Dienstag, 5. Februar 2013

Die Wirkung der Sünde auf andere


Die Sünde, die ich begehen, hat im Wesentlichen drei Folgen:
1. Gott wird beleidigt.
2. Mein Verhältnis zu Gott wird gestört.
3. Das Verhältnis der anderen zu Gott wird gestört.

Jeder, der einen Begriff von Sünde hat, wird dem Punkt 2 sofort zustimmen. Klar, wenn ich sündige, tue ich mir selbst nicht gut, weil mein Verhältnis zu Gott als dem Ursprung alles Guten gestört wird.

Die Meisten machen dann, nach einiger Überlegung, noch einen Schritt mehr, wenn sie darüber nachdenken, warum denn die Sünde die Beziehung zu Gott stört. Weil Gott durch sie beleidigt wird. Denn Gott hat die Menschen zu seinem Lob geschaffen, hat ihnen eine Ordnung gegeben und sich auf eine Beziehung mit ihnen eingelassen. Indem wir sündigen verweigern wir Gott den Lobpreis, brechen aus seiner Ordnung aus und treten die Beziehung mit Gott mit Füssen.

Aber Punkt 3? Gut, Ok, kann man nachvollziehen unter der Bedingung, dass ich mit einem anderen sündige. Einfaches Beispiel: Ich schlafe mit einer verheirateten Frau. Damit sündige ich erstens für mich selber und beteilige zweitens die andere an derselben bzw. ermögliche oder fördere ihre Sünde. Wenn ich jetzt aber, um beim Geschlechtlichen zu bleiben, zuhause Pornos schaue, verstricke ich damit doch niemanden in meine Sünde. Oder? Doch!

Und das auf zwei Weisen:

Zum ersten ändert sich dadurch mein Verhalten. Denn alles, was ich mache, hat ja Einfluss auf mich und damit auf mein Tun. Wenn ich also dauernd Pornos konsumiere, wird das mein Verhalten gegenüber Frauen auf die eine oder andere Weise beeinflussen. Und das nicht zum Besten. Sicher, die wenigsten Männer, von denen die meisten mehr oder weniger mal Pornographie geschaut haben, sehen in allen Frauen potentielle und willige Sexualpartnerinnen. Aber ein Einfluss, gerade bei einer gewissen Regelmäßigkeit, wird jeder Ersti Psychologie bestätigen. Durch die eine Sünde befördere ich also wiederum andere Sünden, wodurch die erste mittelbar die zweite in mir mit hervorbringt.

Der zweite Aspekt aber ist nicht weniger dramatisch, jedoch weniger gut fassbar. Wenn die Sünde der Ausbruch des Menschen aus der göttlichen Ordnung ist, dann schadet jede Sünde dieser Ordnung. Und der Schaden wiederum beflügelt die anderen Sünden. Das wird jetzt vielen Menschen aufstoßen, auch Katholiken. Wenn ich die ganze Sache aber umdrehe, werden viele mir zustimmen: Fast jeder Katholik glaubt, dass es einem anderen Menschen hilft, wenn man für ihn betet, ja wenn man überhaupt betet. Beten aber ist im Grunde das Gegenteil von Sündigen. Beten ist Lobpreis, Sündigen Ablehnung. Wenn Beten also eine positive Folge hat, dann hat Sündigen eine negative. Diese negative Folge kann aber nur sein, dass die Sünde der anderen befördert wird, indem die Ordnung Gottes gestört, der Wille Gottes abgelehnt und der Rauch des Satans in der Welt mehr Raum einnimmt.

Vielleicht, um das ganze etwas weniger hart zu formulieren, fassen wir es etwas thomistischer (unsere Thomas-Spezialisten mögen mich korrigieren, wenn es nicht stimmt): Gott hat die Menschen als Teil der guten Ordnung gut erschaffen. Sünde ist ein Mangel an Gut-Sein. Ein Mensch, der sündigt, ist weniger gut, wie er sein soll. Damit wird die Ordnung im Verhältnis zum Gewollten weniger gut erfüllt. Dieses weniger an Guten nennt man Sünde. Somit hat die meine Sünde zur Folge, dass die ganze Ordnung Schaden erleidet. Da die Ordnung alle betrifft, schade ich durch die Sünde allen.

