Dienstag, 30. April 2013

Irgendwie beleidigt sein

Ich sagte zum Vater Antonius:
Manchmal fühle ich mich von den Menschen nicht genug beachtet; z.B. wenn ich ihnen einen kleinen Gefallen erweise, wie ihnen beim Vorbeigehen die Tür aufzuhalten, und sie sich weder bedanken noch es zur Kenntnis nehmen.

Da antwortete er:
Daran erkennst du deinen Stolz und deine mangelnde Demut, da du immer noch meinst, du hättest Lob und Anerkennung verdient. Bedenke in solchen Situationen dreierlei:

1. Handelst du immer so, wie du es von anderen forderst. Wenn dir ein anderer einen kleinen Gefallen tut, bedankst du dich dann oder nimmst es wenigstens zur Kenntnis. Ist es nicht schon oft vorgekommen, das ein anderer dir geholfen hat, ohne das du es bemerkt hättest? Warum also soll sich der andere bei dir bedanken, wenn du selber es nicht immer tust.

2. Der zweite Gedanke tritt noch stärker hervor, wenn du ihn auf Gott beziehst. Denn der Herr hat dich geschaffen und jeden Augenblick deines Lebens hält er dich im Sein. Denke nur an all die Gelegenheiten, bei denen du hättest sterben oder bei denen dir ein anderes Unglück hätte widerfahren können. Und all diese Beispiele sind nur ein kleiner Bruchteil aller guten Taten, die dir der Herr tagtäglich zukommen lässt. Denn wenn er seine Hand von der nehmen würde, so würden dich die Pforten der Unterwelt sogleich überwinden. Dankst du Gott jeden Augenblick deines Lebens dafür? Oder wenigstens bei den Ereignissen, die du bewusst erlebst? Wenn du aber deinem Herrn, der für dich so unendlich viel mehr tut als du dem anderen, nicht dankst, wie kannst du dann meinen, der andere müsse dir danken?

3. Du siehst, wie angemessen es ist, wenn dir andere mit Missachtung begegnen. Nicht weil sie selber so vollkommener wären, sondern weil du dies durch dein Verhalten ihnen und Gott gegenüber verdient hast. Denke nun aber an unseren Herrn Jesus Christus. Er war vollkommen und hat es verdient, nur das Beste von den Menschen zu erfahren. Besonders, weil er für sie am Kreuz gestorben ist. Hat er aber von den Menschen Dankbarkeit und Verehrung erfahren? Nein! Vielmehr wurde er selbst von seinen Jüngern oft mit Missachtung gestraft und litt unter den Torheiten der Welt. Wenn aber Jesus das viele auf sich genommen, der es nicht verdiente, so kannst du das wenige auf dich nehmen, was du verdienst, um dadurch Christus nachzufolgen.

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