Dienstag, 15. Januar 2013

Der Bettler als Alkoholier II

Fortsetzung von hier.

Aber was für eine Sorte Bettler sind wir? Sind wir die guten Bettler, die durch die Erb- und eigene Sünden eben in eine bemitleidenswerte Lage gekommen sind und nun darauf hoffen, dass ein gütiger Gott uns aus unserer Lage befreit, damit wir, mit seiner Hilfestellung, uns wieder berappeln und dem Urzustand entgegenstreben können. Oder sind wir die bettelnden Alkoholiker, die die göttliche Gnade erbitten, damit sie sich gleich wieder in ihren Sünden wälzen können. Es soll ja Menschen geben, denen es wirklich gelingt, nach einer Bekehrung ein vorbildliches Leben zu führen und nur geringe Verstöße gegen die göttliche Ordnung zu begehen. In der alten Kirche muss man ihrer zahlreich angetroffen haben, wenn man sich die strengen Bußmaßnahmen betrachtet, die damals im Gebrauch waren. Zugleich gibt es Menschen, die ganz bewusst anderen schaden, aber doch regelmäßig am heimischen Bett darum bitten, Gott möge sie doch mit guter Gesundheit und Erfolg in ihrem tun beschenken.

In aller Regel aber sind die meisten von uns irgendwas in der Mitte, so wie bei den meisten Bettlern auch. Zwar geloben wir, nachdem an uns mal wieder gnadenhaft gehandelt wurde, mit großer Inbrunst, Besserung und bitten auch mal darum, der Herr möge hier helfend zur Seite springen. Gute Absicht also. Aber dann fallen wir eben doch wieder zurück in alte Gewohnheiten zurück und der sündige Mensch bricht wieder bei uns durch. Um im Bild zu bleiben setzen wir wieder die Flasche an. Denn mit der Sünde ist es ja so wie mit dem Schnaps bei Alkoholikern. Beide haben, auch nach der Reinigung, eine gewisse Disposition dazu. Etwas in uns, fachtehologisch concubiszentia genannt, drängt uns, wir sollten dieses oder jenes doch mal wieder machen. Es sei doch nicht so schlimm, es entspräche uns und täte uns auch ganz sicher gut. Aber ich wollte doch … und das nicht mehr machen. Aber … Und damit ist es auch schon zu spät. Gibt’s du dem Alkoholiker erst mal die Flasche, hat er keine Kontrolle mehr und wacht dann irgendwann irgendwo in seinem eigenen Erbrochenen wieder auf. Und wenn wir uns erst einmal der Sünde ergeben, dann wachen auch wir, nachdem der Rausch verflogen, im Schlamm unserer beganenen Irrungen auf. Ein „Bääääh“-Moment.

Was nun? Weitertrinken, lautet die Antwort der einen. Der Alkohol sei das beste Mittel gegen den Kater und die Sünde das Beste gegen ein schlechtes Gewissen. Die Lösung bietet sich ja an, da sie die Auseinandersetzung und damit deren Schmerz vermeidet. Und das will der Mensch eben, Schmerz vermeiden. Andere sind sich bewusst, dass die den Schmerz nur aufschieben und bei Fortschreiten nur mehr Bedrückung folgen wird. Also machen sie sich auf, rappeln sich hoch und versuchen, ihr Leben wieder in den Griff zu kriegen. Dafür müssen sie sich aber wieder auf ihre Matte setzen, denn alleine schaffen sie es nicht. Und dabei setzen sie sich natürlich demk Verdacht aus, Bettler zu sein, die Geld für Alkohol schnorren und Bittende, die nur um Aufschub der Strafe bitten, um demnächst weiter zu sündigen.

Im Armen erkennen wir Jesus, lehrt uns die Hl. Schrift. Aber im Armen erkennen wir auch uns selbst. Auch wir sind arm, sind Bettler vor Gott. Und mehr noch sind wir nicht immer gute Bettler, sondern wir sind auch schlechte. Wer kennt sie nicht, den Obdachlosen, die in einem U-Bahn sitz liegt und das ganze Abteil regelrecht mit seinem Gestank verpestet. Blicken wir ihn an, so sehen wir, im geistlich-spirituellen, uns selbst. Auch wir verpesten mit der Sünde die herrliche Schöpfung Gottes, betäubt von Einflüsterungen der Dämonen und schieben das gute Wort, das uns der Herr zuspricht, weg.

Kein schöner Gedanke. Und doch ist er auf zweierlei Weise nützlich und gut. Zum ersten bringt er uns die Dramatik unserer Entscheidungen zu Bewusstsein. Wie wollen wir vor Gott dastehen. Bettler sind wir immer. Aber welcher Art von Bettler wollen wir sein? Einer, der jede Gelegenheit nutzt, um zu sündigen, und für den Gott nur einer ist, der ihm hin und wieder aufhilft, der das Gericht verschiebt, damit wir weiter sündigen können und zudem wir, in einsamen, unbeteubten Stunden, aufblicken können, um uns im nächsten Moment wieder im Schlamm zu wälzen. Oder Einer, der wirklich versucht, aus seiner Notlage herauszukommen und seine Kräfte darauf konzentriert. Der zwar fällt, aber sich immer wieder hilfesuchend zu Gott ausstreckt und immer wieder neu ehrlich versucht, seine Lage zu bessern. Und der, optimalerweise, von Tugend zu Tugend dem verlorenen Paradies entgegenschreitet. Zum zweiten hilft der Gedanke uns im Verhältnis zu den Bettlern selber. Nicht nur zu den netten, sondern gerade jenen gegenüber, die wir besonders abstoßend finden. Wir sind ihnen nicht unähnlich. Wir sind oft wie sie. Wie hoffen wir, in solchen Momenten von Jesus angesehen zu werden. Und wie wollen wir sie in einem solchen Moment ansehen.

Kommentare :

  1. Mir kommt gerade der Gedanke, ich könnte zu der Sorte Bettler gehören, die ein nettes Schulterklopfen und ein paar Münzen und ein "weiter so" haben wollen. Tja. Da kann ich wohl lange warten. Suhlt euch wohl in eurem Sündenpfuhl heißt es ja nicht in der Bibel.
    Jetzt schreib bitte noch, was Gott uns als "Münzen" oder als Hilfe gegeben hat und gibt.
    Christus. Die Bibel. Die Kirche. Heilige Vorbilder. Mitchristen.

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  2. @Huppicke
    Wenn ich das aus dem Stand beantworten könnte, dann hätte ich keine Zeit hier den Blog zu schreiben, sondern würde wohl von Ratsuchenden belagert. Ist aber eine sehr gute Frage und ich werde darüber intensiv nachdenken.

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