1 Kommentar :

  1. Ich erlaube mir mal eine Kleinigkeit zu ergänzen:
    Sünde lässt sich nicht verharmlosen. Sie kann nicht weniger hart oder gar positiv definiert werden. Sünde mischt sich in alle unsere Werke (selbst das Beten!) weil der Mensch radikal verdorben ist (mehr als ein "Mangel an Gutem"). Am Kreuz sehen wir welches wirkliche Ausmaß sie hat, wie zornig Gott tatsächlich über den Sünder ist. Gott sei Dank, dass Christus sie als vollkommenes Sühnopfer für uns getragen hat ("Er wird sein Volk retten von ihren Sünden" Mt 1,21).
    Hier noch etwas aus dem von dir sicher geliebt und geschätzten Heidelberger Katechismus :-)

    Über das Elend des Menschen

    FRAGE 3

    Woher erkennst du dein Elend?

    Aus dem Gesetz Gottes (Röm 3,20).


    FRAGE 4

    Was fordert denn das göttliche Gesetz von uns?

    Dies lehrt uns Christus zusammenfassend in Matth. 22: »Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und allen Kräften. Dies ist das erste und das größte Gebot. Das zweite aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten« (Mt 22,37-40; Lk 10,27).


    FRAGE 5

    Kannst du dies alles vollkommen halten?

    Nein (Röm 3,10.23; 1.Joh 1,7.8), denn ich bin von Natur aus geneigt, Gott und meinen Nächsten zu hassen (Röm 8,7; Eph 2,3).


    FRAGE 6

    Hat denn Gott den Menschen so böse und verkehrt erschaffen?

    Nein (1.Mose 1,31); sondern Gott hat den Menschen gut und nach seinem Ebenbild erschaffen (1.Mose 1,26.27), das heißt in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit, damit er Gott, seinen Schöpfer, recht erkennt und von Herzen liebt und in ewiger Seligkeit mit ihm lebt, um ihn zu loben und zu preisen (2.Kor 3,18; Kol 3,9.10; Eph 4,23.24).


    FRAGE 7

    Woher kommt denn dieses verdorbene Wesen des Menschen?

    Aus dem Fall und Ungehorsam unserer ersten Eltern, Adam und Eva, im Paradies (1.Mose 3,1-6; Röm 5,12.18.19); damals wurde unsere Natur so vergiftet, daß wir alle in Sünden empfangen und geboren werden (Ps 51,7; 1.Mose 5,3).


    FRAGE 8

    Sind wir aber dermaßen verdorben, daß wir ganz und gar unfähig sind zu irgendeinem Guten und geneigt zu allem Bösen?

    Ja (Joh 3,6; 1.Mose 6,5; Hiob 14,4; 15,16.35; Jes 53,6), es sei denn, daß wir durch den Geist Gottes wiedergeboren werden (Joh 3,5).


    FRAGE 9

    Tut denn Gott dem Menschen nicht Unrecht, daß er in seinem Gesetz von ihm fordert, was er nicht tun kann?

    Nein (Eph 4,24.25); denn Gott hat den Menschen so erschaffen, daß er es tun konnte. Der Mensch aber hat sich und alle seine Nachkommen, vom Teufel angestiftet, durch mutwilligen Ungehorsam dieser Gaben beraubt (Röm 5,12).


    FRAGE 10

    Will Gott diesen Ungehorsam und Abfall ungestraft hingehen lassen?

    Mitnichten (Röm 5,12; Hebr 9,27); sondern er zürnt schrecklich, sowohl über angeborene als auch über selbst begangene Sünden, und will sie aus gerechtem Urteil zeitlich und ewig strafen, wie er gesprochen hat: »Verflucht sei jedermann, der nicht bleibt in all dem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, daß er's tue« (5.Mose 27,26; Gal 3,10).


    FRAGE 11

    Ist denn Gott nicht auch barmherzig?

    Gott ist wohl barmherzig (2.Mose 34,6.7), er ist aber auch gerecht (2.Mose 20,5; Ps 5,5-7; 2.Kor 6,14-17), deshalb fordert seine Gerechtigkeit, daß die Sünde, die gegen die allerhöchste Majestät Gottes begangen wird, auch mit der höchsten, das heißt der ewigen Strafe an Leib und Seele, gestraft wird.

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