Dienstag, 22. Januar 2013

Priestermangel?

Der Predigtgärtner fragt hier ob wir nicht eher zu viele Priester haben als zu wenig, eingedenk der Tatsache, dass die meisten katholischen Länder der Welt wesentlich schlechtere Priesterquoten aufweisen als wir.

Ich möchte diese Frage gerne mit ein paar Zahlen beantworten, die mir neulich unter die Finger gekommen sind:
Das 19. und das frühe 20. Jahrhundert waren besonders berufungsreiche Zeiten.
1873 kamen im Bistum Limburg 1.255 Katholiken auf einen Priester, 1881 während des Kulturkampfes 1.485. Zum Vergleich liegt diese Zahl heute bei 1.436.
Im Bistum Fulda waren es 1873 1.021 Katholiken pro Priester, 1881 1.169. Dieser Tage sind es 1.289.

Einen dramatischen Zusammenbruch der Priesterzahl kann hier also nicht festgestellt werden. Ehrlicherweise steht jedoch zu vermuten, dass sich die Zahl noch einmal deutlich verringern wird, wenn die starken Jahrgänge, die vor dem Konzil geweiht wurden, sterben. Allerdings gibt es in Deutschland zumindest in einigen Regionen hinweise, dass in den nächsten Jahren bald mehr Priester geweiht werden könnten.

Woher kommt nun das große Herumgeschreie vieler über den Priestermangel?
Zum einen gibt es wirklich Regionen, in denen die Zahlen deutlich schlechter aussehen als in den beiden genannten. Lag die Zahl Katholiken je Priester in Köln 1873 bei 888, 1881 bei 1.049, so liegt sie heute bei 1.733. Sie haben sich also annährend verdoppelt.
Ein weiterer Grund liegt in der besonderen Berufungsflut in den 30ern bis 50er Jahren. Sowohl bei den Priester- wie Ordensberufungen ist dieser Zeitraum in den letzten 200 Jahren Spitze. Das ist aber nicht der Normalfall, wie viele meinen, sondern die Ausnahme.
Ein dritter Grund dürfte geschürte Panikmache sein. Besonders gewissen Laienvertretern kann man ja einen großes Interesse daran unterstellen, einen Priestermangel herbeizureden. Denn wenn es nicht genug Priester gibt, dann können ja die hautpamtlichen Laien immer mehr priesterliche Funktionen wahrnehmen und so schrittweise das Primat der Priester in der Kirche überwinden. Gleichstellung auf Umwegen, sozusagen.

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