt, uns von alten (Vor-)Urteilen zu lösen wird das die Befruchtung der neuen durch die alte Form sicherlich weiter fördern und das Erbe Benedikts auch in diesem Bereich weitertragen.

Kommentare :

  1. Bezüglich der Lesung und des Evangeliums in Latein:
    Ich habe mal irgendwo gelesen, dass in der "alten Messe" die Lesung und das Evangelium als Gebet zum Herrn verstanden werden soll und nicht eine Lesung für das Volk.

    Alls nur gelegentlicher "alte Messe" Besucher finde ich die Praxis die ich bei der FSSP antreffe, wo Lesung und Evangelium dann zusätzlich in der Landessprache vorgetragen werden, ein sehr guter Weg. So kann ich den Worten in Latein lauschen, ohne im Schott mitlesen zu müssen.

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  2. Die Vorstellung von Lesung und Evangelium als Gebet ist mir auch bekannt. Allerdings hat sich diese Vorstellung ja mitlerweile wieder in ein Vortragen ans Volk gewandelt. Die Strategie der Petrusbrüder finde ich auch sympathisch, wobei m.K. in machen Messen mitunter direkt auf Deutsch vorgetragen wird.

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  3. Es ist übrigens nicht nur die Vorgehensweise der Petrusbrüder, das Evangelium wird auch bei der Piusbruderschaft auf Deutsch vorgelesen, wobei ich mir bei den stillen Messen nicht ganz sicher bin.

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